Der »stille« Antisemitismus in Deutschland: Intro – Von Boykott und Verbot

Wie kann Antisemitismus denn überhaupt still sein?

War Antisemitismus, sowohl der gesellschaftliche, als auch der staatliche Judenhass jemals leise?

Die frühen anti-jüdischen Äußerungen und Maßnahmen der NSDAP nach Hitlers Machtübernahme am 30. Januar 1933 verliefen alles andere als »still«, sondern am helllichten Tag und in aller Öffentlichkeit. Nach der Machtübernahme Hitlers verschärfte sich der Ton gegenüber den jüdischen Mitmenschen drastisch. Deshalb verließen schon in den ersten Monaten nach Januar 1933 vor allem die jüdischen und linken Künstler und Intellektuelle, darunter die Dirigenten Otto Klemperer und Bruno Walter, das Deutschland der Nazis.

Obwohl anhand des Wahlprogramms der NSDAP für die Reichstagswahlen im November 1932 der lupenreine Antisemitismus der Nazis unübersehbar war, herrschte keine gefühlte Panik unter der Mehrheit der etwa 525.000 Juden in Deutschland.

Der Vorstand des Central-Vereins deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens, kurz CV, die Vorgängerorganisation des Zentralrats der Juden in Deutschland, äußerte sich am 30. Januar 1933 folgend:

»Im übrigen gilt heute ganz besonders die Parole: Ruhig abwarten.«

Benz, Wolfgang (Hrsg.), »Das Exil der kleinen Leute: Alltagserfahrungen deutscher Juden in der Emigration«, München 1991, S. 16

Auch die frühen Boykott-Versuche im April 1933 zeigten, wie die NSDAP immer offener versuchte Stimmung gegen deutsche Juden zu erzeugen. Der April-Boykott scheiterte vor allem daran, da in dieser frühen Phase des Nationalsozialismus die überwiegende Mehrheit der Deutschen noch nicht vom propagierten Antisemitismus »verseucht« waren. Auch die April-Gesetze von 1933 (unteranderem die Wiederherstellung des Berufsbeamtentums vom 7. April) trugen ihren Teil dazu bei, dass die Stimmung gegen deutsche Juden immer heftiger wurde.

Mit dieser Entwicklung, die ihren Höhepunkt in den Nürnberger Rassegesetzen (15. September 1935) erreichte, wurden deutsche Juden aus der »völkischen Gesellschaft« Nazi-Deutschlands exkludiert und für den späteren Holocaust entmenschlicht. Juden sollten das Prädikat »Mensch« verlieren, damit man dementsprechend mit diesen »Nicht-Menschen« umgehen konnte.

Das diese braunen Bäume reife Früchte trugen, zeigen die Novemberpogrome 1938 ganz deutlich (→ beschrieben in meinem Artikel »9.11.1938 – Der Abend an dem die Synagogen brannten«).

Auch die Stellung der Kirchen zur sich zuspitzenden Judenverfolgung muss hier erwähnt werden. So schreibt der Historiker Klaus Scholder:

»Kein Bischof, keine Kirchenleitung, keine Synode wandte sich in den entscheidenen Tagen um den 1. April öffentlich gegen die Verfolgung der Juden in Deutschland.«

Scholder, Klaus: »Die Kirchen und das Dritte Reich«, Bd I, »Vorgeschichte und Zeit der Illusionen 1918 – 1934«, Frankfurt a. M. 1977, S. 338 ff.

Niemand, weder in gesellschaftlichen, noch staatlichen Kreisen innerhalb Deutschlands war also wirklich »unschuldig« an der Judenverfolgung, die im Holocaust gipfelte.

Wie sieht es denn heute, 72 Jahre nach Auschwitz, nach dem unbegreiflichen industriellen Massenmord an sechs Millionen Juden aus? Ist der Antisemitismus nach der Shoah (שׁוֹאָהKatastrophe; Untergang) in Deutschland »still« geworden?

War denn der Antisemitismus jemals still?

