#WeRemember – Wir erinnern…

 

830.000 Damenmäntel und Kleider,

348.000 Herrenanzüge, 

7 Tonnen Menschenhaar

…und nur 7000 Überlebende. 

Eine Bilanz am 27.1.1945 in Auschwitz-Birkenau

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Die Koffer hinter den Glasscheiben in der Gedenkstätte im ehemaligen Stammlager Auschwitz

An diesem Freitag, dem 27. Januar 2017 (29. Tevet 5777), jährt sich die Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz-Birkenau durch die Rote Armee zum 72. Mal. Das Konzentrationslager Auschwitz-Birkenau im damalig durch die Nazis besetzten Polen war das wohl schlimmste Todeslager des Dritten Reichs, schätzungsweise 1,1 Millionen Menschen starben dort; überwiegend in den dortigen Gaskammern ermordet und dann in den Krematorien verbrannt. Noch heute, wenn man die Überreste des Todeslagers besucht findet man dort noch die verstreute Asche der Verbrannten.

Den Schrecken, den die russischen Soldaten dort sahen und dokumentierten schockiert bis heute Überlebende, Nachkommen, Historiker, Lehrer, Schüler, eben jeden Menschen, der sich mit dem Holocaust (der Shoah) auseinandersetzt. Denn der industrielle Massenmord der deutschen Nationalsozialisten an 6 000 000 Juden, bleibt groteske Einmaligkeit der Geschichte.

Besonders die Kinder und deren traurige Schicksale in Auschwitz-Birkenau macht sprachlos. SS-Ärzte führten grausame Experimente an vielen Kindern durch, dabei wurden sie sogar so hohen Strahlungsdosen ausgesetzt, dass sie schlimme Verbrennungen erlitten. Für den »SS-Wirtschaftsbetrieb« Auschwitz-Birkenau waren diese Kinder nicht mehr arbeitsfähig und wurden in die Gaskammern geschickt; die Mörder in Uniform, oder Arztkittel spielten die Rollen von unmenschlichen Todesengeln (so nannte man später auch den berüchtigten SS-Arzt Josef Mengele).

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Kinder im Vernichtungslager Auschwitz kurz nach der Befreiung durch die sowjetische Armee im Januar 1945

Ein anonymes jüdisches Kind schrieb folgendes Gedicht:

Ich sitze mit meinen Puppen am Ofen und träume.

Ich träume, dass mein Vater zurückgekommen ist.

Ich träume, dass mein  Vater noch am Leben ist. 

Wie gut ist es doch  einen Vater zu haben.

Ich weiß nicht, wo mein Vater ist.

Anonym – A Treasury of Jewish Poetry

»We Remember – Wir erinnern.«, mit diesem kurzen, aber prägnanten Satz rief der World Jewish Congress (WJC) dazu auf, man möge an die Shoah erinnern und somit auch endlich jene Menschen erreichen, denen dieses Kapitel der Geschichte immer noch schier egal ist, oder die wirklich noch nie etwas über den Holocaust gehört haben. Unter dem Hashtag »#WeRemember« findet man in den sozialen Netzwerken, wie Facebook, Twitter, oder Instagram Fotos von Menschen, die mit dem prägnanten Satz mahnen.

Muss man denn wirklich 72 Jahre nach dem Holocaust in Deutschland, in Europa und auf der Welt noch mahnen?

Natürlich, denn die Shoah präsentiert einen grausigen Einblick auf einen tiefen dunkeln Abgrund des Menschen, das unendliche Leid des Lebendigen und die Ohnmacht des Göttlichen.

Solange rassistischer Antisemitismus, religiöser Antijudaismus und politischer Judenhass in der Welt existiert, sind wir, Juden und Nicht-Juden, gefragt gegen dieses Übel einzustehen!

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WIR ERINNERN – WE REMEMBER!
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9.11.1938 – Der Abend an dem die Synagogen brannten

Heute jährt sich die »Reichspogromnacht« zum 78. Mal.

