»Bist du doch selbst schuld!« – Antisemitismus ein Selbstverschulden der Juden?

»Wer mit Kippa offen rum rennt, der brauch sich nicht wundern, dass er angefeindet wird!«, oder »Die Juden schüren doch den Antisemitismus selbst!!! Die provozieren täglich mit ihrem Gehabe in Palästina!!!« , oder eben auch »Bin ja kein Antisemit, ABER die Juden sind auch nicht unschuldig an ihrer Situation! Und außerdem muss mal gut sein, was können wir Deutschen heute noch für den Holocaust?!«, sind Meinungen, die wohl jeder Jude in Deutschland sicherlich schon mal gehört, oder gelesen hat.

In der letzten Woche berichtete ich über einen antisemitischen Vorfall im Ruhrgebiet und wieder konnte ich, vor allem bei Facebook, derartige Kommentare zum geschilderten Vorfall lesen. Das Fazit der aller meisten, meist deutschen User, war: Der Jude ist am Antisemitismus vorwiegend selbst schuld!

Vor 72 Jahren endete der Zweite Weltkrieg und damit auch die industrielle Vernichtung von mehr als 6 000 000 Juden. Die Shoah (bedeutet im Hebräischen unter anderem »große Katastrophe«) begann nicht direkt mit den »Gaswagen« hinter der Ostfront, den  Massenerschießungen in Osteuropa, oder schließlich mit Zyklon-B-Gaskammern und Krematorien in Auschwitz, sondern mit der gezielten Anfeindung, Ausgrenzung und Schuldzuweisung gegenüber Juden in und außerhalb Deutschlands.

Der »moderne« Antisemitismus vermischt auf perfide Weise den Antijudaismus, vorwiegend aus dem mittelalterlichen Christentum, mit den rassistischen Grundideen des 19. Jahrhunderts. Juden wurden damit zu einer »Rasse« erklärt und die antijudaistischen Stereotypen, die Christen uns gaben, waren damit nun »vererbbar«. Die Nazis wollten mit der willigen Unterstützung vieler Deutscher, das Judentum samt Juden mit »Stumpf und Stil« aus der Welt entfernen. Waren Juden daran nun auch »vorwiegend selbst schuld«?

Deutsche Neonazis sind sich jedenfalls überwiegend einig, dass Juden am Holocaust »selbst schuld« waren, da das »internationale Judentum« mit »Sitz in den USA« einen »Krieg gegen Deutschland anzettelte«. Einzelne Boykott-Aufrufe in den 30er Jahren gegen deutsche Waren als Grund für industriellen Völkermord?

Hier vertauschen Anhänger der Täter-Ideologie Ursache und Wirkung, Opfer und Täter, wie eben auch Wahrheit und Fiktion. Die Wahrheit ist, dass amerikanische Juden als Reaktion auf den offen wachsenden Antisemitismus in Nazi-Deutschland deutsche Produkte in den USA boykottieren wollten. Keine anti-deutsche Agitation des »Weltjudentums« und auch keine Kriegserklärung gegen Deutschland, sondern einfach ein klares, wenn auch vergebenes Zeichen gegen den bedrohlichen staatlichen Antisemitismus der Nazis.

Im Bayrischen Viertel in Berlin erinnern duzende Schilder an den Beging der antisemitischen Ausgrenzung und den Holocaust in Deutschland. Die Nazis wollten Juden von Nicht-Juden trennen und beschnitten deshalb den Alltag deutscher Juden mit unzähligen Verboten, die ein normales Leben in Deutschland unmöglich machten. Gelbe Bänke nur für Juden, Juden war es untersagt an Badeseen und in Schwimmbändern schwimmen zu gehen und selbst die Tierhaltung war für Juden verboten worden. Die Ausübung der jüdischen Religion kam schließlich mit den Novemberpogromen 1938 und den damit verbundenen Übergriffen auf Synagogen (jüdische Bethäuser wurden von Nazis und ihren deutschen Unterstützer einfach abgefackelt) in Deutschland zum Erliegen. Die Nazis verbrannten, schändeten und stahlen Torah-Rollen, Tallitots (jüdische Gebetsmäntel) und andere Judaica-Gegenstände; Martin Luther hätte wohl wegen dieser grausigen Entwicklung Luftsprünge gemacht.

Im Hinblick auf diesen Teil der deutschen Geschichte ist es wirklich unverschämt, wenn Menschen in Deutschland auch heute wieder die Schuld für Antisemitismus bei Juden suchen. Jetzt wird der ein oder andere Leser sich vielleicht denken, dass doch »die Juden« in Israel »wehrlose Palästinenser ermorden« und damit selbst einen »Holocaust durchführen«. Auch diese irrsinnige Argumentation rechtfertigt den Antisemitismus, den es in Deutschland immer noch gibt, nicht im geringsten! Es kann einfach nicht sein, dass die Yarmulke (Jiddisch für Kippah), oder andere Judaica, wie der Davidstern, immer noch in Deutschland als »Freifahrtschein« für offenen Antisemitismus gelten.

Weder die Kippah, noch der Davidstern und schon gar nicht Juden selbst sind der Grund für Antisemitismus, sondern der Antisemit selbst! 

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Kneipengewitter – Deutscher Antisemitismus mit Ruhrpott-Flair

Ein Kneipenbesuch im Ruhrpott ist oft sehr erhellend, da man, wie der christliche Reformator Martin Luther sagte »dem Volk aufs Maul schauen« kann. Doch langweilig sind solche Sauftouren defenitiv nicht.

