Kneipengewitter – Deutscher Antisemitismus mit Ruhrpott-Flair

Ein Kneipenbesuch im Ruhrpott ist oft sehr erhellend, da man, wie der christliche Reformator Martin Luther sagte »dem Volk aufs Maul schauen« kann. Doch langweilig sind solche Sauftouren defenitiv nicht.

Wenn man an Kneipen im Rhein-Ruhr-Eck (von Duisburg bis Dortmund) denkt, kommen wohl den meisten Lesern Erinnerungen an verrauchte Spelunken im Tatort »Ruhrort« mit Schimmi (Horst Schimanski alias Götz George [† 19.6.2016]) in den Sinn. Nun gut, verraucht sind diese Kneipen nicht mehr, beherbergen aber oftmals noch den Aschenbecher-Flavour, wie auch die Dekorationssünden der 80er. Vom lauten und grell leuchtenden Spielautomaten an der Wand bis auf die unbequem hässlichen Theken-Hocker, haben die allermeisten Ruhrpott-Kneipen noch ihren klischeehaften Charme.

In Deutschland brodelt es an allen Ecken und Winkeln. Gerade deshalb ist es oftmals interessant zu wissen, was stinknormale Deutsche so denken, außer immer wieder Facebook und Twitter zu bemühen, um dann die immer gleichen wahnhaften Auswüchse lesen zu müssen. Also schnappt man sich Regenschirm und Portmonee (ja, der Sommer ist entflohen) und besucht die nächst beste Kneipe in der Umgebung.

Am Abend des 25.7.17 lief die Live-Übertragung der Frauen-Europameisterschaft, Russland gegen Deutschland, aber mich interessiert Fußball nicht sonderlich. Die »Stammsaufschaft« der Kneipe, diese wird von einem älteren Griechen und seiner Frau betrieben, sitzen an der Theke und süppeln, was sonst in Duisburg, KöPi.

Ein ganz normaler Abend in einer Vorstadt von Duisburg, der Stahlstadt im Ruhrpott. Gespräche gibt es hier kaum, dem Volk kann also nicht »aufs Maul geschaut« werden. Also bezahl ich mein KöPi, nehme meine sieben Sachen und geh aus der Tür.

»Lustiger Hut, den du da trägst«, spricht mich ein älterer Mann an, der gerade seine Kippe raucht und nach mir das Lokal verlassen hat. Es war einer der schweigsamen Stammgäste, der eher verloren in sein Pils-Glas starrte. »Das ist eine Kippah, wir Juden tragen sowas.«, gebe ich ihm kurz als Erklärung zurück. Seine Augen weiten sich, er starrt mich an und geht einen Schritt auf mich zu. Ja, er hatte richtig gehört, ich hatte J-U-D-E-N gesagt und sofort war der »gute« Mann, wie man im Neo-Deutsch sagt »getriggert«.

»Ist mir egal, aber Israel und diesen Netanjaaaahuu hass ich wie die Pest!«, gibt der Mann, der nun weniger freundlich und weniger stumm war, spontan zurück. Da hatte ich mir natürlich wieder was eingebrockt, denn ich hatte wirklich wirklich wirklich vergessen, dass ich noch Yarmulke (jiddisch für Kippah) trug; denn eigentlich versuche ich bei solchen Nachtfalter-Aktionen nicht aufzufallen und eben nur den Beobachter zu spielen. Da ich aber ungern solchen Hass-Bekundungen ausweiche, stellte ich mich mutig diesem »Israel-Kritiker«.

»Wieso hasst du denn Israel und Netanyahu«, die Frage musste ich mehrmals stellen, da der Mann wohl ein Hörproblem hatte, aber dann klappte es irgendwann zum Glück. »Weil IHR da die Menschen einfach abschlachtet! Deshalb hass ich Israel und Netanyahu.«, wow, weil WIR, also deutsche, oder in Deutschland lebende Juden, in Israel gemeinsam mit Benjamin Netanyahu Menschen abschlachten, was ein bombastischer Grund. Danach bat ich den aufgebrachten Schreihals freundlich, er solle doch sein Problem mit Israel und dem Regierungschef näher erläutern.

Er bombardierte mich regelrecht mit allen Stereotypen, die ein, natürlich NICHT antisemitischer »Israel-Kritiker« (AUGENZWINKER und RÄUSPER), so von sich geben kann. Oj weh, wie habe ich mir das nur wieder eingebrockt? Wo sollte ich beginnen und vor allem, wie sollte ich das Gespräch weiter führen? Darum fing ich mit seinem Argument des »Landraubes« an, aber der »gute« Mann konnte kaum was mit meinen Ausführungen anfangen, ihm fehlten die einfachsten Grundvoraussetzungen für einen seriösen Dialog, um den Nahostkonflikt adhoc vor der Kneipe zu lösen.

