Schluss mit Holocaust-Gedenken – Gauland, die AfD und deren Problem mit der Erinnerungskultur

Nächste Woche Sonntag, am 24.9. findet in Deutschland die Bundestagswahl 2017 statt. Der Wahlkampf tritt nun in seine letzte entscheidende Phase, wo alle Parteien noch mal alles geben müssen, um potenzielle Wähler überzeugen zu können. Auch die AfD (»Alternative für Deutschland«) buhlt um ihre potenzielle Wählerschaft in den unterschiedlichen deutschen Groß- und Kleinstädten. Dem ARD-»Deutschlandtrend« (Stand vom 14.9.) zufolge ist die AfD die drittstärkste Partei, die in den deutschen Bundestag einziehen könnte. Außenminister Sigmar Gabriel (SPD) sprach in einem Interview seine Bedenken über die AfD aus: »Wenn wir Pech haben, senden diese Menschen bei der Wahl ein Signal der Unzufriedenheit, das schlimme Folgen haben wird. Dann haben wir zum ersten Mal nach Ende des Zweiten Weltkriegs im deutschen Reichstag wieder echte Nazis.«, der Außenminister könnte mit seiner Behauptung recht behalten. Vor allem die neuen Äußerungen des AfD-Spitzenkandidaten Alexander Gauland werfen erneut die Frage auf, ob sich die AfD überhaupt glaubwürdig von Rechtsextremen abgrenzt, oder sogar abgrenzen kann.

Am 2. September kamen auf dem sogenannten »Kyffhäuser-Treffen« , einer Veranstaltung des Flügels, einer national-konservativen Gruppierung innerhalb der AfD, verschiedene Rechtsaußen-Politiker zusammen, unter anderem Björn Höcke, der am Anfang des Jahres das Shoah-Mahnmal in Berlin als »Mahnmal der Schande« bezeichnete. Darauf beschloss der Bundesvorstand ein Parteiausschluss-Verfahren gegen Höcke«, aber eröffnet wurde dieses natürlich nicht. Alexander Gauland beschrieb Björn Höcke in einem BILD-Interview als »ein Teil der Seele der AfD«. Vielleicht gerade deshalb sind die Äußerungen des AfD-Kandidaten Alexander Gauland nicht überraschend.

 

»Ja, wir haben uns mit den Verbrechen der zwölf Jahre auseinandergesetzt. Und, liebe Freunde, wenn ich mich in Europa umgucke: Kein anderes Volk hat so deutlich mit einer falschen Vergangenheit aufgeräumt wie das deutsche.«

Gauland verzichtet bewusst darauf genauer auf die »Verbrechen der zwölf Jahre« einzugehen. Aber warum? AfD-Sympathisanten werden sicher einwerfen, dass doch jedes Kind in Deutschland wisse, was die Nazis getan haben, ABER, dass das doch schon so lange her ist und man endlich die Vergangenheit ruhen lassen sollte. Kann man die Shoah, den industriellen Massenmord an 6 000 000 Jüdinnen und Juden überhaupt »ruhe lassen«? Können die Verbrechen an Behinderten, Homosexuellen, Roma und Sinti, Regimegegnern, Zwangsarbeitern, Kriegsgefangenen, Zeugen Jehovas und Kommunisten überhaupt verjähren?

Nicht die faschistische Clique um Adolf Hitler allein hat Europa in Schutt und Asche gelegt, hat dabei geholfen so viele Menschen »entsorgen zu lassen« und hat schlussendlich aus Deutschland einen Trümmerhaufen gemacht. Es waren unzählig viele Deutsche, die bewusst und aus vollem Herzen diesem Regime dienten. Technokraten, wie SS-Obersturmbannführer Adolf Eichmann, machten den Holocaust doch erst möglich. Ja, die »Verbrechen der zwölf Jahre« waren doch vor allem erst wegen der vielen großen und auch kleinen deutschen Rädchen möglich; auch das verdrängt Gauland hier bewusst. Abschließend nennt er das Dritte Reich und seine Verbrechen schlicht und einfach eine »falsche Vergangenheit«, als wäre Deutschland lediglich falsch abgebogen und anschließend wieder auf seinen »tugendhaften Pfad« zurückgekehrt. Ein Schlag in das Gesicht der Überlebenden und deren Nachkommen, die immer noch unter der »falschen Vergangenheit« der Deutschen zu leiden haben.

 

»Man muss uns diese zwölf Jahre jetzt nicht mehr vorhalten. Sie betreffen unsere Identität heute nicht mehr. Und das sprechen wir auch aus.«

»Ich bin nach ’45 geboren und schulde der Welt einen Scheiß!«, liest man immer mal wieder in sozialen Netzwerken, wie Facebook, oder Twitter. Dieser Satz ist zu einem Standardargument deutscher Rechtspopulisten geworden, wenn es um die Verbrechen der Nazis und den Holocaust geht. Auch ein Gauland nimmt den Kerngedanken dieses so abgrundtiefen falschen Satzes auf und strickt damit seine eigene geschichtsrevisionistische Propaganda, die eigentlich vor allem in Neonazi-Kreisen vorherrscht. Er ist der Meinung, dass Erinnerung endlich ist und es für »patriotische« Deutsche keinen Sinn macht, dass man noch weiter an die Shoah und die anderen Verbrechen der deutschen Nazis erinnert. Immerhin seien ja die deutschen Vorfahren schuld und nicht mehr die heutige Generation.