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9.11.1938 – Der Abend an dem die Synagogen brannten

Heute jährt sich die »Reichspogromnacht« zum 78. Mal.

Am 9. November 1938 kam es zu den ersten offen gewalttätigen Übergriffen der Nazis gegenüber Juden in ganz Deutschland. Überall im Land wurden Synagogen in Brand gesetzt, jüdische Geschäfte demoliert, Juden inhaftiert und sogar durch den wütenden deutschen Mob ermordet. In der Geschichtswissenschaft beginnt mit den »Novemberpogromen 1938« die Shoah, die deutsche industrielle Vernichtung des europäischen Judentums; auch Holocaust genannt.

Als die Synagogen brannten und die jüdischen Geschäfte in Deutschland geplündert wurden, schalten die Geräusche festlicher Umzüge an die Orte des Schreckens. Denn die Christen feierten Sankt Martin, eben jenes Fest, was einen römischen Offizier gewidmet ist, der Nächstenliebe lebte und nicht zwischen Menschen unterschied. Eine Ironie des Schicksals, denn die Nächstenliebe findet sich in der Torah, eben jenem Schriftstück, dass Deutsche während der Novemberpogrome dem realgewordenen Feuer des Antisemitismus übergaben.

Liebe deinen Nächsten wie dich selbst: ich bin der Ewige.                                                      Kedoschim, Waijkra 19, 18 (Levitikus 19, 18)

Eben nicht nur SA-Männer begingen diese ersten Gräueltaten gegenüber dem jüdischen Volk, sondern auch ganz normale Deutsche – Ehemännern, Familienväter, geliebte Söhne – ganz normale Menschen.

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Brennende Synagoge während der Pogromnacht 1938 in Hannover

Es gibt Berichte, dass Eltern mit ihren Kindern, die Sankt-Martin-Laternen trugen, sich die brennenden Synagogen anschauten. Es gab euphorische Jubelrufe aus dem Publikum und antisemitische Beleidigungen, die die Täter weiter anstachelten. Der systematische Judenhass fand unter den Anwesenden größtenteils Akzeptanz, ja sogar unhaltbare Freude. Die, die sich schämten, dass Menschen, Mittbürger, zu so etwas fähig waren und derartigen Hass zeigen konnten, wandten sich beschämend ab.

In so vielen Autobiographien, wissenschaftlichen Arbeiten und der Weltliteratur wurde der Abend des 9.11.1938 thematisiert. Das deutsche Judentum schrie einen stummen Schrei, einen Schrei, den niemand in Europa vernehmen wollte.

Heute, an diesem 9.11 gedenkt man in Deutschland diesem traurigen Novemberabend, an dem Synagogen brannten und man begann, das jüdische Leben in Deutschland zu beenden.

Wenn ich sehe, dass rechtspopulistische Deutsche erneut durch die Straße marschieren, besonders an einem solchen Tag, dann beginne ich zu weinen. Hat man in Deutschland wirklich vergessen, was vor 78 Jahren passierte, oder ist es schlichtweg nicht mehr wichtig, dass man daran gedenkt?

 

 

»Don’t forget the US embassy moving to Jerusalem!«

»Don’t forget the US embassy moving to Jerusalem!«, twittert Elie Leshem, stellvertretender Herausgeber der »Times of Israel« nach dem Wahlsieg von Donald Trump. Vor allem in Israel hofft man nun auf eine deutlichere pro-israelische Politik seitens der USA.

In einer Rede vor dem AIPAC (American Israel Public Affairs Committee) im März 2016 bekräftigte Donald Trump, dass er bei einem Wahlsieg die Beziehung zwischen der USA und Israel noch verstärken würde. Eines seiner Hauptanliegen ist es, dass die US-Botschaft von Tel Aviv nach Jerusalem verlegt wird, was eine deutliche Ansage sein würde. Denn nicht jeder Staat erkennt den Status Jerusalems als Hauptstadt Israels an, sodass Länder, wie Deutschland, Österreich, oder eben auch die USA ihre Botschaften in Tel Aviv unterhalten, anstatt in der israelischen Hauptstadt (denn das israelische Parlament, die Knesset, befindet sich in Jerusalem). Ein weiterer Punkt, den Trump immer wieder bekräftigt hatte, ist der Kampf gegen den islamistischen Terrorismus im Nahen Osten und die militärische Unterstützung Israels seitens der USA.