Wenn man an Kneipen im Rhein-Ruhr-Eck (von Duisburg bis Dortmund) denkt, kommen wohl den meisten Lesern Erinnerungen an verrauchte Spelunken im Tatort »Ruhrort« mit Schimmi (Horst Schimanski alias Götz George [† 19.6.2016]) in den Sinn. Nun gut, verraucht sind diese Kneipen nicht mehr, beherbergen aber oftmals noch den Aschenbecher-Flavour, wie auch die Dekorationssünden der 80er. Vom lauten und grell leuchtenden Spielautomaten an der Wand bis auf die unbequem hässlichen Theken-Hocker, haben die allermeisten Ruhrpott-Kneipen noch ihren klischeehaften Charme.

In Deutschland brodelt es an allen Ecken und Winkeln. Gerade deshalb ist es oftmals interessant zu wissen, was stinknormale Deutsche so denken, außer immer wieder Facebook und Twitter zu bemühen, um dann die immer gleichen wahnhaften Auswüchse lesen zu müssen. Also schnappt man sich Regenschirm und Portmonee (ja, der Sommer ist entflohen) und besucht die nächst beste Kneipe in der Umgebung.

Am Abend des 25.7.17 lief die Live-Übertragung der Frauen-Europameisterschaft, Russland gegen Deutschland, aber mich interessiert Fußball nicht sonderlich. Die »Stammsaufschaft« der Kneipe, diese wird von einem älteren Griechen und seiner Frau betrieben, sitzen an der Theke und süppeln, was sonst in Duisburg, KöPi.

Ein ganz normaler Abend in einer Vorstadt von Duisburg, der Stahlstadt im Ruhrpott. Gespräche gibt es hier kaum, dem Volk kann also nicht »aufs Maul geschaut« werden. Also bezahl ich mein KöPi, nehme meine sieben Sachen und geh aus der Tür.

»Lustiger Hut, den du da trägst«, spricht mich ein älterer Mann an, der gerade seine Kippe raucht und nach mir das Lokal verlassen hat. Es war einer der schweigsamen Stammgäste, der eher verloren in sein Pils-Glas starrte. »Das ist eine Kippah, wir Juden tragen sowas.«, gebe ich ihm kurz als Erklärung zurück. Seine Augen weiten sich, er starrt mich an und geht einen Schritt auf mich zu. Ja, er hatte richtig gehört, ich hatte J-U-D-E-N gesagt und sofort war der »gute« Mann, wie man im Neo-Deutsch sagt »getriggert«.

»Ist mir egal, aber Israel und diesen Netanjaaaahuu hass ich wie die Pest!«, gibt der Mann, der nun weniger freundlich und weniger stumm war, spontan zurück. Da hatte ich mir natürlich wieder was eingebrockt, denn ich hatte wirklich wirklich wirklich vergessen, dass ich noch Yarmulke (jiddisch für Kippah) trug; denn eigentlich versuche ich bei solchen Nachtfalter-Aktionen nicht aufzufallen und eben nur den Beobachter zu spielen. Da ich aber ungern solchen Hass-Bekundungen ausweiche, stellte ich mich mutig diesem »Israel-Kritiker«.

»Wieso hasst du denn Israel und Netanyahu«, die Frage musste ich mehrmals stellen, da der Mann wohl ein Hörproblem hatte, aber dann klappte es irgendwann zum Glück. »Weil IHR da die Menschen einfach abschlachtet! Deshalb hass ich Israel und Netanyahu.«, wow, weil WIR, also deutsche, oder in Deutschland lebende Juden, in Israel gemeinsam mit Benjamin Netanyahu Menschen abschlachten, was ein bombastischer Grund. Danach bat ich den aufgebrachten Schreihals freundlich, er solle doch sein Problem mit Israel und dem Regierungschef näher erläutern.

Er bombardierte mich regelrecht mit allen Stereotypen, die ein, natürlich NICHT antisemitischer »Israel-Kritiker« (AUGENZWINKER und RÄUSPER), so von sich geben kann. Oj weh, wie habe ich mir das nur wieder eingebrockt? Wo sollte ich beginnen und vor allem, wie sollte ich das Gespräch weiter führen? Darum fing ich mit seinem Argument des »Landraubes« an, aber der »gute« Mann konnte kaum was mit meinen Ausführungen anfangen, ihm fehlten die einfachsten Grundvoraussetzungen für einen seriösen Dialog, um den Nahostkonflikt adhoc vor der Kneipe zu lösen.

Auf meine wirklich ernst gemeinte Frage, wer denn vor den Israeliten, Hebräern, Juden & nun auch Israelis (seit 1948 wieder) gelebt hatte, konnte er mir nicht wirklich antworten und schaute mich entgeistert an. Ja, ich habe ihm, dem selbstlosen und seriösen deutschen Israel-Kritiker, Jürgen Todenhöfer würde ihm trotz allem auf die Schulter klopfen wollen, wirklich gefragt, was vorher war. Seine Antwort war simpel, bekannt und vorausschauend: »Palästinenser!«

Natürlich erklärte ich ruhig und sachlich, eigentlich wollte ich nur noch nachhause und die biege machen, dass der Begriff »Palästinenser« eine Erfindung von Yassir Arafat, also eben jenem bekannten arabischen Terrorfürsten und Judenhasser, der sogar (hört hört) den Friedensnobelpreis empfangen hatte, war. Wieder betretendes Schweigen. Man hörte richtig sein Gehirn, die zahlreichen Zahnräder und Dampfmaschinen, arbeiten. Also fragte ich ihn nochmal langsam und höflich, wer denn vor Israeliten, Hebräern, Juden und schließlich Israelis in der Levante, genauer gesagt in Israel (für Christen gerne auch »Heiliges Land«) gelebt hatte.

Nachdenklich schaute er mich an und dachte nach.