Am 9. November 1938 kam es zu den ersten offen gewalttätigen Übergriffen der Nazis gegenüber Juden in ganz Deutschland. Überall im Land wurden Synagogen in Brand gesetzt, jüdische Geschäfte demoliert, Juden inhaftiert und sogar durch den wütenden deutschen Mob ermordet. In der Geschichtswissenschaft beginnt mit den »Novemberpogromen 1938« die Shoah, die deutsche industrielle Vernichtung des europäischen Judentums; auch Holocaust genannt.

Als die Synagogen brannten und die jüdischen Geschäfte in Deutschland geplündert wurden, schalten die Geräusche festlicher Umzüge an die Orte des Schreckens. Denn die Christen feierten Sankt Martin, eben jenes Fest, was einen römischen Offizier gewidmet ist, der Nächstenliebe lebte und nicht zwischen Menschen unterschied. Eine Ironie des Schicksals, denn die Nächstenliebe findet sich in der Torah, eben jenem Schriftstück, dass Deutsche während der Novemberpogrome dem realgewordenen Feuer des Antisemitismus übergaben.

Liebe deinen Nächsten wie dich selbst: ich bin der Ewige.                                                      Kedoschim, Waijkra 19, 18 (Levitikus 19, 18)

Eben nicht nur SA-Männer begingen diese ersten Gräueltaten gegenüber dem jüdischen Volk, sondern auch ganz normale Deutsche – Ehemännern, Familienväter, geliebte Söhne – ganz normale Menschen.

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Brennende Synagoge während der Pogromnacht 1938 in Hannover

Es gibt Berichte, dass Eltern mit ihren Kindern, die Sankt-Martin-Laternen trugen, sich die brennenden Synagogen anschauten. Es gab euphorische Jubelrufe aus dem Publikum und antisemitische Beleidigungen, die die Täter weiter anstachelten. Der systematische Judenhass fand unter den Anwesenden größtenteils Akzeptanz, ja sogar unhaltbare Freude. Die, die sich schämten, dass Menschen, Mittbürger, zu so etwas fähig waren und derartigen Hass zeigen konnten, wandten sich beschämend ab.

In so vielen Autobiographien, wissenschaftlichen Arbeiten und der Weltliteratur wurde der Abend des 9.11.1938 thematisiert. Das deutsche Judentum schrie einen stummen Schrei, einen Schrei, den niemand in Europa vernehmen wollte.

Heute, an diesem 9.11 gedenkt man in Deutschland diesem traurigen Novemberabend, an dem Synagogen brannten und man begann, das jüdische Leben in Deutschland zu beenden.

Wenn ich sehe, dass rechtspopulistische Deutsche erneut durch die Straße marschieren, besonders an einem solchen Tag, dann beginne ich zu weinen. Hat man in Deutschland wirklich vergessen, was vor 78 Jahren passierte, oder ist es schlichtweg nicht mehr wichtig, dass man daran gedenkt?

 

 

Eine unendliche Geschichte – Die Zugehörigkeit des Islams zur deutschen Gesellschaft

Seit mehreren Jahren geistert diese Frage durch die deutsche Politik- und Medienlandschaft, viele Menschen haben sich an eine Lösung getraut, einige mehr andere weniger erfolgreich. Doch egal zu welchem Schluss all diese Personen kamen, die Frage blieb letztendlich immer die gleiche: Gehört der Islam zu Deutschland?

Vielleicht sollte die Frage viel wissenschaftlicher und präziser gestellt werden: Welcher »Islam« soll, kann und darf eigentlich zu Deutschland gehören? Denn immerhin gibt es nicht »den« Islam, sondern viele verschiedene Ausprägungen und Richtungen.

Der emeritierte Politikwissenschaftler Bassam Tibi ist der Meinung, dass der »Euro-Islam« gescheitert sei, also die Vorstellung einer liberal-islamischen Strömung, die problemlos mit dem deutschen Grundgesetz und der Religionsfreiheit zu vereinbaren ist. Dazu schreibt er in einem Gastkommentar in der WELT (08.05.16):

»Als Syrer aus Damaskus lebe ich seit 1962 in Deutschland, und ich weiß: Patriarchalisch gesinnte Männer aus einer frauenfeindlichen Kultur lassen sich nicht integrieren. Ein europäischer, ziviler Islam, den die Islamfunktionäre hierzulande als Euro-Islam ablehnen, wäre die Alternative. Zurzeit ist er chancenlos. Mein Lehrer Max Horkheimer hat Europa als „Insel der Freiheit im Ozean der Gewaltherrschaft“ bezeichnet. Diese Freiheit sehe ich heute gefährdet.«