Auf meine wirklich ernst gemeinte Frage, wer denn vor den Israeliten, Hebräern, Juden & nun auch Israelis (seit 1948 wieder) gelebt hatte, konnte er mir nicht wirklich antworten und schaute mich entgeistert an. Ja, ich habe ihm, dem selbstlosen und seriösen deutschen Israel-Kritiker, Jürgen Todenhöfer würde ihm trotz allem auf die Schulter klopfen wollen, wirklich gefragt, was vorher war. Seine Antwort war simpel, bekannt und vorausschauend: »Palästinenser!«

Natürlich erklärte ich ruhig und sachlich, eigentlich wollte ich nur noch nachhause und die biege machen, dass der Begriff »Palästinenser« eine Erfindung von Yassir Arafat, also eben jenem bekannten arabischen Terrorfürsten und Judenhasser, der sogar (hört hört) den Friedensnobelpreis empfangen hatte, war. Wieder betretendes Schweigen. Man hörte richtig sein Gehirn, die zahlreichen Zahnräder und Dampfmaschinen, arbeiten. Also fragte ich ihn nochmal langsam und höflich, wer denn vor Israeliten, Hebräern, Juden und schließlich Israelis in der Levante, genauer gesagt in Israel (für Christen gerne auch »Heiliges Land«) gelebt hatte.

Nachdenklich schaute er mich an und dachte nach.

Nach einer Minute meinte er: »MENSCHEN!«, unglaublich, denn meine Favoriten-Antwort wäre wohl eher Marsianer, oder Transformers gewesen. »Was für Menschen lebten denn dort?«, beharrte ich weiter auf meinem Wissensdurst dem heldenhaften »Israel-Kritiker« gegenüber. »Ja Menschen halt!«, seine Antwort unterstrich die Ahnungslosigkeit mit der er sogar die Diskussion begonnen hatte. Weiterhin freundlich, denn mit solchen Ruhrpott-Asis, die leider immer mal wieder auffallen, will ich mich sicherlich nicht auch noch prügeln. Also erklärte ich ihm einige Main-Facts über das Judentum und eben auch über den Zionismus. Ein anderer Stammgast, der durch den cholerischen Ausbruch des »Israel-Kritikers« nach draußen gelockt wurde, gab nur von sich: »Oh ha, viele interessante Infos, aber ich bin zu besoffen dafür.«, damit verließ er die Bühne wieder. Schade!

Wenn einem heroischen »Israel-Kritiker« die Argumente ausgehen, dann verfällt er schlicht weg in offenen Antisemitismus, wie eben auch der »gute« Diskussionspartner. »Ihr Juden seit alle FANATIKER! Du bist ein FANATIKER!«, also ist man für einige deutsche »Israel-Kritiker« schon ein Fanatiker, wenn man mit geschichtswissenschaftlichen und theologischen Argumenten gegen hält. Herzlichen Glückwunsch! Schließlich kam der Wirt, eben jener griechisch-stämmige Zapfhahn-Meister nach draußen, um zu schauen, was sein Stammgast da für ein Problem hat. Für alle Leser, die jetzt hoffen, dass der Herr nun schlichtet, muss ich leider sagen: NÖ!

Als ich gerade dem nun in Beleidigungen und Antisemitismus verfallenden Typen klar machen wollte, dass die Bibel, also Torah, Tanach und für Christen eben auch das »Neue Testament« / »B’rit Chadasha« von Judea und Samaria, wie auch Israel und sogar dem Zionismus (ja, damals hieß es eben noch nicht so) spricht, schaltet sich der Wirt ein. »Jesus war kein Jude, sondern Grieche und IHR Juden habt ihn geopfert!«, ja, lesen Sie noch mal diese Aussage. Für den griechischen Wirt war also Jesus, oder Jeschua (im HEBRÄISCHEN [DER Sprache der Juden übrigens]) ein G-R-I-E-C-H-E, also wie der Philosoph Platon, wie der griechisch-spartanische König Leonidas (nicht der Schauspieler Gerard Butler, der ist nämlich Schotte), oder der Schlagerstar Costa Cordalis.

Am Ende musste man den Antisemiten zurückhalten (er wollte mir tatsächlich die »Fresse polieren«) und mir, weil ich als Jude natürlich IMMER schuld haben muss, ein Hausverbot erteilen (weil ich den Stammgast mit meinem Jüdischsein provoziert habe, oder so ähnlich).

Mein »Auf Wiedersehen«-Gruß war nur ein lässiges: »Für Juden verboten« ist so 1933!

Ein etwas anderer Abend im Ruhrpott…

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#WeRemember – Wir erinnern…

 

830.000 Damenmäntel und Kleider,

348.000 Herrenanzüge, 

7 Tonnen Menschenhaar

…und nur 7000 Überlebende. 

Eine Bilanz am 27.1.1945 in Auschwitz-Birkenau

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Die Koffer hinter den Glasscheiben in der Gedenkstätte im ehemaligen Stammlager Auschwitz

An diesem Freitag, dem 27. Januar 2017 (29. Tevet 5777), jährt sich die Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz-Birkenau durch die Rote Armee zum 72. Mal. Das Konzentrationslager Auschwitz-Birkenau im damalig durch die Nazis besetzten Polen war das wohl schlimmste Todeslager des Dritten Reichs, schätzungsweise 1,1 Millionen Menschen starben dort; überwiegend in den dortigen Gaskammern ermordet und dann in den Krematorien verbrannt. Noch heute, wenn man die Überreste des Todeslagers besucht findet man dort noch die verstreute Asche der Verbrannten.

Den Schrecken, den die russischen Soldaten dort sahen und dokumentierten schockiert bis heute Überlebende, Nachkommen, Historiker, Lehrer, Schüler, eben jeden Menschen, der sich mit dem Holocaust (der Shoah) auseinandersetzt. Denn der industrielle Massenmord der deutschen Nationalsozialisten an 6 000 000 Juden, bleibt groteske Einmaligkeit der Geschichte.