Vor allem Hillary Clinton wird in den konservativen Kreisen Israels abgelehnt, da sie auch im Zusammenhang mit der herablassende Israel-Politik Obamas gesehen wird, die für ein eisiges Klima zwischen Präsident Obama und Ministerpräsident Netanyahu sorgte. Obwohl Clinton jüngst noch betonte, dass die gegen eine äußere Einmischung in den Nahost-Konflikt sei, wird das in Israel wohl die Mehrheit nicht überzeugen können.

Es bleibt spannend, ob und wie Trump, der seit dem 9. November nun amtlich der designierte 45. Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika ist, seine Israel-Politik umsetzen wird. Vor allem im Angesicht der antisemitischen UNESCO-Resolution um den Tempelberg, der jegliche jüdische Beziehung leugnet, wird Israel gespannt bleiben, wie Trump sich verhalten wird.

Eine unendliche Geschichte – Die Zugehörigkeit des Islams zur deutschen Gesellschaft

Seit mehreren Jahren geistert diese Frage durch die deutsche Politik- und Medienlandschaft, viele Menschen haben sich an eine Lösung getraut, einige mehr andere weniger erfolgreich. Doch egal zu welchem Schluss all diese Personen kamen, die Frage blieb letztendlich immer die gleiche: Gehört der Islam zu Deutschland?

Vielleicht sollte die Frage viel wissenschaftlicher und präziser gestellt werden: Welcher »Islam« soll, kann und darf eigentlich zu Deutschland gehören? Denn immerhin gibt es nicht »den« Islam, sondern viele verschiedene Ausprägungen und Richtungen.

Der emeritierte Politikwissenschaftler Bassam Tibi ist der Meinung, dass der »Euro-Islam« gescheitert sei, also die Vorstellung einer liberal-islamischen Strömung, die problemlos mit dem deutschen Grundgesetz und der Religionsfreiheit zu vereinbaren ist. Dazu schreibt er in einem Gastkommentar in der WELT (08.05.16):

»Als Syrer aus Damaskus lebe ich seit 1962 in Deutschland, und ich weiß: Patriarchalisch gesinnte Männer aus einer frauenfeindlichen Kultur lassen sich nicht integrieren. Ein europäischer, ziviler Islam, den die Islamfunktionäre hierzulande als Euro-Islam ablehnen, wäre die Alternative. Zurzeit ist er chancenlos. Mein Lehrer Max Horkheimer hat Europa als „Insel der Freiheit im Ozean der Gewaltherrschaft“ bezeichnet. Diese Freiheit sehe ich heute gefährdet.«

Sobald das Thema »Islam und Deutschland« in der Gesellschaft behandelt wird und die allseits bekannte Frage in Talkshows, Debatten und Podiumsdiskussionen gestellt wird, reagieren die Gemüter verschiedener Meinungen und Richtungen über. Die eine extreme Gruppe meint, dass doch Terror und Islamismus nichts mit »dem« Islam zutun hätte, wobei die andere Gruppe gar behauptet, dass Muslime und ihre Religion in Deutschland »nichts zu suchen hätten«. Natürlich gehören muslimische Mitbürger zur Bundesrepublik Deutschland und zu dieser heterogenen und vor allem multikulturellen Gesellschaft, doch auch, oder besonders muslimische Mitmenschen müssen sich endlich verstärkt in diese Debatte einwerfen und dabei helfen, dass der Islam als normale und vor allem liberal-säkulare Religion etabliert werden kann. Aussagen, wie »Das hat mit dem Islam nichts zutun!«, oder »Das sind keine Muslime (gemeint werden Salafisten, oder andere muslimische Radikale)!«, sind dabei kontraproduktiv, ja sogar verträumter Blödsinn. Viele islamische Strömungen haben einen gemeinsamen Kernpunkt und eben das sind Gewaltpassagen im Qur’an und der Sunna, die so nicht mit der humanistischen und säkularen Welt Europas konform gehen können.