Sobald das Thema »Islam und Deutschland« in der Gesellschaft behandelt wird und die allseits bekannte Frage in Talkshows, Debatten und Podiumsdiskussionen gestellt wird, reagieren die Gemüter verschiedener Meinungen und Richtungen über. Die eine extreme Gruppe meint, dass doch Terror und Islamismus nichts mit »dem« Islam zutun hätte, wobei die andere Gruppe gar behauptet, dass Muslime und ihre Religion in Deutschland »nichts zu suchen hätten«. Natürlich gehören muslimische Mitbürger zur Bundesrepublik Deutschland und zu dieser heterogenen und vor allem multikulturellen Gesellschaft, doch auch, oder besonders muslimische Mitmenschen müssen sich endlich verstärkt in diese Debatte einwerfen und dabei helfen, dass der Islam als normale und vor allem liberal-säkulare Religion etabliert werden kann. Aussagen, wie »Das hat mit dem Islam nichts zutun!«, oder »Das sind keine Muslime (gemeint werden Salafisten, oder andere muslimische Radikale)!«, sind dabei kontraproduktiv, ja sogar verträumter Blödsinn. Viele islamische Strömungen haben einen gemeinsamen Kernpunkt und eben das sind Gewaltpassagen im Qur’an und der Sunna, die so nicht mit der humanistischen und säkularen Welt Europas konform gehen können.

Dem ewigen Argument der muslimischen Verbände und vieler Sympathisanten, der Terror habe mit dem Islam nichts zutun, stellt Michael Wolffsohn in der TV-Sendung „hart aber fair“ am 11. April 2016 im Ersten klar, dass der Terror seine Wurzeln sehr wohl in der Religion besitzt:

»Gerade die heiligen Schriften und ihre buchstäbliche Auslegung sind das Problem. Eine kritische Interpretation der Quellen, wie das Christentum sie mit der Reformation oder das Judentum durch rabbinische Texte erfahren haben, hat der Islam in diesem Maße noch nicht erfahren. Deshalb ist es ein Unterschied, ob im Alten Testament das Niederbrennen irgendeines seit 2400 Jahren untergegangenen mesopotamischen Königreichs oder im Koran der Kampf gegen die – durchaus noch existierenden – Juden gefordert wird.«

Auch der renommierte deutsch-libanesische Prof. Dr. Khorchide, Leiter des Zentrums für Islamische Theologie an der Uni Münster schreibt dazu in der Zeit Geschichte (2/2016):

»Viele Muslime distanzieren sich zwar davon (bezogen auf die Definition von Dschihad als Heiliger Krieg), mit dem Hinweis, das habe nichts mit dem Islam zutun, jedoch ohne sich ernsthaft mit den Argumenten des IS und anderer Extremisten auseinanderzusetzen. Sie verkennen, dass das Problem tief in der islamischen Tradition verwurzelt ist.«

Ein recht großes Problem im Bezug auf die Beantwortung der Frage »Gehört der Islam zu Deutschland?«, sind radikalisierte muslimische Jugendliche – eben die wichtigsten Fußsoldaten des Islamischen Staates.

Vor allem Jugendliche mit Immigrationshintergrund aus dem westlichen Europa (Frankreich, Großbritannien, den Beneluxländern und Deutschland) und ihren Brennpunkten, bilden den Kern der Anhängerschaft des Islamischen Staates. Durch islamistische Scharfmacher in Moscheen und Jugendtreffs, oder während der sogenannten »Street Dawa«, werden diese jungen Menschen zu hörigen Soldaten des Kalifats in Syrien und dem Irak erzogen. Der deutsch-israelische Psychologe Achmad Mansour nennt diese jugendliche Gruppierung unter muslimischen Jugendlichen »Generation Allah«, eben genau die Art von Jugendlichen, die nur noch im fundamentalistischen Islam ihre Lebenserfüllung finden. Der Weg von einer radikalen Moscheegemeinde bis zum Kriegsgebiet Syrien unter der schwarzen Flagge des IS, oder der Schahāda, ist fließend.