Nach einer Minute meinte er: »MENSCHEN!«, unglaublich, denn meine Favoriten-Antwort wäre wohl eher Marsianer, oder Transformers gewesen. »Was für Menschen lebten denn dort?«, beharrte ich weiter auf meinem Wissensdurst dem heldenhaften »Israel-Kritiker« gegenüber. »Ja Menschen halt!«, seine Antwort unterstrich die Ahnungslosigkeit mit der er sogar die Diskussion begonnen hatte. Weiterhin freundlich, denn mit solchen Ruhrpott-Asis, die leider immer mal wieder auffallen, will ich mich sicherlich nicht auch noch prügeln. Also erklärte ich ihm einige Main-Facts über das Judentum und eben auch über den Zionismus. Ein anderer Stammgast, der durch den cholerischen Ausbruch des »Israel-Kritikers« nach draußen gelockt wurde, gab nur von sich: »Oh ha, viele interessante Infos, aber ich bin zu besoffen dafür.«, damit verließ er die Bühne wieder. Schade!

Wenn einem heroischen »Israel-Kritiker« die Argumente ausgehen, dann verfällt er schlicht weg in offenen Antisemitismus, wie eben auch der »gute« Diskussionspartner. »Ihr Juden seit alle FANATIKER! Du bist ein FANATIKER!«, also ist man für einige deutsche »Israel-Kritiker« schon ein Fanatiker, wenn man mit geschichtswissenschaftlichen und theologischen Argumenten gegen hält. Herzlichen Glückwunsch! Schließlich kam der Wirt, eben jener griechisch-stämmige Zapfhahn-Meister nach draußen, um zu schauen, was sein Stammgast da für ein Problem hat. Für alle Leser, die jetzt hoffen, dass der Herr nun schlichtet, muss ich leider sagen: NÖ!

Als ich gerade dem nun in Beleidigungen und Antisemitismus verfallenden Typen klar machen wollte, dass die Bibel, also Torah, Tanach und für Christen eben auch das »Neue Testament« / »B’rit Chadasha« von Judea und Samaria, wie auch Israel und sogar dem Zionismus (ja, damals hieß es eben noch nicht so) spricht, schaltet sich der Wirt ein. »Jesus war kein Jude, sondern Grieche und IHR Juden habt ihn geopfert!«, ja, lesen Sie noch mal diese Aussage. Für den griechischen Wirt war also Jesus, oder Jeschua (im HEBRÄISCHEN [DER Sprache der Juden übrigens]) ein G-R-I-E-C-H-E, also wie der Philosoph Platon, wie der griechisch-spartanische König Leonidas (nicht der Schauspieler Gerard Butler, der ist nämlich Schotte), oder der Schlagerstar Costa Cordalis.

Am Ende musste man den Antisemiten zurückhalten (er wollte mir tatsächlich die »Fresse polieren«) und mir, weil ich als Jude natürlich IMMER schuld haben muss, ein Hausverbot erteilen (weil ich den Stammgast mit meinem Jüdischsein provoziert habe, oder so ähnlich).

Mein »Auf Wiedersehen«-Gruß war nur ein lässiges: »Für Juden verboten« ist so 1933!

Ein etwas anderer Abend im Ruhrpott…

Theologische Antwort auf die Gedanken von Kardinal Christoph Schönborn zum Evangelium, 7. August 2016 (Lk 12,32-40) – »Fürchtet euch nicht!«

Ein theologisch interessanter Ansatz, der zum weiteren Nachdenken anregt.

Mein Gedanke ist, dass es nicht die eigentliche Angst vor dem Tod ist, die den Menschen umtreibt, immerhin ist das Ende die Normalität für jedes von G’tt geschaffene Wesen, es ist die Art des Sterbens, welches uns Menschen ängstigt. Es ist ein unterschied, ob ein Greis, der sein Leben gut und lange auskosten konnte in einem Bett diese Welt verlässt, oder ein junger Mensch durch eine Autobombe, oder vielleicht sogar unter Folter mit schweren Verletzungen und mit grässlichen Schmerzen, dahin scheidet.

Die Worte Yeshua‘ in Lk 12,32-40 versichert dem Gläubigen, dass sich HaShem, der Ewige, sich um seine Herde kümmern wird, egal was passieren mag, aber dennoch kann selbst der Ewige und sein Versprechen uns nicht gänzlich die Angst nehmen; die Angst bleibt für jedes Wesen fester Bestandteil, so wie Sie es auch geschrieben haben. Traurige Gewissheit und nackte Angst haben auch die Menschen während der Shoah gehabt, als sie auf der Rampe in Auschwitz, oder in anderen Konzentrationslagern in das Gas geschickt wurden. Unter diesen Menschen waren normale Gläubige, Rabbiner und auch Atheisten, aber alle teilten sich diese menschliche Angst, die weder HaShem, noch jemand anders ihnen hätten nehmen können. Da erzeugen die Berichte über gläubige Juden, die noch in der Gaskammer das Shema Jisrael (»Höre Jisrael, der Ewige ist unser G’tt; der Ewige ist eins!«) rezitierten eine Gänsehaut, denn der Glaube an das Versprechen des Ewigen uns nicht im Stich zu lassen, hielt bis in den Tod; ähnliche Berichte gibt es auch über Christinnen und Christen, die während der NS-Herrschaft ermordet wurden.

Natürlich ist in der heutigen Zeit, wenn man an Terror und Verfolgung, besonders von Christen im Nahen Osten (Syrien, der Irak und in anderen muslimischen Ländern) denkt, Angst ein zweischneidiges Schwert, denn Angst ist, wie Hass auch, ein gefährlicher Ratgeber. Wir dürfen unsere Objektivität nicht durch Angst und Verzweiflung trüben lassen, denn dann machen wir uns anfällig für Kurzschlussreaktionen, wie eben der oben genannte Hass.

