Die EM 2016 – Ein Sammelbecken für Hooligans und Rechtsextreme

Das EM-Spiel Deutschland gegen die Ukraine hat noch nicht einmal angefangen und schon entsteht Krawall. Während 20.000 Fans friedlich feiern, randalieren, schlagen, pöbeln und demolieren 50 Fans im Stadtzentrum von Lille.

Es sind enthemmte Szenen, zwar nicht vergleichbar mit den schweren Ausschreitungen in Marseille, wo Fußballfans von England und Russland brutal aufeinander trafen, doch zeigt der Zwischenfall in Lille wieder eine der hässlicheren Seiten des Fußballs: die hemmungslose Gewaltbereitschaft von Hooligans.

Auch deutsche Fußballfans fielen mit ihrem Benehmen unangenehm auf, was das nächste Problem offenbart, nämlich die rechte Einstellung einiger deutscher Fußballfans und vor allem deutscher Hooligans.

In Lille präsentierten sich deutsche Hooligans stolz mit der Reichskriegsflagge des Kaiserreichs, die immer wieder als Erkennungszeichen rechter Gesinnung dient. Vereinzelt waren auch der Hitlergruß und Hitler-Rufe präsent. Natürlich kann man das mit den Worten »das waren ja in erster Linie nur betrunkene asoziale Hooligans« abtun, aber damit machen wir uns das Problem zu einfach, besonders, wenn es um den deutschen Fußball und die leider auch dort vertretene rechtsextreme Szene geht.

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Hooligans in Lille mit der Reichskriegsflagge des Kaiserreichs. Ein beliebtes Symbol unter Rechtsextremen.

Gehen wir einige Wochen vor den Beginn der EM in Frankreich zurück, nämlich zum DFB-Pokalfinale zwischen Bayern München und dem BVB Dortmund am 25.5.2016. BVB-Fans hatten sowohl auf der Hinfahrt, als auch auf der Rückfahrt randaliert und vor allem demoliert. Schon am Dortmunder Hauptbahnhof randalierten einige Mitglieder verschiedener Ultra-Gruppen, dabei wurde ein Unbeteiligter durch Pyrotechnik verletzt. Den Höhepunkt aber bildeten die antisemitischen, wie auch homophoben Schmählieder und die abartige Verwüstung der Wagons der Sonderzüge der Deutschen Bahn.

Ein anonymer Zeuge hat seine Eindrücke auf Vice veröffentlicht und schildert, wie er den Mittwoch und die Entgleisungen einiger Fans erlebt hat. Es ist nicht unbekannt, dass in Dortmunder Ultra-Gruppen auch viele rechtsextreme Personen vertreten sind, denn in Dortmund und Umgebung ist Rechtsradikalismus zu einem Dauerproblem geworden. Die »Ruhrnachrichten« haben dazu sogar eine eigene Rubrik für das Thema eingerichtet und berichten über aktuelle Entwicklungen der rechten Szene Dortmunds.

Parteien, wie »Die Rechte« und auch die »NPD« sind mit jeweils einem Sitz im Dortmunder Stadtrat vertreten. Die rechtsextreme Partei »Die Rechte« sorgte in Dortmund 2014 für einen Eklat, als Dennis Giemsch (Vorgänger unteranderem von Michael Brück als Vertreter der Partei »Die Rechte« im Stadtrat) eine Anfrage an die Stadt stellte, worin man um die genauen Zahlen und Wohnorte von jüdischen Bürgern in Dortmund bat; die Tageszeitung DIE WELT berichtete dazu ausführlich. Angesichts dieser Tatsachen ist es kaum verwunderlich, dass Rechtsextreme eben auch in den Dortmunder Ultra-Gruppen mitmischen.

Man muss aber noch einmal betonen, dass eben nicht jeder BVB-Fan und Ultra ein rechtsextremes Problem hat, denn unter den Fans in der Südkurve sind auch genug Personen, die sich oft offen gegen Rechtsradikalismus, Antisemitismus und Homophobie stellen.

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Beim Spiel gegen Hannover 96 im Oktober 2014 zeigten BVB Fans auf der kompletten Südtribüne Spruchbänder gegen Nazis.                       

Auch, oder vor allem in Ostdeutschland ist das Phänomen der rechtsextremen Hooligans lange bekannt und schon oft thematisiert worden. Besonders die Hooligan-Gruppen um den Zweitligisten Dynamo Dresden und Lok Leipzig sind hier zu nennen, da diese auch mit anderen rechten Vereinigungen von anderen Mannschaften zusammenarbeiten, wie eben auch mit Dortmunder Rechtsextremisten. Diese Personen sind Montags auch auf den Demos von PEGIDA, LEGIDA und Co. zu finden, wie z.B. als Ordner. Auf den Demonstrationen der rechten HoGeSa trifft man sie als Krawallmacher, wie zuletzt in Köln 2015. Rechtspopulismus und Rechtsextremismus ist mittlerweile kaum zu unterscheiden, besonders wenn diese beiden Gruppen so eng miteinander zusammenarbeiten.

Bei den Krawallen in Lille waren eindeutig deutsche Hooligans der rechten Szene vertreten und involviert. Die Gruppe »Faust des Ostens« (eine rechtsextreme Gruppe von Hooligans für Dynamo Dresden) schrieb auf ihrer Facebook-Seite, dass sie »auch mitmischen«.

Im Stadion dagegen waren bekannte Rechtsextreme aus Dortmund, die zwar zuhause etliche Stadionverbote erhalten haben, doch diese Verbote sich leider ausschließlich auf Deutschland beschränken.

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Die Hemmungen in Frankreich scheinen kaum vorhanden zu sein, denn obwohl die französische Polizei bekannt für ihre brutale »Deeskalation« ist, gibt es kaum Verhaftungen und die Hooligans können fröhlich weiter randalieren. Das lasche Durchgreifen der französischen Polizei wird auch weiterhin die EM 2016 zu einem Eldorado für Schläger, Randalierer und rechter Hooligans machen.