Es muss eine konsequente Intervention im Hinblick auf muslimische Jugendlichen, ihre Religionsvorstellung und ihre patriachale Familienstruktur folgen, damit man Herr dieser Lage werden kann. Muslimische Jugendliche machen vor allem die nicht-muslimische Umwelt, das deutsche, oder europäisch-westliche Staatgefüge und eben auch das Judentum als »Strippenzieher« allen »Bösen« im Nahen Osten für die Probleme der islamischen Welt, aber besonders für ihr eigenes Versagen verantwortlich.

Voraussetzung für eine solche Liberalisierung und Integration des Islams in Deutschland, ist, dass Muslime die wissenschaftliche Islamkritik (das gilt selbstverständlich nicht für beleidigende Hetzkampagnen und unseriöse Islam-Diffamierungen, wie man sie bei der AfD, oder der PEGIDA oft antrifft) als durch das Grundgesetz gegebene Freiheit respektieren.

Sobald der Islam in irgendeiner Art und Weise vermeintlicher Kritik ausgesetzt wird, springen unzählige Muslime und nicht-muslische Sympathisanten in die Runde. Dabei wird leider eins ziemlich deutlich, denn der Islam, sowie viele Muslime, sind noch nicht bereit Kritik zeitgemäß zu akzeptieren.

Das folgende Beispiel zeigt, wie muslimische Jugendliche im Bezug auf Islamkritik, Judentum und Grundgesetze leider zu argumentieren wissen:

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Die EM 2016 – Ein Sammelbecken für Hooligans und Rechtsextreme

Das EM-Spiel Deutschland gegen die Ukraine hat noch nicht einmal angefangen und schon entsteht Krawall. Während 20.000 Fans friedlich feiern, randalieren, schlagen, pöbeln und demolieren 50 Fans im Stadtzentrum von Lille.

Es sind enthemmte Szenen, zwar nicht vergleichbar mit den schweren Ausschreitungen in Marseille, wo Fußballfans von England und Russland brutal aufeinander trafen, doch zeigt der Zwischenfall in Lille wieder eine der hässlicheren Seiten des Fußballs: die hemmungslose Gewaltbereitschaft von Hooligans.

Auch deutsche Fußballfans fielen mit ihrem Benehmen unangenehm auf, was das nächste Problem offenbart, nämlich die rechte Einstellung einiger deutscher Fußballfans und vor allem deutscher Hooligans.

In Lille präsentierten sich deutsche Hooligans stolz mit der Reichskriegsflagge des Kaiserreichs, die immer wieder als Erkennungszeichen rechter Gesinnung dient. Vereinzelt waren auch der Hitlergruß und Hitler-Rufe präsent. Natürlich kann man das mit den Worten »das waren ja in erster Linie nur betrunkene asoziale Hooligans« abtun, aber damit machen wir uns das Problem zu einfach, besonders, wenn es um den deutschen Fußball und die leider auch dort vertretene rechtsextreme Szene geht.

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Hooligans in Lille mit der Reichskriegsflagge des Kaiserreichs. Ein beliebtes Symbol unter Rechtsextremen.

Gehen wir einige Wochen vor den Beginn der EM in Frankreich zurück, nämlich zum DFB-Pokalfinale zwischen Bayern München und dem BVB Dortmund am 25.5.2016. BVB-Fans hatten sowohl auf der Hinfahrt, als auch auf der Rückfahrt randaliert und vor allem demoliert. Schon am Dortmunder Hauptbahnhof randalierten einige Mitglieder verschiedener Ultra-Gruppen, dabei wurde ein Unbeteiligter durch Pyrotechnik verletzt. Den Höhepunkt aber bildeten die antisemitischen, wie auch homophoben Schmählieder und die abartige Verwüstung der Wagons der Sonderzüge der Deutschen Bahn.