Dem ewigen Argument der muslimischen Verbände und vieler Sympathisanten, der Terror habe mit dem Islam nichts zutun, stellt Michael Wolffsohn in der TV-Sendung „hart aber fair“ am 11. April 2016 im Ersten klar, dass der Terror seine Wurzeln sehr wohl in der Religion besitzt:

»Gerade die heiligen Schriften und ihre buchstäbliche Auslegung sind das Problem. Eine kritische Interpretation der Quellen, wie das Christentum sie mit der Reformation oder das Judentum durch rabbinische Texte erfahren haben, hat der Islam in diesem Maße noch nicht erfahren. Deshalb ist es ein Unterschied, ob im Alten Testament das Niederbrennen irgendeines seit 2400 Jahren untergegangenen mesopotamischen Königreichs oder im Koran der Kampf gegen die – durchaus noch existierenden – Juden gefordert wird.«

Auch der renommierte deutsch-libanesische Prof. Dr. Khorchide, Leiter des Zentrums für Islamische Theologie an der Uni Münster schreibt dazu in der Zeit Geschichte (2/2016):

»Viele Muslime distanzieren sich zwar davon (bezogen auf die Definition von Dschihad als Heiliger Krieg), mit dem Hinweis, das habe nichts mit dem Islam zutun, jedoch ohne sich ernsthaft mit den Argumenten des IS und anderer Extremisten auseinanderzusetzen. Sie verkennen, dass das Problem tief in der islamischen Tradition verwurzelt ist.«

Ein recht großes Problem im Bezug auf die Beantwortung der Frage »Gehört der Islam zu Deutschland?«, sind radikalisierte muslimische Jugendliche – eben die wichtigsten Fußsoldaten des Islamischen Staates.

Vor allem Jugendliche mit Immigrationshintergrund aus dem westlichen Europa (Frankreich, Großbritannien, den Beneluxländern und Deutschland) und ihren Brennpunkten, bilden den Kern der Anhängerschaft des Islamischen Staates. Durch islamistische Scharfmacher in Moscheen und Jugendtreffs, oder während der sogenannten »Street Dawa«, werden diese jungen Menschen zu hörigen Soldaten des Kalifats in Syrien und dem Irak erzogen. Der deutsch-israelische Psychologe Achmad Mansour nennt diese jugendliche Gruppierung unter muslimischen Jugendlichen »Generation Allah«, eben genau die Art von Jugendlichen, die nur noch im fundamentalistischen Islam ihre Lebenserfüllung finden. Der Weg von einer radikalen Moscheegemeinde bis zum Kriegsgebiet Syrien unter der schwarzen Flagge des IS, oder der Schahāda, ist fließend.

Es muss eine konsequente Intervention im Hinblick auf muslimische Jugendlichen, ihre Religionsvorstellung und ihre patriachale Familienstruktur folgen, damit man Herr dieser Lage werden kann. Muslimische Jugendliche machen vor allem die nicht-muslimische Umwelt, das deutsche, oder europäisch-westliche Staatgefüge und eben auch das Judentum als »Strippenzieher« allen »Bösen« im Nahen Osten für die Probleme der islamischen Welt, aber besonders für ihr eigenes Versagen verantwortlich.

Voraussetzung für eine solche Liberalisierung und Integration des Islams in Deutschland, ist, dass Muslime die wissenschaftliche Islamkritik (das gilt selbstverständlich nicht für beleidigende Hetzkampagnen und unseriöse Islam-Diffamierungen, wie man sie bei der AfD, oder der PEGIDA oft antrifft) als durch das Grundgesetz gegebene Freiheit respektieren.