Besonders die Kinder und deren traurige Schicksale in Auschwitz-Birkenau macht sprachlos. SS-Ärzte führten grausame Experimente an vielen Kindern durch, dabei wurden sie sogar so hohen Strahlungsdosen ausgesetzt, dass sie schlimme Verbrennungen erlitten. Für den »SS-Wirtschaftsbetrieb« Auschwitz-Birkenau waren diese Kinder nicht mehr arbeitsfähig und wurden in die Gaskammern geschickt; die Mörder in Uniform, oder Arztkittel spielten die Rollen von unmenschlichen Todesengeln (so nannte man später auch den berüchtigten SS-Arzt Josef Mengele).

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Kinder im Vernichtungslager Auschwitz kurz nach der Befreiung durch die sowjetische Armee im Januar 1945

Ein anonymes jüdisches Kind schrieb folgendes Gedicht:

Ich sitze mit meinen Puppen am Ofen und träume.

Ich träume, dass mein Vater zurückgekommen ist.

Ich träume, dass mein  Vater noch am Leben ist. 

Wie gut ist es doch  einen Vater zu haben.

Ich weiß nicht, wo mein Vater ist.

Anonym – A Treasury of Jewish Poetry

»We Remember – Wir erinnern.«, mit diesem kurzen, aber prägnanten Satz rief der World Jewish Congress (WJC) dazu auf, man möge an die Shoah erinnern und somit auch endlich jene Menschen erreichen, denen dieses Kapitel der Geschichte immer noch schier egal ist, oder die wirklich noch nie etwas über den Holocaust gehört haben. Unter dem Hashtag »#WeRemember« findet man in den sozialen Netzwerken, wie Facebook, Twitter, oder Instagram Fotos von Menschen, die mit dem prägnanten Satz mahnen.

Muss man denn wirklich 72 Jahre nach dem Holocaust in Deutschland, in Europa und auf der Welt noch mahnen?

Natürlich, denn die Shoah präsentiert einen grausigen Einblick auf einen tiefen dunkeln Abgrund des Menschen, das unendliche Leid des Lebendigen und die Ohnmacht des Göttlichen.

Solange rassistischer Antisemitismus, religiöser Antijudaismus und politischer Judenhass in der Welt existiert, sind wir, Juden und Nicht-Juden, gefragt gegen dieses Übel einzustehen!

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WIR ERINNERN – WE REMEMBER!

Das »Mahnmal der Schande« – Der Beweis für den Antisemitismus der AfD

»Höcke kommt! #DresdnerGespräche«, mit diesem Satz ludt am 17.1.2017 die »Junge Alternative Dresden« zu einer Veranstaltung ins Ball- und Brauhaus Watzke am Elbufer im Stadtteil Mickten in die »Hauptstadt des Widerstands« nach Dresden.

Auf einem Einladungs-Flyer blicken die Hauptredner des Abends, ein minimierter Markus Mohr (AfD-Ratsherr der Stadt Aachen) und ein dagegen übergroßer Björn Höcke (AfD-Fraktionsvorsitzende im Thüringer Landtag), heroisch auf die restaurierte Liebfrauenkirche der Stadt Dresden. Natürlich wurde der sakrale Hintergrund, den die JA (Junge Alternative) gewählt hat, nicht willkürlich ausgewählt, sondern dient einem entscheidenen politischem Kalkül, welcher sich im Laufe des Abends noch bestätigen sollte. Denn nichts, was der beurlaubte Gymnasiallehrer Höcke tut ist improvisiert, oder wird dem Zufall überlassen.

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Der ultrarechte AfDler versteht es sich innerhalb des rechtspopulistischen Spektrums zu inszenieren, ja sich als eine DER »Galionsfigur en des Widerstands« feiern zu lassen. Höcke repräsentiert, wie kein Anderer, den völkisch-nationalen Anteil innerhalb der AfD und führt die neurechten Gruppen innerhalb Deutschlands zusammen.

Als Höcke am Abend am Dresdener Ball- und Brauhaus Watzke eintrifft, ist er in Begleitung von Götz Kubitschek, einem neurechten Ideologen und PEGIDA-Veteranen. Auch die Sicherheit und die dort eingesetzten Ordner werden von der PEGIDA-Bewegung gewährleistet und gestellt; diese tragen sogar eine Art Uniform mit rotem Emblem und scharen sich um den Hauptredner Höcke. Das rechte »Compact«-Magazin des Querfrontler Jürgen Elsässer ist für die Liveübertragung via YouTube-Kanal zuständig und filmt den Abend.

Mit der Person Höcke scheinen die neurechten Organisationen und Größen zu harmonieren. Eine Frauke Petry, Bundes- und Landesvorsitzende der »Alternative für Deutschland« ist dagegen nicht gekommen – sie lehnt sowohl die PEGIDA, als auch den Hauptakteur des Abends Höcke vehement ab.

Die Rede von Björn Höcke, dem 44-jährigen beurlaubten Lehrer aus Eichsfeld, wird immer wieder durch »Höcke«-Skandierungen, »Volksverräter!«-Schmähungen und standardisierten »Wir sind das Volk!«-Rufen unterbrochen. Man merkt deutlich, Höcke genießt diese Augenblicke des politischen Ruhms, gar fanatisch blickt er ins »patriotische« Publikum und lässt immer wieder die Lobeshymnen abebben, bevor er mit seinem Sermon fortführt.