In diesem Kontext hat Yeshua recht, wenn er auf den himmlischen Schutz durch den Ewigen verweist, denn G’tt lässt keinen seiner Schäfchen, weder Juden, noch Christen, im Regen stehen, wenn es zum Ende hingeht. Wir können nur beten, wenn die unsere Zeit abgelaufen ist, dass wir in Frieden und möglichst schmerzfrei diese Welt verlassen.

Schalom

Hier der Link zu den Gedanken von Kardinal Christoph Schönborn zum Evangelium, 7. August  2016 (Lk 12,32-40) – »Fürchtet euch nicht!«

http://www.erzdioezese-wien.at/site/glaubenfeiern/christ/bibel/gedankenzumevangelium/article/51622.html

Die AfD, PEGIDA und die Christen – Eine unheilige Allianz I: Die Pius-Bruderschaft

Heute beginnt der 100. deutsche Katholikentag im eigentlich atheistisch dominierten Leipzig. Von den 570.000 Einwohnern der größten Stadt im Freistaat Sachsen sind nur 20% überhaupt Christen, davon nur 4,3% Katholiken.

Ist das nicht komisch, besonders wenn man an die LEGIDA- und PEGIDA-Aufmärsche denkt?

An jedem Montag treffen sich »stolze deutsche Patrioten« und eben auch Christen, die das Abendland gegen die »Islamisierung« schützen wollen. Man kämpft für ein christliches Weihnachten, Ostern und Deutschland, denn Muslime »fluten« das Land und wollen »dem Land die Scharia aufzwängen«.

Immer wieder sieht man auf den Demonstrationen ein leuchtendes Kreuz, welches von Teilnehmern vorweg getragen wird. Ein sakrales Symbol innerhalb einer eigentlich profanen Umgebung, denn weder PEGIDA, noch die sympathisierende AfD vertreten christliche Werte. Das Christentum wird zum Mittelpunkt eines eher atheistisch eingestellten Landstrichs erhoben und als eine Art Bollwerk gegen die »Gegner Deutschlands« missbraucht.

Die Gegner sind in diesem Fall: Muslime, Linke, Schwule und die »Lügenpresse«. Vaterlandsverräter und Gutmenschen eben.

Aber was ist es, dass besonders fundamentalistische Christen aus beiden Konfessionen diesem Kampf beitreten? Wieso glauben sie, dass ein unchristliches Verhalten plötzlich christlich wird?

Die Verbindung zwischen Rechtspopulismus und fundamentalistischem Christentum ist zwar ein eigenartiges Phänomen, dennoch nicht unbekannt. Diese »unheilige« Allianz existiert sowohl innerhalb der Römisch-Katholischen Kirche, als auch in den verschiedenen Ausprägungen des protestantischen Glaubens (in und außerhalb Deutschlands).

Im Vorfeld hat deshalb die katholische Kirche in Deutschland verlautet, dass die AfD im Rahmen des Katholikentags 2016 nicht daran teilnehmen werden darf und auch nicht erwünscht ist.

Heute möchte ich von einer bekannten Gruppierung innerhalb der Römisch-Katholischen Kirche schreiben. Eine Bruderschaft, die immer wieder im Streit mit Rom und dem Papst ist. Eine Gemeinschaft, die sich klar gegen die Reformen der Nachkriegszeit (2. Vatikanische Konzil) stellt und meint den »wahren Katholizismus« zu vertreten: Die Pius-Bruderschaft.

Die wohl berühmtesten klerikalen Rechtspopulisten sind die Pius-Brüder (die Pius-Bruderschaft entstand im Jahr 1970). Es handelt sich dabei um einen konservativen Zusammenschluss aus Katholiken, die immer mal wieder mit Rom im Clinch liegen.

Die Pius-Bruderschaft verabscheut die Religionsfreiheit, die Ehescheidung, die Homosexualität, die Gleichberechtigung der Frau, die Abtreibung, die Trennung von Staat und Kirche und die Aufklärung. Damit stellt sich diese katholische Gruppierung klar gegen das 2. Vatikanum und damit gegen die Lehrmeinung der katholischen Kirche.

Die Pius-Bruderschaft behauptet von sich selbst, dass sie den originalen Katholizismus leben und nur das Bekenntnis an Jesus Christus zum Heil führen kann.

Andere Religionen, besonders die beiden abrahamitischen Weltreligionen Judentum und Islam, sind in den Augen der Pius-Brüder keine Religionen, die das Heil bringen können:


Ökumenismus bezeichnet für den Modernisten die Suche nach einer weltweiten religiösen Einheit. Wie im Falle der Religionsfreiheit haben Katholizismus und Modernismus jeweils einen eigenen Ansatz zum Ökumenismus. Ihre verschiedenen Wege gründen in ihren divergenten Auffassungen der Wahrheit.

Der Modernismus glaubt, dass die religiöse Erkenntnis vom Individuum ausgehe und dort aus einem subjektiven Impuls des Bewusstseins oder des Unterbewusstseins entstehe. Für ihn sind alle Religionen gut und lobenswert, weil sie alle, auf je verschiedene Weise, den eingeborenen religiösen Instinkt des Menschen offenbaren und bestätigen. Folglich gibt es so viele verschiedene Verständnisse von Gott, wie es Menschen gibt. Als legitime Darstellungen des menschlichen Geistes verdienen sie alle gleichen Respekt und Anerkennung. Im gegenseitigen Dialog sollen sich darum die verschiedenen Religionen austauschen, einander kennenlernen und in Respekt und Frieden zusammenleben.