Sobald der Islam in irgendeiner Art und Weise vermeintlicher Kritik ausgesetzt wird, springen unzählige Muslime und nicht-muslische Sympathisanten in die Runde. Dabei wird leider eins ziemlich deutlich, denn der Islam, sowie viele Muslime, sind noch nicht bereit Kritik zeitgemäß zu akzeptieren.

Das folgende Beispiel zeigt, wie muslimische Jugendliche im Bezug auf Islamkritik, Judentum und Grundgesetze leider zu argumentieren wissen:

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Theologische Antwort auf die Gedanken von Kardinal Christoph Schönborn zum Evangelium, 7. August 2016 (Lk 12,32-40) – »Fürchtet euch nicht!«

Ein theologisch interessanter Ansatz, der zum weiteren Nachdenken anregt.

Mein Gedanke ist, dass es nicht die eigentliche Angst vor dem Tod ist, die den Menschen umtreibt, immerhin ist das Ende die Normalität für jedes von G’tt geschaffene Wesen, es ist die Art des Sterbens, welches uns Menschen ängstigt. Es ist ein unterschied, ob ein Greis, der sein Leben gut und lange auskosten konnte in einem Bett diese Welt verlässt, oder ein junger Mensch durch eine Autobombe, oder vielleicht sogar unter Folter mit schweren Verletzungen und mit grässlichen Schmerzen, dahin scheidet.

Die Worte Yeshua‘ in Lk 12,32-40 versichert dem Gläubigen, dass sich HaShem, der Ewige, sich um seine Herde kümmern wird, egal was passieren mag, aber dennoch kann selbst der Ewige und sein Versprechen uns nicht gänzlich die Angst nehmen; die Angst bleibt für jedes Wesen fester Bestandteil, so wie Sie es auch geschrieben haben. Traurige Gewissheit und nackte Angst haben auch die Menschen während der Shoah gehabt, als sie auf der Rampe in Auschwitz, oder in anderen Konzentrationslagern in das Gas geschickt wurden. Unter diesen Menschen waren normale Gläubige, Rabbiner und auch Atheisten, aber alle teilten sich diese menschliche Angst, die weder HaShem, noch jemand anders ihnen hätten nehmen können. Da erzeugen die Berichte über gläubige Juden, die noch in der Gaskammer das Shema Jisrael (»Höre Jisrael, der Ewige ist unser G’tt; der Ewige ist eins!«) rezitierten eine Gänsehaut, denn der Glaube an das Versprechen des Ewigen uns nicht im Stich zu lassen, hielt bis in den Tod; ähnliche Berichte gibt es auch über Christinnen und Christen, die während der NS-Herrschaft ermordet wurden.

Natürlich ist in der heutigen Zeit, wenn man an Terror und Verfolgung, besonders von Christen im Nahen Osten (Syrien, der Irak und in anderen muslimischen Ländern) denkt, Angst ein zweischneidiges Schwert, denn Angst ist, wie Hass auch, ein gefährlicher Ratgeber. Wir dürfen unsere Objektivität nicht durch Angst und Verzweiflung trüben lassen, denn dann machen wir uns anfällig für Kurzschlussreaktionen, wie eben der oben genannte Hass.

In diesem Kontext hat Yeshua recht, wenn er auf den himmlischen Schutz durch den Ewigen verweist, denn G’tt lässt keinen seiner Schäfchen, weder Juden, noch Christen, im Regen stehen, wenn es zum Ende hingeht. Wir können nur beten, wenn die unsere Zeit abgelaufen ist, dass wir in Frieden und möglichst schmerzfrei diese Welt verlassen.

Schalom

Hier der Link zu den Gedanken von Kardinal Christoph Schönborn zum Evangelium, 7. August  2016 (Lk 12,32-40) – »Fürchtet euch nicht!«

http://www.erzdioezese-wien.at/site/glaubenfeiern/christ/bibel/gedankenzumevangelium/article/51622.html

Tag des Judenhasses – Der al-Quds-Tag in Berlin

Der internationale al-Quds-Tag rückt näher und bildet wieder einmal ein ideales Sammelbecken für Antisemiten, Antizionisten und Israelfeinden. Auch in Berlin wird es in diesem Jahr wieder eine Demonstration am al-Quds-Tag geben. Wie gewohnt wird dieser auf dem Adenauerplatz im Herzen Berlins stattfinden. Einen anderen al-Quds-Tag im deutschsprachigen Raum wird es auch wieder in Wien geben.