Es sind Szenen, die man in der deutschen Geschichte schon mal gesehen hat, aber damals wurden diese nicht mit Hilfe der Internetplattform YouTube, sondern in schwarz-weiß und nicht in einem Brauhaus in Dresden, sondern im bayrischen München festgehalten.

Der Anfang seines Auftritts besteht aus bereits bekannten Äußerungen, die Höcke auch andernorts schon oft getätigt hat und das Bekannte bei seinem Publikum nun noch mal festigt, denn stetige Wiederholung führt bekanntlich zum »Lernerfolg«; da scheint wohl der Lehrer in ihm wieder hervorzukommen.

Gegen Ende seiner Rede geht Björn Höcke aber einen völlig neuen Weg, keine Rezitativen mehr, kein stumpfes Einpeitschen von bereits bekannten Äußerungen, sondern völlig neue Impulse. Dabei wird der AfD-Mann immer fanatischer und badet in der Aufmerksamkeit seines Publikums. Folgendes äußert er zum Abschluss seines Aufenthalts Dresden:

»Die Bombardierung Dresdens und der anschließende Feuersturm vernichtete die Elbflorenz und die darin lebenden Menschen. Die Bombardierung Dresdens war ein Kriegsverbrechen. Sie ist vergleichbar mit den Atombombenabwürfen über Hiroshima und Nagasaki. Mit der Bombardierung Dresdens und der anderen deutschen Städte wollte man nichts anderes, als uns unsere kollektive Identität rauben. Man wollte uns mit Stumpf und Stil vernichten, man wollte unsere Wurzeln roden. Und zusammen mit der dann nach 1945 begonnenen systematischen Umerziehung hat man das dann auch fast geschafft. Deutsche Opfer gab es nicht mehr, sondern es gab nur noch deutsche Täter. Bis heute sind wir nicht in der Lage, unsere eigenen Opfer zu betrauern. Und augenfällig wurde das wieder mit dem würdelosen Umgang mit den Opfern des Berliner Terroranschlags.

Der von Markus Mohr schon zurecht bemerkte Wiederaufbau der Frauenkirche war für uns Patrioten ein Hoffnungsschimmer dafür, dass es ihn doch noch gibt, diesen kleinen Funken deutschen Selbstbehauptungswillen. Aber, liebe Freunde, bis jetzt sind es nur Fassaden, die wieder entstanden sind. Jetzt ist unsere Geistesverfassung, unser Gemütszustand immer noch der eines total besiegten Volkes. Wir Deutschen, und ich rede jetzt nicht von euch Patrioten, die sich hier und heute versammelt haben, wir Deutschen als unser Volk sind das einzige Volk der Welt, dass sich ein Denkmal der Schande in das Herz seiner Hauptstadt gepflanzt hat. Wenn man sich statt die nachwachsende Generation, mit den großen Wohltätern, mit den bekannten, weltbewegenden Philosophen, den Musikern, den genialen Entdeckern und Erfindern, in Berührung zu bringen, von denen wir ja so viele haben, Markus Mohr hat darauf hingewiesen und sie namentlich stellenweise erwähnt und es war doch nur eine kleine Gruppe, die er mangels Zeit aufzählen konnte, vielleicht mehr als jedes andere Volk auf dieser Welt, liebe Freunde, und anstatt unsere Schüler in den Schulen mit dieser Geschichte in Berührung zu bringen, wird die Geschichte, die deutsche Geschichte mies und lächerlich gemacht. So kann es und so darf es nicht weiter gehen.

So kann es, so darf es und so wird es nicht weiter gehen, liebe Freunde. Es gibt keine moralische Pflicht zur Selbstauflösung. Die gibt es nicht. Im Gegenteil, es gibt die moralische Pflicht, dieses Land, diese Kultur, seinen noch vorhandenen Wohlstand und seine noch vorhandene staatliche Wohlordnung an die kommende Generation weiter zu geben, das ist unsere moralische Pflicht. Wenn wir eine Zukunft haben wollen und wir wollen eine Zukunft haben und immer mehr Deutsche erkennen, dass auch sie eine Zukunft haben wollen, dann brauchen wir eine Vision. Eine Vision wird aber nur dann entstehen, wenn wir uns wieder selber finden, wenn wir uns wieder selbst entdecken. Wir müssen wieder wir selbst werden.Selber haben werden wir uns nur, wenn wir wieder eine positive Beziehung zu unserer Geschichte aufbauen. Und schon Franz-Josef Strauß bemerkte, die Vergangenheitsbewältigung an altgesamtgesellschaftliche Daueraufgabe, die lähmt ein Volk.

Liebe Freunde, Recht hat er, der Franz-Josef Strauß! Und diese dämliche Bewältigungspolitik, die lähmt uns heute noch viel mehr als den Franz-Josef Strauß zeitens. Wir brauchen nichts anderes als eine erinnerungspolitische Wende um 180 Grad. Wir brauchen so dringend wie niemals zuvor diese erinnerungspolitische Wende um 180 Grad. Liebe Freunde, wir brauchen keine toten Riten mehr in diesem Land, wir haben keine Zeit mehr, tote Riten zu exekutieren, wir brauchen keine hohlen Phrasen mehr in diesem Land, wir brauchen eine lebendige Erinnerungskultur, die uns vor allen Dingen und zu aller erst mit den großartigen Leistungen der Altvorderen in Berührung bringt.«

(Textversion der Höcke-Rede vom 17.1.2017. Bereitgestellt von Andreas Kemper auf seiner Facebook-Präsenz)

Nach der Abschlussrede schallte tosender Applaus durch den Saal des Dresdner Ball- und Brauhaus Watzke, gefolgt von Lobeshymnen, Rufen und permanenten Standing Ovations der AfD-Anhänger und des neurechten Publikums. Höcke spricht aus, was viele seiner Anhänger von AfD und PEGIDA, aber auch der rechtsextremen Parteien, wie NPD und III. Weg denken.