Die direkt von Gott offenbarte Religion

Auf der anderen Seite lehrt der Katholizismus, dass es eine wahre und direkt von Gott geoffenbarte Religion gibt. Nur die katholische Religion kann dauerhaftes Glück und wahren Frieden geben, nicht nur zwischen den Menschen, sondern auch zwischen dem Menschen und Gott.Weil Gott will, dass jeder Mensch die von Ihm geoffenbarte Wahrheit kennenlernt, ist es die Pflicht der Kirche, die von Gott geoffenbarten Glaubensinhalte zu lehren und zu verbreiten – und die falschen Lehren zu verdammen – und so alle Seelen zum Heil zu führen.Der richtig verstandene Ökumenismus leitet den Katholiken an, Gottes geoffenbarte Wahrheiten zu verteidigen und die Bekehrung zur wahren Religion zu fördern, während der Modernist ohne Rücksicht auf die Wahrheit nach Dialog und Kompromiss strebt. 

Offizielle deutsche Internetpräsenz der Pius-Bruderschaft


Damit deklariert diese katholische Bruderschaft das Judentum und den Islam zu Irrlehren, die durch die katholische Kirche zum »wahren Glauben« geführt werden müssen.

Eine klare Opposition gegenüber der kirchlichen Lehrmeinung im Sinne des Nostra Aetate (= »In unserer Zeit«), eine Verlautbarung im Rahmen des 2. Vatikaums, welche nicht-katholische und nicht christliche Religionen behandelt.

In der offiziellen Erklärung zum Nostra Aetate der katholischen Kirche aus dem Jahr 1969 heißt es:


Einführung

1. In unserer Zeit, da sich das Menschengeschlecht von Tag zu Tag enger zusammenschließt und die Beziehungen unter den verschiedenen Völkern sich mehren, erwägt die Kirche mit um so größerer Aufmerksamkeit, in welchem Verhältnis sie zu den nichtchristlichen Religionen steht. Gemäß ihrer Aufgabe, Einheit und Liebe unter den Menschen und damit auch unter den Völkern zu fördern, faßt sie vor allem das ins Auge, was den Menschen gemeinsam ist und sie zur Gemeinschaft untereinander führt.

Alle Völker sind ja eine einzige Gemeinschaft, sie haben denselben Ursprung, da Gott das ganze Menschengeschlecht auf dem gesamten Erdkreis wohnen ließ (1); auch haben sie Gott als ein und dasselbe letzte Ziel. Seine Vorsehung, die Bezeugung seiner Güte und seine Heilsratschlüsse erstrecken sich auf alle Menschen (2), bis die Erwählten vereint sein werden in der Heiligen Stadt, deren Licht die Herrlichkeit Gottes sein wird; werden doch alle Völker in seinem Lichte wandeln (3).

Die Menschen erwarten von den verschiedenen Religionen Antwort auf die ungelösten Rätsel des menschlichen Daseins, die heute wie von je die Herzen der Menschen im tiefsten bewegen: Was ist der Mensch? Was ist Sinn und Ziel unseres Lebens? Was ist das Gute, was die Sünde? Woher kommt das Leid, und welchen Sinn hat es? Was ist der Weg zum wahren Glück? Was ist der Tod, das Gericht und die Vergeltung nach dem Tode? Und schließlich: Was ist jenes letzte und unsagbare Geheimnis unserer Existenz, aus dem wir kommen und wohin wir gehen?

Die verschiedenen Religionen

2. Von den ältesten Zeiten bis zu unseren Tagen findet sich bei den verschiedenen Völkern eine gewisse Wahrnehmung jener verborgenen Macht, die dem Lauf der Welt und den Ereignissen des menschlichen Lebens gegenwärtig ist, und nicht selten findet sich auch die Anerkenntnis einer höchsten Gottheit oder sogar eines Vaters. Diese Wahrnehmung und Anerkenntnis durchtränkt ihr Leben mit einem tiefen religiösen Sinn.

Im Zusammenhang mit dem Fortschreiten der Kultur suchen die Religionen mit genaueren Begriffen und in einer mehr durchgebildeten Sprache Antwort auf die gleichen Fragen. So erforschen im Hinduismus die Menschen das göttliche Geheimnis und bringen es in einem unerschöpflichen Reichtum von Mythen und in tiefdringenden philosophischen Versuchen zum Ausdruck und suchen durch aszetische Lebensformen oder tiefe Meditation oder liebend-vertrauende Zuflucht zu Gott Befreiung von der Enge und Beschränktheit unserer Lage. In den verschiedenen Formen des Buddhismus wird das radikale Ungenügen der veränderlichen Welt anerkannt und ein Weg gelehrt, auf dem die Menschen mit frommem und vertrauendem Sinn entweder den Zustand vollkommener Befreiung zu erreichen oder – sei es durch eigene Bemühung, sei es vermittels höherer Hilfe – zur höchsten Erleuchtung zu gelangen vermögen. So sind auch die übrigen in der ganzen Welt verbreiteten Religionen bemüht, der Unruhe des menschlichen Herzens auf verschiedene Weise zu begegnen, indem sie Wege weisen: Lehren und Lebensregeln sowie auch heilige Riten.

Die katholische Kirche lehnt nichts von alledem ab, was in diesen Religionen wahr und heilig ist. Mit aufrichtigem Ernst betrachtet sie jene Handlungs- und Lebensweisen, jene Vorschriften und Lehren, die zwar in manchem von dem abweichen, was sie selber für wahr hält und lehrt, doch nicht selten einen Strahl jener Wahrheit erkennen lassen, die alle Menschen erleuchtet.