In den Jahren davor fielen diese antisemitischen Großtreffen im Herzen der Bundesrepublik (und eben auch Österreichs) immer wieder negativ auf, besonders da offen gegen Juden und Israel gehetzt wurde.

Was ist eigentlich dieser al-Quds-Tag? 

Der al-Quds-Tag (Internationaler Jerusalemtag) ist ein iranischer Feiertag, der als ein Kampftag gegen Israel und den Zionismus inszeniert wird. Besonders wird die »Befreiung Jerusalems von den zionistischen Besatzern« in den Mittelpunkt gesetzt. Damit wird gemeint, dass Jerusalem, die legitime Hauptstadt des Staates Israel, für Muslime und den Islam zurückerobert werden muss.

Die Initiatoren des al-Quds-Tags in Berlin kündigen diesen Tag, wie folgt an:

Aufruf zur Qudstag Demonstration am internationalen Jerusalemtag!

Für ein freies Palästina und ein gleichberechtigtes Zusammenleben aller Religionsgemeinschaften.

Samstag, 2. Juli 2016
14:30 Uhr Berlin - Adenauerplatz

über den Kurfürstendamm zum Wittenbergplatz

Widerstand der „Völkergemeinschaft“ gegen die kriegerische „Weltherrschaft“

Die Welt ist weder sicherer noch gerechter geworden. Im Gegenteil: Terroranschläge und Bürgerkriege werden noch brutaler weitergeführt und die Zahl der Opfer steigt rasant. Ob amerikanische und israelische Drohnen oder saudi-arabische Kampfflugzeuge im Einsatz sind, ob wahabitisch-extremistische Attentäter zuschlagen – das Ergebnis ist jedes Mal das gleiche: die Zerstörung der Lebensgrundlage vieler islamischer Völker, wodurch eine Völkerwanderung in Richtung Europa ausgelöst wurde.

Der „Krieg gegen den Terror“, der seit dem 11.September 2001 unter der Führung der USA bis heute anhält, hat sich inzwischen als ein Terrorkrieg gegen die islamischen Völker enttarnt. Wir alle sind dazu verpflichtet, gegen diesen unmenschlichen Terrorkrieg Widerstand zu leisten.
Warum Widerstand und wie der in Europa verwirklicht werden soll – dies wird am Qudstag thematisiert. Der Jerusalemtag ist ein Anlass, gemeinsam gegen die Unmenschlichkeit zu demonstrieren, um den Willen der Kriegstreiber zu brechen.

Ob Muslime, Christen oder Juden, ob Araber, Türken oder Deutsche – alle zusammen bilden wir die „Völkergemeinschaft“.

Qudstag ist der Tag der Unterstützung des Widerstandes.


Allein aus diesem kurzen Info-Flyer entsteht ein klares Freund-Feind-Schema, eine immer gleiche Ideologie des Hasses und der Lügen: die »bösen« Juden und ihre amerikanischen Unterstützer wollen die armen islamischen Völker vernichten. Von  der brutalen Verfolgungen von Eziden und Christen spricht der Flyer natürlich nicht, denn diese Menschen werden ja nicht durch das verhasste Israel, oder die USA, ermordet. Also kaum erwähnenswert für diese Friedensengel.

Gerne wird verschwiegen, dass Israel, die einzige Demokratie im Nahen Osten ist, wo Menschen egal welcher Hautfarbe, Religion, Geschlechts, oder sexueller Ausrichtung in Frieden leben können. Es passt schlicht und einfach nicht ins Konzept der Antisemiten und Antizionisten, also müssen sie einen drohenden Genozid an den »islamischen Völkern« erfinden, diese Lüge reißerisch aufbereiten und Juden als die bösen Initiatoren im Hintergrund präsentieren. Ein lupenreiner Antisemitismus eben, der sogar vom deutschen Staat toleriert und von einigen Parteien offen unterstützt wird.