Für Björn Höcke, wie anscheinend auch seinen Anhängern und Zuhörern ist nun klar geworden, dass Deutschland eine durch den 2. Weltkrieg gedemütigte und »fast ausgeschlöschte« Nation ist.

Er behauptet, wie andere rechtsextreme Vertreter innerhalb der deutschen Politiklandschaft, dass die Luftangriffe auf Dresden (vom 13. bis zum 15. Februar 1945) einem abscheulichen Kriegsverbrechen gleichkommen und von den Ausmaßen sogar vergleichbar mit den Atombombenabwürfen von Hiroshima und Nagasaki 1945 sind.

Er spitzt seine Argumentation damit zu, dass er sagt:

»Mit der Bombardierung Dresdens und der anderen deutschen Städte wollte man nichts anderes, als uns unsere kollektive Identität rauben. Man wollte uns mit Stumpf und Stil vernichten, man wollte unsere Wurzeln roden.«,

damit schließt sich der studierte Geschichtslehrer Höcke dem Gusto der bekannten Geschichtsrevisionisten an, wie unteranderem einem Schultze-Rhonhof (ehemaliger Generalmajor der Bundeswehr). Und reiht sich nun auch in die Riege der Neonazi-Apologeten ein; der Unterschied liegt lediglich darin, dass Höcke nicht vom »Bombenholocaust am deutschen Volk« schwadroniert.

Doch eine Aussage des letzten Teils der Brandrede Höckes stellte alles Gesagte in den Schatten, nämlich die Diffamierung des Holocaust-Mahnmahls in Berlin. Höcke sagt dazu folgendes in seiner Rede:

»Jetzt ist unsere Geistesverfassung, unser Gemütszustand immer noch der eines total besiegten Volkes. Wir Deutschen, und ich rede jetzt nicht von euch Patrioten, die sich hier und heute versammelt haben, wir Deutschen als unser Volk sind das einzige Volk der Welt, dass sich ein Denkmal der Schande in das Herz seiner Hauptstadt gepflanzt hat.«,

das Holocaust-Mahnmal, die notwendige Erinnerung an die durch die Nazis industriell vernichteten 6 Millionen Juden, ist für Höcke ein »Denkmal der Schande«. Die Erinnerung an das größte Verbrechen der Menschheitsgeschichte also etwas, was den deutschen Nachkriegsgenerationen nachhaltig geschadet hat, gar dem ganzen deutschen Volk bis heute immer noch Schaden zufügt, besonders der »deutschen Identität«.

Das Gedenken an die Opfer der Shoah ist damit also ein Teil der »Umerziehung nach 1945«, ein Plan, der die Deutschen »mit Stumpf und Stil« am Deutschsein hindern will.

Auf seiner Facebookpräsens postet Björn Höcke ein Bild, welches ein Zitat des »DER SPIEGEL«-Gründers Rudolf Augstein zeigt (DER SPIEGEL 49/1998):

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Damit will Höcke zeigen, dass er mit seiner »Mahnmal der Schande«-Apologetik nicht allein ist. Doch das Zitieren eines bekannten deutschen Nachkriegs-Antisemiten, wie Rudolf Augstein, untermauert doch  nur noch auf perfide Weise, dass Höcke und die AfD ideologische Träger von Antisemitismus sind.

Natürlich fühlte sich Björn Höcke, ein Tag danach, falsch interpretiert, aber das ist ja kein Einzelfall im »Causa Höcke«. Schon in der Vergangenheit viel Höcke durch perfide Äußerungen auf, so sprach er sich sogar für die berühmte  und verurteilte Holocaustleugnerin Ursula Haverbeck aus und verharmloste ihre Holocaustleugnung mit den Worten:

»sogenannte Meinungsdelikte«,

Abschließend wird aber auch klar, warum die »JA Dresden« die Liebfrauenkirche als Flyer-Hintergrund gewählt hat, denn für Höcke und seine Anhänger ist klar: Deutschland muss sich wieder seiner glorreichen Tagen erinnern. Deutschland soll wieder groß und stark werden. Deutschland muss, wie der Phönix aus der Asche steigen und den »Schuldkult« abschüttlen. Besonders Letzteres ist das Kernziel einer jeden deutschen rechtsextremen Gruppierung. 

Durch die Brandrede vom 17.1.2017 sollte klargeworden sein, dass die Verharmlosung der AfD unser demokratisches Deutschland erst bist zu diesem Punkt gebracht hat.

WEHRET DEN ANFÄNGEN!

Der »stille« Antisemitismus in Deutschland: Intro – Von Boykott und Verbot

Wie kann Antisemitismus denn überhaupt still sein?

War Antisemitismus, sowohl der gesellschaftliche, als auch der staatliche Judenhass jemals leise?