Ein anonymer Zeuge hat seine Eindrücke auf Vice veröffentlicht und schildert, wie er den Mittwoch und die Entgleisungen einiger Fans erlebt hat. Es ist nicht unbekannt, dass in Dortmunder Ultra-Gruppen auch viele rechtsextreme Personen vertreten sind, denn in Dortmund und Umgebung ist Rechtsradikalismus zu einem Dauerproblem geworden. Die »Ruhrnachrichten« haben dazu sogar eine eigene Rubrik für das Thema eingerichtet und berichten über aktuelle Entwicklungen der rechten Szene Dortmunds.

Parteien, wie »Die Rechte« und auch die »NPD« sind mit jeweils einem Sitz im Dortmunder Stadtrat vertreten. Die rechtsextreme Partei »Die Rechte« sorgte in Dortmund 2014 für einen Eklat, als Dennis Giemsch (Vorgänger unteranderem von Michael Brück als Vertreter der Partei »Die Rechte« im Stadtrat) eine Anfrage an die Stadt stellte, worin man um die genauen Zahlen und Wohnorte von jüdischen Bürgern in Dortmund bat; die Tageszeitung DIE WELT berichtete dazu ausführlich. Angesichts dieser Tatsachen ist es kaum verwunderlich, dass Rechtsextreme eben auch in den Dortmunder Ultra-Gruppen mitmischen.

Man muss aber noch einmal betonen, dass eben nicht jeder BVB-Fan und Ultra ein rechtsextremes Problem hat, denn unter den Fans in der Südkurve sind auch genug Personen, die sich oft offen gegen Rechtsradikalismus, Antisemitismus und Homophobie stellen.

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Beim Spiel gegen Hannover 96 im Oktober 2014 zeigten BVB Fans auf der kompletten Südtribüne Spruchbänder gegen Nazis.                       

Auch, oder vor allem in Ostdeutschland ist das Phänomen der rechtsextremen Hooligans lange bekannt und schon oft thematisiert worden. Besonders die Hooligan-Gruppen um den Zweitligisten Dynamo Dresden und Lok Leipzig sind hier zu nennen, da diese auch mit anderen rechten Vereinigungen von anderen Mannschaften zusammenarbeiten, wie eben auch mit Dortmunder Rechtsextremisten. Diese Personen sind Montags auch auf den Demos von PEGIDA, LEGIDA und Co. zu finden, wie z.B. als Ordner. Auf den Demonstrationen der rechten HoGeSa trifft man sie als Krawallmacher, wie zuletzt in Köln 2015. Rechtspopulismus und Rechtsextremismus ist mittlerweile kaum zu unterscheiden, besonders wenn diese beiden Gruppen so eng miteinander zusammenarbeiten.

Bei den Krawallen in Lille waren eindeutig deutsche Hooligans der rechten Szene vertreten und involviert. Die Gruppe »Faust des Ostens« (eine rechtsextreme Gruppe von Hooligans für Dynamo Dresden) schrieb auf ihrer Facebook-Seite, dass sie »auch mitmischen«.

Im Stadion dagegen waren bekannte Rechtsextreme aus Dortmund, die zwar zuhause etliche Stadionverbote erhalten haben, doch diese Verbote sich leider ausschließlich auf Deutschland beschränken.

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Die Hemmungen in Frankreich scheinen kaum vorhanden zu sein, denn obwohl die französische Polizei bekannt für ihre brutale »Deeskalation« ist, gibt es kaum Verhaftungen und die Hooligans können fröhlich weiter randalieren. Das lasche Durchgreifen der französischen Polizei wird auch weiterhin die EM 2016 zu einem Eldorado für Schläger, Randalierer und rechter Hooligans machen.

Der Nakba-Day – Antisemitische Selbstinszenierung mit Trauercharakter

Drei große Events bieten Antisemiten und Antizionisten jährlich die Chance gemeinsam und öffentlich ihren Hass gegenüber Juden und Israel zu zeigen:

Yom Ha-Atzmaut (Tag der Unabhängigkeit) – der Nationalfeiertag Israels stellt die Unabhängigkeit Israels im Jahr 1948 in den Mittelpunkt. [Gefeiert wurde in diesem Jahr am 12. Mai].