„Es ist eine Schande, dass in Berlin Raum gelassen wird für Antisemitismus und Israel-Hass. Denn nichts anderes haben die Al-Quds-Demonstrationen der vergangenen Jahre zutage gefördert, und nichts anderes ist auch in diesem Jahr zu erwarten” 

Josef Schuster, Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland

Und dennoch wird dieser schändliche Tag in Berlin zelebriert, nicht nur von Muslimen, sondern auch von deutschen Linken und Rechten, die glücklich vereint gegen Israel und  Juden hetzen können. Wenn es gegen Israel und die Juden geht, dann sind auch die ärgsten Feinde auf einmal gute Freunde.

Einen Lichtblick gab es aber in dieser Woche schon, denn der Berliner Innensenator Frank Henkel (CDU) hat es geschafft! Am kommenden Samstag sind Fahnen der libanesisch-islamistischen Terrormiliz Hisbollah verboten. In der Vergangenheit waren auf den al-Quds-Demonstrationen in Berlin viele Libanesen, die ihre Sympathie mit der judenhassenden Terrormiliz Hisbollah zeigten.

Im Angesicht der Flüchtlingssituation ist es wichtiger denn je, dass die deutsche Gesellschaft Sympathie mit Jüdinnen und Juden in Deutschland und eben auch gegenüber dem Staat Israel, der sichersten Heimstätte des Judentums, zeigt. Denn nicht wenige Geflohene muslimischen Glaubens verachten Juden und auch den Staat Israel, denn dank der Propaganda des syrischen Diktators Assad und des verschwörungstheoretischen Hasses gegenüber Juden im Nahen Osten, haben viele Menschen, die nach Deutschland kommen, Vorurteile gegenüber Jüdinnen und Juden.

Die EM 2016 – Ein Sammelbecken für Hooligans und Rechtsextreme

Das EM-Spiel Deutschland gegen die Ukraine hat noch nicht einmal angefangen und schon entsteht Krawall. Während 20.000 Fans friedlich feiern, randalieren, schlagen, pöbeln und demolieren 50 Fans im Stadtzentrum von Lille.

Es sind enthemmte Szenen, zwar nicht vergleichbar mit den schweren Ausschreitungen in Marseille, wo Fußballfans von England und Russland brutal aufeinander trafen, doch zeigt der Zwischenfall in Lille wieder eine der hässlicheren Seiten des Fußballs: die hemmungslose Gewaltbereitschaft von Hooligans.

Auch deutsche Fußballfans fielen mit ihrem Benehmen unangenehm auf, was das nächste Problem offenbart, nämlich die rechte Einstellung einiger deutscher Fußballfans und vor allem deutscher Hooligans.

In Lille präsentierten sich deutsche Hooligans stolz mit der Reichskriegsflagge des Kaiserreichs, die immer wieder als Erkennungszeichen rechter Gesinnung dient. Vereinzelt waren auch der Hitlergruß und Hitler-Rufe präsent. Natürlich kann man das mit den Worten »das waren ja in erster Linie nur betrunkene asoziale Hooligans« abtun, aber damit machen wir uns das Problem zu einfach, besonders, wenn es um den deutschen Fußball und die leider auch dort vertretene rechtsextreme Szene geht.

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Hooligans in Lille mit der Reichskriegsflagge des Kaiserreichs. Ein beliebtes Symbol unter Rechtsextremen.

Gehen wir einige Wochen vor den Beginn der EM in Frankreich zurück, nämlich zum DFB-Pokalfinale zwischen Bayern München und dem BVB Dortmund am 25.5.2016. BVB-Fans hatten sowohl auf der Hinfahrt, als auch auf der Rückfahrt randaliert und vor allem demoliert. Schon am Dortmunder Hauptbahnhof randalierten einige Mitglieder verschiedener Ultra-Gruppen, dabei wurde ein Unbeteiligter durch Pyrotechnik verletzt. Den Höhepunkt aber bildeten die antisemitischen, wie auch homophoben Schmählieder und die abartige Verwüstung der Wagons der Sonderzüge der Deutschen Bahn.