Unablässig aber verkündet sie und muß sie verkündigen Christus, der ist „der Weg, die Wahrheit und das Leben“ (Joh 14,6), in dem die Menschen die Fülle des religiösen Lebens finden, in dem Gott alles mit sich versöhnt hat (4).

Deshalb mahnt sie ihre Söhne, daß sie mit KIugheit und Liebe, durch Gespräch und Zusammenarbeit mit den Bekennern anderer Religionen sowie durch ihr Zeugnis des christlichen Glaubens und Lebens jene geistlichen und sittlichen Güter und auch die sozial-kulturellen Werte, die sich bei ihnen finden, anerkennen, wahren und fördern.

Die muslimische Religion

3. Mit Hochachtung betrachtet die Kirche auch die Muslim, die den alleinigen Gott anbeten, den lebendigen und in sich seienden, barmherzigen und allmächtigen, den Schöpfer Himmels und der Erde (5), der zu den Menschen gesprochen hat. Sie mühen sich, auch seinen verborgenen Ratschlüssen sich mit ganzer Seele zu unterwerfen, so wie Abraham sich Gott unterworfen hat, auf den der islamische Glaube sich gerne beruft. Jesus, den sie allerdings nicht als Gott anerkennen, verehren sie doch als Propheten, und sie ehren seine jungfräuliche Mutter Maria, die sie bisweilen auch in Frömmigkeit anrufen. Überdies erwarten sie den Tag des Gerichtes, an dem Gott alle Menschen auferweckt und ihnen vergilt. Deshalb legen sie Wert auf sittliche Lebenshaltung und verehren Gott besonders durch Gebet, Almosen und Fasten.

Da es jedoch im Lauf der Jahrhunderte zu manchen Zwistigkeiten und Feindschaften zwischen Christen und Muslim kam, ermahnt die Heilige Synode alle, das Vergangene beiseite zu lassen, sich aufrichtig um gegenseitiges Verstehen zu bemühen und gemeinsam einzutreten für Schutz und Förderung der sozialen Gerechtigkeit, der sittlichen Güter und nicht zuletzt des Friedens und der Freiheit für alle Menschen.


Die jüdische Religion

4. Bei ihrer Besinnung auf das Geheimnis der Kirche gedenkt die Heilige Synode des Bandes, wodurch das Volk des Neuen Bundes mit dem Stamme Abrahams geistlich verbunden ist.

So anerkennt die Kirche Christi, daß nach dem Heilsgeheimnis Gottes die Anfänge ihres Glaubens und ihrer Erwählung sich schon bei den Patriarchen, bei Moses und den Propheten finden.

Sie bekennt, daß alle Christgläubigen als Söhne Abrahams dem Glauben nach (6) in der Berufung dieses Patriarchen eingeschlossen sind und daß in dem Auszug des erwählten Volkes aus dem Lande der Knechtschaft das Heil der Kirche geheimnisvoll vorgebildet ist. Deshalb kann die Kirche auch nicht vergessen, daß sie durch jenes Volk, mit dem Gott aus unsagbarem Erbarmen den Alten Bund geschlossen hat, die Offenbarung des Alten Testamentes empfing und genährt wird von der Wurzel des guten Ölbaums, in den die Heiden als wilde Schößlinge eingepfropft sind (7). Denn die Kirche glaubt, daß Christus, unser Friede, Juden und Heiden durch das Kreuz versöhnt und beide in sich vereinigt hat (8). Die Kirche hat auch stets die Worte des Apostels Paulus vor Augen, der von seinen Stammverwandten sagt, daß „ihnen die Annahme an Sohnes Statt und die Herrlichkeit, der Bund und das Gesetz, der Gottesdienst und die Verheißungen gehören wie auch die Väter und daß aus ihnen Christus dem Fleische nach stammt“ (Röm 9,4-5), der Sohn der Jungfrau Maria.

Auch hält sie sich gegenwärtig, daß aus dem jüdischen Volk die Apostel stammen, die Grundfesten und Säulen der Kirche, sowie die meisten jener ersten Jünger, die das Evangelium Christi der Welt verkündet haben.

Wie die Schrift bezeugt, hat Jerusalem die Zeit seiner Heimsuchung nicht erkannt (9), und ein großer Teil der Juden hat das Evangelium nicht angenommen, ja nicht wenige haben sich seiner Ausbreitung widersetzt (10). Nichtsdestoweniger sind die Juden nach dem Zeugnis der Apostel immer noch von Gott geliebt um der Väter willen; sind doch seine Gnadengaben und seine Berufung unwiderruflich (11). Mit den Propheten und mit demselben Apostel erwartet die Kirche den Tag, der nur Gott bekannt ist, an dem alle Völker mit einer Stimme den Herrn anrufen und ihm „Schulter an Schulter dienen“ (Soph 3,9) (12).

Da also das Christen und Juden gemeinsame geistliche Erbe so reich ist, will die Heilige Synode die gegenseitige Kenntnis und Achtung fördern, die vor allem die Frucht biblischer und theologischer Studien sowie des brüderlichen Gespräches ist.

Obgleich die jüdischen Obrigkeiten mit ihren Anhängern auf den Tod Christi gedrungen haben (13), kann man dennoch die Ereignisse seines Leidens weder allen damals lebenden Juden ohne Unterschied noch den heutigen Juden zur Last legen.

Gewiß ist die Kirche das neue Volk Gottes, trotzdem darf man die Juden nicht als von Gott verworfen oder verflucht darstellen, als wäre dies aus der Heiligen Schrift zu folgern. Darum sollen alle dafür Sorge tragen, daß niemand in der Katechese oder bei der Predigt des Gotteswortes etwas lehre, das mit der evangelischen Wahrheit und dem Geiste Christi nicht im Einklang steht.