Nakba-Day (Tag der Katastrophe) – an diesem Tag gedenken Palästinenser an die »Vertreibung« und mahnen die »Besetzung« Israels seit 1948. [Dieser Tag wird immer am 15. Mai des Jahres abgehalten.]

al-Quds-Tag (Internationaler Jerusalemtag) – ein iranischer gesetzlicher Feiertag, der als Kampftag gegen Israel und den Zionismus genutzt wird. Besonders wird die »Befreiung Jerusalems von den zionistischen Besatzern« in den Mittelpunkt gesetzt.

Zitat von der offiziellen Internetpräsenz des al-Quds-Tags in Berlin:

Am letzten Freitag im Monat Ramadan gehen weltweit die Menschen für Freiheit und gegen Krieg und Unterdrückung auf die Straße. Auch in Berlin demonstrieren wir gemeinsam am Samstag, den 02. Juli 2016.

Gestern fand der alljährliche Nakba-Day statt, auch in vielen deutschen Städten. Er ist gewohnter Magnet für Antisemiten und Antizionisten, die sich endlich zusammen gegen Juden und den Staat Israel auslassen können. Selten bleibt dieser Veranstaltungstag ein zurückhaltender »Trauertag« für den »Verlust des palästinensischen Landes«, denn der Tenor ist eine spürbare Anti-Israel-Stimmung, die von der deutschen Presselandschaft oftmals heruntergespielt, oder ganz ausgeblendet wird.

Die Veranstalter des diesjährigen Nakba-Day rufen auf ihrer Facebook-Präsenz mit folgendem Text auf:

Das Nakba-Tag-Bündnis Berlin ruft zur Demonstration auf.

Deutschland 2016 schreibt sich seine „Willkommenskultur“ groß auf die Fahnen. In allen Schichten und in verschiedensten politischen Spektren wird Solidarität mit Geflüchteten propagiert. Manche beschäftigen sich mit den verschiedenen Fluchtursachen, manche beschränken sich auf Menschenrechtsdiskurse. Aber eine Fluchtursache, die über 7

Millionen Geflüchtete zu verantworten hat und seit 68 Jahren andauert, wird systematisch negiert: Die Nakba, die große Katastrophe Palästinas, als 1948 750.000 Palästinenser*innen durch zionistische Milizen aus ihrem Land vertrieben wurden. Die Vertreibung und Vernichtung der Jüd*innen Europas durch Deutschland hat ein Kolonialprojekt beschleunigt – die Errichtung eines zionistischen ethnokratischen Staates auf dem Rücken der Einwohner*innen Palästinas – Israel. Ein Kolonialstaat, der von Deutschland bis heute Wiedergutmachung erhält und materiell und ideologisch bedingungslos unterstützt wird.

Die Existenz dieses zionistischen Kolonialstaates mit seinen ethnischen Privilegien verhindert bis heute die Rückkehr der Geflüchteten und ihr Recht auf ein würdiges Leben. Die meisten von ihnen leben schon seit drei Generationen in ärmsten Verhältnissen in Flüchtlingslagern um Palästina herum. Viele von ihnen wurden durch den Krieg in Syrien zum zweiten oder dritten Mal vertrieben. Sie befinden sich zum Teil auch jetzt auf dem Weg nach Europa. In Palästina unterstützt Deutschland und der Westen einen heuchlerischen „Friedensprozess“, dessen brutalste Erscheinungsform das Oslo-Abkommen von 1994 ist. Mit der Zweistaatenlüge wurde ein neuer Verwaltungsapparat in dem 1967 besetztenTeil Palästinas installiert, der einerseits Israel die Handhabung der Besatzung erleichtert, andererseits die Welt vom Status Quo überzeugt. Die Geflüchteten hat es keinen Zentimeter näher an ihre Heimat herangebracht. Die Generation, die in die hoffnungslose Realität von Oslo hineingeboren ist, steht heute auf und wehrt sich mit allen ihnen zur Verfügung stehenden Mitteln im Kampf gegen ihre kolonialen Unterdrücker*innen. Das Recht auf Widerstand gegen koloniale Unterdrückung und für Selbstbestimmung ist seit den 70er Jahren – im Kontext der kolonialen Befreiungskriege und auf Druck der ehemaligen Kolonien gegen den Widerstand ihrer Kolonialherren völkerrechtlich anerkannt.