Ein anonymer Zeuge hat seine Eindrücke auf Vice veröffentlicht und schildert, wie er den Mittwoch und die Entgleisungen einiger Fans erlebt hat. Es ist nicht unbekannt, dass in Dortmunder Ultra-Gruppen auch viele rechtsextreme Personen vertreten sind, denn in Dortmund und Umgebung ist Rechtsradikalismus zu einem Dauerproblem geworden. Die »Ruhrnachrichten« haben dazu sogar eine eigene Rubrik für das Thema eingerichtet und berichten über aktuelle Entwicklungen der rechten Szene Dortmunds.

Parteien, wie »Die Rechte« und auch die »NPD« sind mit jeweils einem Sitz im Dortmunder Stadtrat vertreten. Die rechtsextreme Partei »Die Rechte« sorgte in Dortmund 2014 für einen Eklat, als Dennis Giemsch (Vorgänger unteranderem von Michael Brück als Vertreter der Partei »Die Rechte« im Stadtrat) eine Anfrage an die Stadt stellte, worin man um die genauen Zahlen und Wohnorte von jüdischen Bürgern in Dortmund bat; die Tageszeitung DIE WELT berichtete dazu ausführlich. Angesichts dieser Tatsachen ist es kaum verwunderlich, dass Rechtsextreme eben auch in den Dortmunder Ultra-Gruppen mitmischen.

Man muss aber noch einmal betonen, dass eben nicht jeder BVB-Fan und Ultra ein rechtsextremes Problem hat, denn unter den Fans in der Südkurve sind auch genug Personen, die sich oft offen gegen Rechtsradikalismus, Antisemitismus und Homophobie stellen.

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Beim Spiel gegen Hannover 96 im Oktober 2014 zeigten BVB Fans auf der kompletten Südtribüne Spruchbänder gegen Nazis.                       

Auch, oder vor allem in Ostdeutschland ist das Phänomen der rechtsextremen Hooligans lange bekannt und schon oft thematisiert worden. Besonders die Hooligan-Gruppen um den Zweitligisten Dynamo Dresden und Lok Leipzig sind hier zu nennen, da diese auch mit anderen rechten Vereinigungen von anderen Mannschaften zusammenarbeiten, wie eben auch mit Dortmunder Rechtsextremisten. Diese Personen sind Montags auch auf den Demos von PEGIDA, LEGIDA und Co. zu finden, wie z.B. als Ordner. Auf den Demonstrationen der rechten HoGeSa trifft man sie als Krawallmacher, wie zuletzt in Köln 2015. Rechtspopulismus und Rechtsextremismus ist mittlerweile kaum zu unterscheiden, besonders wenn diese beiden Gruppen so eng miteinander zusammenarbeiten.

Bei den Krawallen in Lille waren eindeutig deutsche Hooligans der rechten Szene vertreten und involviert. Die Gruppe »Faust des Ostens« (eine rechtsextreme Gruppe von Hooligans für Dynamo Dresden) schrieb auf ihrer Facebook-Seite, dass sie »auch mitmischen«.

Im Stadion dagegen waren bekannte Rechtsextreme aus Dortmund, die zwar zuhause etliche Stadionverbote erhalten haben, doch diese Verbote sich leider ausschließlich auf Deutschland beschränken.

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Die Hemmungen in Frankreich scheinen kaum vorhanden zu sein, denn obwohl die französische Polizei bekannt für ihre brutale »Deeskalation« ist, gibt es kaum Verhaftungen und die Hooligans können fröhlich weiter randalieren. Das lasche Durchgreifen der französischen Polizei wird auch weiterhin die EM 2016 zu einem Eldorado für Schläger, Randalierer und rechter Hooligans machen.