Im Bewußtsein des Erbes, das sie mit den Juden gemeinsam hat, beklagt die Kirche, die alle VerfoIgungen gegen irgendwelche Menschen verwirft, nicht aus politischen Gründen, sondern auf Antrieb der religiösen Liebe des Evangeliums alle Haßausbrüche, Verfolgungen und Manifestationen des Antisemitismus, die sich zu irgendeiner Zeit und von irgend jemandem gegen die Juden gerichtet haben. Auch hat ja Christus, wie die Kirche immer gelehrt hat und lehrt, in Freiheit, um der Sünden aller Menschen willen, sein Leiden und seinen Tod aus unendlicher Liebe auf sich genommen, damit alle das Heil erlangen. So ist es die Aufgabe der Predigt der Kirche, das Kreuz Christi als Zeichen der universalen Liebe Gottes und als Quelle aller Gnaden zu verkünden.


Universale Brüderlichkeit

5. Wir können aber Gott, den Vater aller, nicht anrufen, wenn wir irgendwelchen Menschen, die ja nach dem Ebenbild Gottes geschaffen sind, die brüderliche Haltung verweigern. Das Verhalten des Menschen zu Gott dem Vater und sein Verhalten zu den Menschenbrüdern stehen in so engem Zusammenhang, daß die Schrift sagt: „Wer nicht liebt, kennt Gott nicht“ (1 Joh 4,8).

So wird also jeder Theorie oder Praxis das Fundament entzogen, die zwischen Mensch und Mensch, zwischen Volk und Volk bezüglich der Menschenwürde und der daraus fließenden Rechte einen Unterschied macht.

Deshalb verwirft die Kirche jede Diskriminierung eines Menschen oder jeden Gewaltakt gegen ihn um seiner Rasse oder Farbe, seines Standes oder seiner Religion willen, weil dies dem Geist Christi widerspricht. Und dementsprechend ruft die Heilige Synode, den Spuren der heiligen Apostel Petrus und Paulus folgend, die Gläubigen mit leidenschaftlichem Ernst dazu auf, daß sie „einen guten Wandel unter den Völkern führen“ (1 Petr 2,12) und womöglich, soviel an ihnen liegt, mit allen Menschen Frieden halten (14), so daß sie in Wahrheit Söhne des Vaters sind, der im Himmel ist (15).                                                                                        

Erklärung Nostra Aetate über das Verhältnis der Kirche zu den nichtchristlichen Religionen 


Demnach ist es für die Kirche wichtig, dass alle Religionen und Glaubensrichtungen gleichermaßen beachtet und respektiert werden, wobei weiterhin Lehrmeinung der Kirche ist, dass allein Jesus Christus für das menschliche Heil sorgt und die Taufe dabei entscheidender Beginn bleibt.

Macht eine nicht vorhandene religiöse Toleranz eine Glaubensgruppe direkt zu einem  rechtspopulistischen Sammelbecken für religiöse Menschen?

Immerhin sind die Verlautbarungen der AfD gegenüber dem Islam und seinen Gläubigen auch nicht zimperlich. Sowohl bei den Pius-Brüdern, als auch bei der AfD fehlt es an einer gesunden und für das 21. Jh. nötigen Toleranz. 

Im Bezug auf die »Pflichten des Staates« äußert sich die Pius-Bruderschaft wie folgt:


Pflicht des Staates

Unzählige Religionen bestimmen das Leben der Menschen unserer Zeit und das Leben in der Gesellschaft. Manche von ihnen sind entstanden aus menschlicher Schwäche und Verblendung, andere aus der Täuschung.

Der Staat kann niemals fehlerhafte Religionen loben, fördern oder unterstützen. Manches Mal wird er falsche Religionen um des Friedens willen dulden und individuelle Missbräuche der Freiheit tolerieren müssen. Er hat jedoch immer die Pflicht die Anhänger der falschen Religionen dahin zu führen ihre Fehler einzusehen und sich zu dem einen, wahren Glauben zu bekehren. Allein die wahre Religion hat ein Recht darauf die Unterstützung des Staates zu genießen.


Der Text liest sich wie ein Traktat innerhalb der von den Rechtspopulisten immer wieder gefürchteten Scharia, oder?

Der Staat hat dafür zu sorgen, dass nur die einzig wahre Religion Unterstützung und Förderung erhält. In dem Fall handelt es sich aber nicht um den Islam (wie z.B. von deutschen Islamisten, um Pierre Vogel gefordert), sondern um das katholische Christentum.

Eine fundamentalistische Gruppierung fordert Intoleranz direkt vom Staat auszuüben, nämlich in Form von religiöser Bevorzugung. An diesem Beispiel erkennt man schon viel deutlicher, dass die Pius-Bruderschaft rechtspopulistische und vor allem antidemokratische Tendenzen aufweisen und ausdrücken.

Auch innerhalb der kirchlichen Debatte um die Homosexualität und die Homo-Ehe mischen die rechten Kleriker mit und äußerten sich im Jahr 2009 im eigenen Mitteilungsblatt »KURSIV« wie folgt:


»Wie stolz sind wir, wenn wir in einem Geschichtsbuch lesen, dass es im Dritten Reich mutige Katholiken gab, die sagten: „Wir machen diesen Wahnsinn nicht mit!“. Ebenso muss es heute wieder mutige Katholiken geben!«


Zwar wurde dieser unerträgliche Vergleich mit der NS-Diktatur von der katholischen Kirche in Deutschland scharf kritisiert. 