Die Solidarität mit dem palästinensischen Widerstand, das Gedenken an die Nakba, der Aufruf,auf Israel international Druck auszuüben durch Kampagnen wie die palästinensisch geführte globale BDS-Bewegung – all dies wird durch die pro-zionistische Hegemonie und die Staatsräson der Bundesrepublik Deutschland mundtot gemacht.

Wir sind hier, um das Schweigen seit 1948 zu brechen. Wir sind hier um ein klares Zeichen der Solidarität mit Palästina zu setzen. Wir sind auch hier, um die Solidaritätsbewegung weiter auszubauen, uns zu vernetzen, zu organisieren und klar zu sagen, dass wir uns nicht einschüchtern lassen – nicht durch zionistische Lobby-Gruppen und ihre Millionen-Budgets, nicht durch Zeitungen und ihre Hetzkampagnen, und nicht durch Israel-Fetischist*innen mit ihrem Täterenkel-Komplex. Unser Kampf ist ein linker Kampf, es ist ein internationalistischer, antiimperialistischer und antikapitalistischer Kampf. Es kann keine globale Befreiung geben ohne die Befreiung Palästinas. Dafür gehen wir auf die Straße.

– Für ein freies und gleichberechtigtes Palästina, in das jede/r Geflüchtete zurückkehren und sich niederlassen kann!

– Für den Stopp aller Kriminalisierung- und Illegalisierungsmassnahmen und rassistischer Hetze gegen die Palästina-Solidaritätsarbeit und anti-zionistische Gruppierungen!

– Für ein Ende der Besatzung und die Entkolonisierung Palästinas! Für Selbstbestimmung aller ethnischen Gruppen im Lande!

– Für ein Ende des Waffenhandels zwischen Israel und Deutschland!

– Solidarität mit dem palästinensischen Widerstand in all seinen Formen als einem antikolonialen und antiimperialistischen Kampf!

– Wir lehnen alle Strukturen von Verwaltung und Kollaboration mit dem zionistischen Regime ab!

Wir bitten alle Demoteilnehmer*innen darum, imperialistische / nationalstaatliche Symbole und Fahnen nicht mitzubringen.


Der Text der Initiatoren strotzt nur so von Halbwahrheiten und antisemitischen, wie auch antizionistischen Klischees und Stereotypen. Nicht ein einziges mal geht der Urheber des Textes auf die arabische Kriegserklärung gegen Israel im Jahr 1948 ein, oder auf die systematische Vertreibung von Jüdinnen und Juden aus arabischen und nordafrikanischen Ländern, als eine Folge des panarabischen Krieges gegen Israel.

Vielmehr wird hier eine Legende weiter ausgebaut, die als politisches Standardargument gegen den Staat Israel und eben auch gegen Jüdinnen und Juden dienen soll. Ähnlich, wie im Rahmen des al-Quds-Tags werden jüdische Kronzeugen gegen Israel und den Zionismus auch am Nakba-Tag verwendet, besonders von Teilen der deutschen Presselandschaft.

Die Stuttgarter-Zeitung hat am 7. Mai einen Artikel über den Nakba-Day veröffentlicht, der sich ähnlich, wie die pro-palästinensischen und vor allem anti-zionistischen Internetseiten und Blogs liest.

Kurzum: Israel ist der ewige böse Täter und die Palästinenser die armen Opfer, die mit diesem Gedenktag ein Zeichen setzen wollen, da sie immer noch einer »Verfolgung« ausgesetzt sind. Eine seriöse und vor allem objektive Auseinandersetzung mit diesem seit schon 68 Jahren anhaltende Problem, gibt es nicht. Wahrscheinlich wird es von vielen Leuten auch nicht gewünscht, denn Israel die Schuld zu geben ist wahrlich einfacher.

Caroline Friedmann von den Stuttgarter-Nachrichten beginnt ihren Beitrag zum Nakba-Day 2016 in Stuttgart mit einem ziemlich reißerischen Zitat:

»Geschichte zu leugnen, ist nicht gesund«,

und partizipiert somit (bewusst, oder unbewusst) an einer wilden, aber gängigen Unterstellung gegenüber Juden, Zionisten und dem Staat Israel.