Die frühen anti-jüdischen Äußerungen und Maßnahmen der NSDAP nach Hitlers Machtübernahme am 30. Januar 1933 verliefen alles andere als »still«, sondern am helllichten Tag und in aller Öffentlichkeit. Nach der Machtübernahme Hitlers verschärfte sich der Ton gegenüber den jüdischen Mitmenschen drastisch. Deshalb verließen schon in den ersten Monaten nach Januar 1933 vor allem die jüdischen und linken Künstler und Intellektuelle, darunter die Dirigenten Otto Klemperer und Bruno Walter, das Deutschland der Nazis.

Obwohl anhand des Wahlprogramms der NSDAP für die Reichstagswahlen im November 1932 der lupenreine Antisemitismus der Nazis unübersehbar war, herrschte keine gefühlte Panik unter der Mehrheit der etwa 525.000 Juden in Deutschland.

Der Vorstand des Central-Vereins deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens, kurz CV, die Vorgängerorganisation des Zentralrats der Juden in Deutschland, äußerte sich am 30. Januar 1933 folgend:

»Im übrigen gilt heute ganz besonders die Parole: Ruhig abwarten.«

Benz, Wolfgang (Hrsg.), »Das Exil der kleinen Leute: Alltagserfahrungen deutscher Juden in der Emigration«, München 1991, S. 16

Auch die frühen Boykott-Versuche im April 1933 zeigten, wie die NSDAP immer offener versuchte Stimmung gegen deutsche Juden zu erzeugen. Der April-Boykott scheiterte vor allem daran, da in dieser frühen Phase des Nationalsozialismus die überwiegende Mehrheit der Deutschen noch nicht vom propagierten Antisemitismus »verseucht« waren. Auch die April-Gesetze von 1933 (unteranderem die Wiederherstellung des Berufsbeamtentums vom 7. April) trugen ihren Teil dazu bei, dass die Stimmung gegen deutsche Juden immer heftiger wurde.

Mit dieser Entwicklung, die ihren Höhepunkt in den Nürnberger Rassegesetzen (15. September 1935) erreichte, wurden deutsche Juden aus der »völkischen Gesellschaft« Nazi-Deutschlands exkludiert und für den späteren Holocaust entmenschlicht. Juden sollten das Prädikat »Mensch« verlieren, damit man dementsprechend mit diesen »Nicht-Menschen« umgehen konnte.

Das diese braunen Bäume reife Früchte trugen, zeigen die Novemberpogrome 1938 ganz deutlich (→ beschrieben in meinem Artikel »9.11.1938 – Der Abend an dem die Synagogen brannten«).

Auch die Stellung der Kirchen zur sich zuspitzenden Judenverfolgung muss hier erwähnt werden. So schreibt der Historiker Klaus Scholder:

»Kein Bischof, keine Kirchenleitung, keine Synode wandte sich in den entscheidenen Tagen um den 1. April öffentlich gegen die Verfolgung der Juden in Deutschland.«

Scholder, Klaus: »Die Kirchen und das Dritte Reich«, Bd I, »Vorgeschichte und Zeit der Illusionen 1918 – 1934«, Frankfurt a. M. 1977, S. 338 ff.

Niemand, weder in gesellschaftlichen, noch staatlichen Kreisen innerhalb Deutschlands war also wirklich »unschuldig« an der Judenverfolgung, die im Holocaust gipfelte.

Wie sieht es denn heute, 72 Jahre nach Auschwitz, nach dem unbegreiflichen industriellen Massenmord an sechs Millionen Juden aus? Ist der Antisemitismus nach der Shoah (שׁוֹאָהKatastrophe; Untergang) in Deutschland »still« geworden?

War denn der Antisemitismus jemals still?

9.11.1938 – Der Abend an dem die Synagogen brannten

Heute jährt sich die »Reichspogromnacht« zum 78. Mal.

Am 9. November 1938 kam es zu den ersten offen gewalttätigen Übergriffen der Nazis gegenüber Juden in ganz Deutschland. Überall im Land wurden Synagogen in Brand gesetzt, jüdische Geschäfte demoliert, Juden inhaftiert und sogar durch den wütenden deutschen Mob ermordet. In der Geschichtswissenschaft beginnt mit den »Novemberpogromen 1938« die Shoah, die deutsche industrielle Vernichtung des europäischen Judentums; auch Holocaust genannt.

Als die Synagogen brannten und die jüdischen Geschäfte in Deutschland geplündert wurden, schalten die Geräusche festlicher Umzüge an die Orte des Schreckens. Denn die Christen feierten Sankt Martin, eben jenes Fest, was einen römischen Offizier gewidmet ist, der Nächstenliebe lebte und nicht zwischen Menschen unterschied. Eine Ironie des Schicksals, denn die Nächstenliebe findet sich in der Torah, eben jenem Schriftstück, dass Deutsche während der Novemberpogrome dem realgewordenen Feuer des Antisemitismus übergaben.

Liebe deinen Nächsten wie dich selbst: ich bin der Ewige.                                                      Kedoschim, Waijkra 19, 18 (Levitikus 19, 18)

Eben nicht nur SA-Männer begingen diese ersten Gräueltaten gegenüber dem jüdischen Volk, sondern auch ganz normale Deutsche – Ehemännern, Familienväter, geliebte Söhne – ganz normale Menschen.