Wie die AfD und PEGIDA sieht sich auch die Pius-Bruderschaft als eine konservative Protestbewegung, die die Kirche bzw. im Falle der AfD / PEGIDA das Land »nur« vor schlechten Einflüssen, Entwicklungen und Entscheidungen bewahren will.

Die einen pöbeln dafür Montags »Wir sind das Volk«, die anderen singen Sonntags Gregorianisch für die Bekehrung der Welt und einer Rückbesinnung auf alte Werte.

Einen wirklichen Unterscheid zwischen Rechtspopulisten und rechten Klerikalen gibt es aber nicht.

Das kaum eine Trennlinie zwischen Rechtspopulisten, Rechtsextremen und Pius-Brüdern existiert, zeigen auch die sogenannten Pro-Life-Proteste (»Für das Leben«) in ganz Deutschland. Besonders in Saarbrücken bekommt  dabei die Pius-Bruderschaft, die diese Veranstaltung organisiert, zweifelhafte Unterstützung aus Kreisen der rechtsextremen Szene Deutschlands, sprich der NPD. Sowohl bekannte NPD-Politiker, wie Peter Marx (NPD-Lan­desvor­sitzen­der und Mit­glied im »Arbeit­skreis Chris­ten in der NPD«), oder Ger­hard Ambro­sius, aber eben auch namenlose NPD-Anhänger mit zweifelhaften Anliegen, marschieren gemeinsam mit den katholischen Pius-Brüdern gegen Homosexualität, Transgender, Abtreibung und Verhütung. Dabei ergibt sich ein Potpourri der braun-rechten Gesinnung, wobei man sich immer wieder fragen muss, wo da die christlichen Werte zu finden sind.

Vor allem der Antisemitismus und das theologische Pendant der Antijudaismus finden ihren besonderen Platz innerhalb der Pius-Bruderschaft.


»Es unterliegt keinem Zweifel, dass jüdische Autoren an der Zersetzung der religiösen und sittlichen Werte in den zwei letzten Jahrhunderten einen beträchtlichen Anteil haben.«            

Schrift der Pius-Bruderschaft aus dem Jahr 2000 [nach Aussagen des Mainz-Reports] 


Aussagen, wie:


Das jüdische Volk war einmal das auserwählte Volk. Bei seiner ersten Ankunft hat sich aber die Masse des Volkes dem Messias verweigert.


oder:


Und dieser furchtbare Fluch ist eingetroffen. Die Juden wurden aus ihrem Land vertrieben, vielmals abgelehnt und noch bis in unsere Zeit verfolgt.                                                                          

Februar-Titelgeschichte des »Mitteilungsblattes für den deutschen Sprachraum« 


zeigen ganz deutlich, wie die Glaubenswelt und auch die politische Einstellung innerhalb dieser Gemeinschaft strukturiert ist.

Die Juden sind für die Pius-Bruderschaft eine religiöse Gruppierung, die mit aller Macht und Notwendigkeit vom »rechten Glauben« überzeugt werden müssen, da sie nicht nur falsch liegen mit ihrer Theologie, sondern auch aktiv und bewusst Jesus Christus verstoßen haben.


Einmal wird die Barmherzigkeit Gottes auch über den Starrsinn und die Blindheit des jüdischen Volkes triumphieren.                                                                                                                          

Aus einer Verlautbarung der Pius-Bruderschaft Deutschlands 


Die offizielle Stellung der katholischen Kirche gegenüber dem Judentum fällt da viel freundlicher aus, denn für das Christentum ist das Judentum, also auch die theologische Heimat Jesu und seiner Apostel, die Mutterreligion und die Herkunft des Glaubens an den einen Gott, den Gott Israels. 

Der Holocaustleugner und eigentlich exkommunizierte Pius-Bruder Richard Bischof Williamson ist wohl einer der bekanntesten Vertreter der reaktionären und fundamentalistischen Gruppe. Er wurde dadurch bekannt, dass er in einem Interview im Jahr 2009 mit dem schwedischen Fernsehen (SVT) zum wiederholten Mal die Shoah geleugnet hatte (20 Jahre zuvor hatte er seine Thesen in Kanada veröffentlicht).

Williamson behauptete damals, dass es keine Gaskammern gegeben habe und höchstens 200.000 bis 300.000 Jüdinnen und Juden durch die Nationalsozialisten ermordet wurden.

Wenige Tage nach dem Interview nahm der damalige Papst Benedikt XVI die Exkommunikation von vier Bischöfen zurück, darunter befand sich auch Richard Williamson. Es entstand ein Eklat, welcher nicht nur in Deutschland, sondern auf der ganzen Welt behandelt wurde und für Schlagzeilen sorgte.

Durch diese Äußerung schaffte es Williamson die Pius-Bruderschaft mit seiner Haltung deckungsgleich mit anderen rechtspopulistischen und vor antisemitischen Gruppen zu machen. Mit Williamson verschwimmt die hauchdünne Trennlinie zwischen Rechtspopulismus und konservativ-rechter Theologie. Sowohl in den sozialen Netzwerken, als auch bei den Demonstrationen offenbaren viele AfD- und PEGIDA-Unterstützer, dass sie mit der Pius-Bruderschaft sympathisieren und sie als Partner im »Kampf um das christliche Abendland« sehen.  

Im Hinblick auf die kommenden Tage des Katholikentags 2016 in Leipzig bleibt zu hoffen, dass auch die rechts-konservative katholische Pius-Bruderschaft und ihre politischen Unterstützer aus AfD, PEGIDA, NPD und Co. thematisiert werden. In einer modernen katholischen Kirche (nach dem 2. Vatikanum) haben solche politischen, wie auch theologischen Ansichten nichts verloren.