Quasi wird dem Staat Israel und den Zionisten vorgeworfen, sich ähnlich wie Holocaustleugner zu verhalten, ein relativ häufiges Stilmittel von Israelhassern und Antisemiten.

Die Nakba wird außerdem oftmals mit ähnlich fadenscheinigen Argumenten mit der Shoah gleichgesetzt, aber, dass es eine jüdische Nakba in teilen Nordafrikas und den arabischen Staaten gegeben hat, wird gerne von den Kritikern verschwiegen.

Es sind Passagen, wie:

»Stuttgart – Wie viele Menschen aus ihren Herkunftsländern fliehen müssen, wird den Deutschen derzeit so bewusst wie nie zuvor. Immer noch kommen Flüchtlinge zu uns und hoffen auf ein besseres und sicheres Leben. Auf der Flucht befanden sich vor 68 Jahren auch zahlreiche Palästinenser, die 1948 aus ihrer Heimat vertrieben wurden. Um an diese Menschen zu erinnern und um deutliche Kritik am Staat Israel zu üben, hat das Palästinakomitee Stuttgart am Wochenende den Palästina-Nakba-Tag auf dem Stuttgarter Schlossplatz veranstaltet.«,

die ein gängiges antisemitisches Bild von bösen Israelis / Juden und armen Palästinenser / Muslimen generieren. Die Presse macht sich dadurch immer wieder zum willigen und aktiven Unterstützer von antisemitischer und antizionistischer Propaganda, obwohl man immer wieder halbherzig betont, dass man gegen Antisemitismus und Rassismus ist.


Auch die »jüdischen Kronzeugen« gegen den Zionismus und den Staat Israel dürfen in der Beweisführung der Israelkritiker nicht fehlen.

Die Journalistin Caroline Friedmann schreibt in ihrem Artikel zum Nakba-Day in Stuttgart:

Deutliche Worte dem Staat Israel gegenüber fanden jedoch weniger die Palästinenser, sondern vor allem Menschen, die selbst israelische Wurzeln haben. So wie der jüdische Verleger, Autor und Journalist Abraham Melzer. Er kämpft seit mehr als 40 Jahren für die Rechte der Palästinenser und gegen das „Unrecht der israelischen Regierung“. „Israel soll die Palästinenser endlich als Menschen anerkennen und sich für Frieden statt für Krieg einsetzen“, sagt Melzer. „Israel bräuchte einen Willy Brandt, der dafür sorgt, dass man auf Augenhöhe mit den Palästinensern spricht.“

Shir Hever von der jüdischen Stimme für gerechten Frieden in Nahost betonte, wie wichtig es sei, die Vergangenheit nicht tot zu schweigen. Die meisten Israelis wüssten, dass es 1948 eine systematische Vertreibung der Palästinenser gegeben habe, aber darüber sprechen würden die wenigsten. „Und die Geschichte zu leugnen, ist nicht gesund“, so Hever.


Natürlich wird in einem Artikel zum Thema Nakba-Day nur der selbsthassende jüdisch-israelische »Mainstream« zitiert, der in der linken Szene Israels zu verorten ist. Caroline Friedmann ist das aber egal, denn immerhin hat sie Juden zitiert und wenn diese Juden sich gegen Israel und für die Palästinenser aussprechen, um so besser. Das fast schon antisemitische Israelkritik nicht wirklich neu ist, kennt man von den Berichten der ARD Tagesschau und den Artikeln von SPON (Spiegel-Online) unter seinem Chef Jakob Augstein.

Jedenfalls ging gestern dieser Kampftag gegen Israel, Zionismus und Juden in zahlreichen Städten in Deutschland zu Ende. Immer wieder schön ist, dass sich politische Gruppen und freiwillige Organisationen dem offenkundigen Antisemitismus in Gewand einer »Trauerveranstaltung« entgegen setzen. Doch wirklich bedenkenswert sind Artikel, wie der Beitrag der Stuttgarter-Nachrichten, die ein einseitiges und vor allem unseriöses Bild Israels generieren wollen.

Eigentlich könnte man direkt die niveaufreien Beiträge eines selbsternannten »Palästina-Retters« und von Antisemiten geliebten Israelkritikers, wie Jürgen Todenhöfer, lesen.