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Brennende Synagoge während der Pogromnacht 1938 in Hannover

Es gibt Berichte, dass Eltern mit ihren Kindern, die Sankt-Martin-Laternen trugen, sich die brennenden Synagogen anschauten. Es gab euphorische Jubelrufe aus dem Publikum und antisemitische Beleidigungen, die die Täter weiter anstachelten. Der systematische Judenhass fand unter den Anwesenden größtenteils Akzeptanz, ja sogar unhaltbare Freude. Die, die sich schämten, dass Menschen, Mittbürger, zu so etwas fähig waren und derartigen Hass zeigen konnten, wandten sich beschämend ab.

In so vielen Autobiographien, wissenschaftlichen Arbeiten und der Weltliteratur wurde der Abend des 9.11.1938 thematisiert. Das deutsche Judentum schrie einen stummen Schrei, einen Schrei, den niemand in Europa vernehmen wollte.

Heute, an diesem 9.11 gedenkt man in Deutschland diesem traurigen Novemberabend, an dem Synagogen brannten und man begann, das jüdische Leben in Deutschland zu beenden.

Wenn ich sehe, dass rechtspopulistische Deutsche erneut durch die Straße marschieren, besonders an einem solchen Tag, dann beginne ich zu weinen. Hat man in Deutschland wirklich vergessen, was vor 78 Jahren passierte, oder ist es schlichtweg nicht mehr wichtig, dass man daran gedenkt?

 

 

»Don’t forget the US embassy moving to Jerusalem!«

»Don’t forget the US embassy moving to Jerusalem!«, twittert Elie Leshem, stellvertretender Herausgeber der »Times of Israel« nach dem Wahlsieg von Donald Trump. Vor allem in Israel hofft man nun auf eine deutlichere pro-israelische Politik seitens der USA.

In einer Rede vor dem AIPAC (American Israel Public Affairs Committee) im März 2016 bekräftigte Donald Trump, dass er bei einem Wahlsieg die Beziehung zwischen der USA und Israel noch verstärken würde. Eines seiner Hauptanliegen ist es, dass die US-Botschaft von Tel Aviv nach Jerusalem verlegt wird, was eine deutliche Ansage sein würde. Denn nicht jeder Staat erkennt den Status Jerusalems als Hauptstadt Israels an, sodass Länder, wie Deutschland, Österreich, oder eben auch die USA ihre Botschaften in Tel Aviv unterhalten, anstatt in der israelischen Hauptstadt (denn das israelische Parlament, die Knesset, befindet sich in Jerusalem). Ein weiterer Punkt, den Trump immer wieder bekräftigt hatte, ist der Kampf gegen den islamistischen Terrorismus im Nahen Osten und die militärische Unterstützung Israels seitens der USA.

Vor allem Hillary Clinton wird in den konservativen Kreisen Israels abgelehnt, da sie auch im Zusammenhang mit der herablassende Israel-Politik Obamas gesehen wird, die für ein eisiges Klima zwischen Präsident Obama und Ministerpräsident Netanyahu sorgte. Obwohl Clinton jüngst noch betonte, dass die gegen eine äußere Einmischung in den Nahost-Konflikt sei, wird das in Israel wohl die Mehrheit nicht überzeugen können.

Es bleibt spannend, ob und wie Trump, der seit dem 9. November nun amtlich der designierte 45. Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika ist, seine Israel-Politik umsetzen wird. Vor allem im Angesicht der antisemitischen UNESCO-Resolution um den Tempelberg, der jegliche jüdische Beziehung leugnet, wird Israel gespannt bleiben, wie Trump sich verhalten wird.

Eine unendliche Geschichte – Die Zugehörigkeit des Islams zur deutschen Gesellschaft

Seit mehreren Jahren geistert diese Frage durch die deutsche Politik- und Medienlandschaft, viele Menschen haben sich an eine Lösung getraut, einige mehr andere weniger erfolgreich. Doch egal zu welchem Schluss all diese Personen kamen, die Frage blieb letztendlich immer die gleiche: Gehört der Islam zu Deutschland?

Vielleicht sollte die Frage viel wissenschaftlicher und präziser gestellt werden: Welcher »Islam« soll, kann und darf eigentlich zu Deutschland gehören? Denn immerhin gibt es nicht »den« Islam, sondern viele verschiedene Ausprägungen und Richtungen.

Der emeritierte Politikwissenschaftler Bassam Tibi ist der Meinung, dass der »Euro-Islam« gescheitert sei, also die Vorstellung einer liberal-islamischen Strömung, die problemlos mit dem deutschen Grundgesetz und der Religionsfreiheit zu vereinbaren ist. Dazu schreibt er in einem Gastkommentar in der WELT (08.05.16):

»Als Syrer aus Damaskus lebe ich seit 1962 in Deutschland, und ich weiß: Patriarchalisch gesinnte Männer aus einer frauenfeindlichen Kultur lassen sich nicht integrieren. Ein europäischer, ziviler Islam, den die Islamfunktionäre hierzulande als Euro-Islam ablehnen, wäre die Alternative. Zurzeit ist er chancenlos. Mein Lehrer Max Horkheimer hat Europa als „Insel der Freiheit im Ozean der Gewaltherrschaft“ bezeichnet. Diese Freiheit sehe ich heute gefährdet.«

Sobald das Thema »Islam und Deutschland« in der Gesellschaft behandelt wird und die allseits bekannte Frage in Talkshows, Debatten und Podiumsdiskussionen gestellt wird, reagieren die Gemüter verschiedener Meinungen und Richtungen über. Die eine extreme Gruppe meint, dass doch Terror und Islamismus nichts mit »dem« Islam zutun hätte, wobei die andere Gruppe gar behauptet, dass Muslime und ihre Religion in Deutschland »nichts zu suchen hätten«. Natürlich gehören muslimische Mitbürger zur Bundesrepublik Deutschland und zu dieser heterogenen und vor allem multikulturellen Gesellschaft, doch auch, oder besonders muslimische Mitmenschen müssen sich endlich verstärkt in diese Debatte einwerfen und dabei helfen, dass der Islam als normale und vor allem liberal-säkulare Religion etabliert werden kann. Aussagen, wie »Das hat mit dem Islam nichts zutun!«, oder »Das sind keine Muslime (gemeint werden Salafisten, oder andere muslimische Radikale)!«, sind dabei kontraproduktiv, ja sogar verträumter Blödsinn. Viele islamische Strömungen haben einen gemeinsamen Kernpunkt und eben das sind Gewaltpassagen im Qur’an und der Sunna, die so nicht mit der humanistischen und säkularen Welt Europas konform gehen können.

Dem ewigen Argument der muslimischen Verbände und vieler Sympathisanten, der Terror habe mit dem Islam nichts zutun, stellt Michael Wolffsohn in der TV-Sendung „hart aber fair“ am 11. April 2016 im Ersten klar, dass der Terror seine Wurzeln sehr wohl in der Religion besitzt:

»Gerade die heiligen Schriften und ihre buchstäbliche Auslegung sind das Problem. Eine kritische Interpretation der Quellen, wie das Christentum sie mit der Reformation oder das Judentum durch rabbinische Texte erfahren haben, hat der Islam in diesem Maße noch nicht erfahren. Deshalb ist es ein Unterschied, ob im Alten Testament das Niederbrennen irgendeines seit 2400 Jahren untergegangenen mesopotamischen Königreichs oder im Koran der Kampf gegen die – durchaus noch existierenden – Juden gefordert wird.«

Auch der renommierte deutsch-libanesische Prof. Dr. Khorchide, Leiter des Zentrums für Islamische Theologie an der Uni Münster schreibt dazu in der Zeit Geschichte (2/2016):

»Viele Muslime distanzieren sich zwar davon (bezogen auf die Definition von Dschihad als Heiliger Krieg), mit dem Hinweis, das habe nichts mit dem Islam zutun, jedoch ohne sich ernsthaft mit den Argumenten des IS und anderer Extremisten auseinanderzusetzen. Sie verkennen, dass das Problem tief in der islamischen Tradition verwurzelt ist.«

Ein recht großes Problem im Bezug auf die Beantwortung der Frage »Gehört der Islam zu Deutschland?«, sind radikalisierte muslimische Jugendliche – eben die wichtigsten Fußsoldaten des Islamischen Staates.

Vor allem Jugendliche mit Immigrationshintergrund aus dem westlichen Europa (Frankreich, Großbritannien, den Beneluxländern und Deutschland) und ihren Brennpunkten, bilden den Kern der Anhängerschaft des Islamischen Staates. Durch islamistische Scharfmacher in Moscheen und Jugendtreffs, oder während der sogenannten »Street Dawa«, werden diese jungen Menschen zu hörigen Soldaten des Kalifats in Syrien und dem Irak erzogen. Der deutsch-israelische Psychologe Achmad Mansour nennt diese jugendliche Gruppierung unter muslimischen Jugendlichen »Generation Allah«, eben genau die Art von Jugendlichen, die nur noch im fundamentalistischen Islam ihre Lebenserfüllung finden. Der Weg von einer radikalen Moscheegemeinde bis zum Kriegsgebiet Syrien unter der schwarzen Flagge des IS, oder der Schahāda, ist fließend.

Es muss eine konsequente Intervention im Hinblick auf muslimische Jugendlichen, ihre Religionsvorstellung und ihre patriachale Familienstruktur folgen, damit man Herr dieser Lage werden kann. Muslimische Jugendliche machen vor allem die nicht-muslimische Umwelt, das deutsche, oder europäisch-westliche Staatgefüge und eben auch das Judentum als »Strippenzieher« allen »Bösen« im Nahen Osten für die Probleme der islamischen Welt, aber besonders für ihr eigenes Versagen verantwortlich.

Voraussetzung für eine solche Liberalisierung und Integration des Islams in Deutschland, ist, dass Muslime die wissenschaftliche Islamkritik (das gilt selbstverständlich nicht für beleidigende Hetzkampagnen und unseriöse Islam-Diffamierungen, wie man sie bei der AfD, oder der PEGIDA oft antrifft) als durch das Grundgesetz gegebene Freiheit respektieren.

Sobald der Islam in irgendeiner Art und Weise vermeintlicher Kritik ausgesetzt wird, springen unzählige Muslime und nicht-muslische Sympathisanten in die Runde. Dabei wird leider eins ziemlich deutlich, denn der Islam, sowie viele Muslime, sind noch nicht bereit Kritik zeitgemäß zu akzeptieren.

Das folgende Beispiel zeigt, wie muslimische Jugendliche im Bezug auf Islamkritik, Judentum und Grundgesetze leider zu argumentieren wissen:

Muhammet_Coskun_-_Nachrichten