Es bleibt mir ein Rätsel, wieso Befürworter dieser Zeilen in der notwendigen Erinnerungskultur lediglich einen »Schuldkult« sehen und diesen als »anti-deutsch« verfluchen. Es geht um eine Verantwortung, dass das, was zwischen 1933 – 1945 passierte, niemals mehr geschehen darf. Anscheinend wollen Gauland und seine rechtspopulistischen Anhänger das nicht verstehen, aber vielleicht können diese Menschen das auch gar nicht.

 

»Und deshalb, liebe Freunde, haben wir auch das Recht, uns nicht nur unser Land, sondern auch unsere Vergangenheit zurückzuholen. Wenn die Franzosen zu Recht stolz auf ihren Kaiser sind und die Briten auf Nelson und Churchill, haben wir das Recht, stolz zu sein auf die Leistungen deutscher Soldaten in zwei Weltkriegen.«

Gauland sieht im Hinblick auf die deutsche Vergangenheit nur Rechte, die Pflichten aber, die sich notwendigerweise aus einer derartigen Vergangenheit ergeben sollten, kehrt er unter den Teppich. Seine Anhänger sollen durch diese Semantik wieder mehr »Selbstbewusstsein« erleben, endlich einmal »nicht mehr schuldig sein«, denn für Gauland ist der Holocaust nur ein lästiges Hindernis für die Entfaltung von »deutschem Patriotismus«. Ganz nach dem rechts-nationalistischem AfD-Slogan: »Hol dir dein Land zurück!«

Ja, einige Franzosen sind stolz auf Napoléon Bonaparte, dem »Empereur des Français«. Aber wissen die Gauland-Befürworter denn auch, dass dieser Napoléon den »Code Civil« einführte (auch im Rheinland): ein bahnbrechendes Zivilrecht, welches Kirche und Staat trennte, eine Zivilehe einführte und den französischen Juden Gleichberechtigung versicherte. Auch ein Winston Churchill, einer der größten Politiker des 20. Jahrhunderts, hat unglaubliches geleistet. Er führte Sozialreformen ein, die im Vereinigten Königreich zu positiven Entwicklungen führten und er kritisierte die fatale Appeasement-Politik seines Vorgängers Neville Chamberlain mit Adolf Hitler und dessen Hunger nach Territorium. Doch Churchill führte sein Land auch durch den harten Krieg gegen Nazi-Deutschland, dessen Beginn er vor dem House of Commons am 13. Mai 1940 mit seiner berühmten »Blood, toil, tears, and sweat«-Rede kommentierte.

In genau diese Traditionslinie stellt nun der AfD-Spitzenkandidat Alexander Gauland die deutsche Wehrmacht, deren Rolle im Zweiten Weltkrieg unter Historikern unumstritten ist. Die oft verbreitete Legende von der »sauberen Wehrmacht« ist ein Mythos, eine bewusste Verharmlosung der Beteiligung der Wehrmacht an den Verbrechen Nazi-Deutschlands. An diesem Abschnitt werden sich wieder Rechtspopulisten und AfD-Sympathisanten echauffieren und kritisieren, dass ihre Väter / Großväter sicher keine Kriegsverbrecher waren und genau das hat auch niemand behauptet, denn nicht jeder Soldat der Wehrmacht war ein Verbrecher, ABER sie waren Teil eines Systems, welches Kriegsverbrechen ermöglichte.

Die Wehrmacht hielt sich systematisch nicht an Kriegsrecht und behandelte dementsprechend Gegner und Gefangene. Außerdem ermöglichte die Wehrmacht überhaupt erst die Verbrechen der SS. Die Wehrmacht war sogar aktiv am Holocaust beteiligt, wie an der Massenerschießung von ukrainischen Juden im Tal von Babyn-Jar am 29. und 30. September 1941, bei der 33. 000 Juden ermordet wurden.

Der AfD-Spitzenkandidat für die Bundestagswahl 2017 Alexander Gauland fordert also das Recht, hierauf Stolz zu sein?

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Über 33.000 Juden ermordete das Sonderkommando 4a der deutschen Einsatzgruppe C am 29. und 30. September 1941 in der Schlucht Babi Jar bei Kiew. Vom Massaker selbst sind keine Bilder überliefert.

 

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Neu hinab getriebene Opfer mussten sich in der Schlucht von Babi Jar auf die Leichen der zuvor Getöteten legen. Dann erschossen die Deutschen sie aus naher Distanz. So füllte sich die Grube nach und nach mit Leichen.

 

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Kameradschaftsabend des Bremer Polizeibataillons 303, vermutlich in Kiew 1941. Nach einer Massenexekution gab es eine Extra-Ration Alkohol.
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Babij Jar, 2004, Menora aus den frühen 1990er Jahren, Stiftung Denkmal, Lutz Prieß

 

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Das »Mahnmal der Schande« – Der Beweis für den Antisemitismus der AfD

»Höcke kommt! #DresdnerGespräche«, mit diesem Satz ludt am 17.1.2017 die »Junge Alternative Dresden« zu einer Veranstaltung ins Ball- und Brauhaus Watzke am Elbufer im Stadtteil Mickten in die »Hauptstadt des Widerstands« nach Dresden.

Auf einem Einladungs-Flyer blicken die Hauptredner des Abends, ein minimierter Markus Mohr (AfD-Ratsherr der Stadt Aachen) und ein dagegen übergroßer Björn Höcke (AfD-Fraktionsvorsitzende im Thüringer Landtag), heroisch auf die restaurierte Liebfrauenkirche der Stadt Dresden. Natürlich wurde der sakrale Hintergrund, den die JA (Junge Alternative) gewählt hat, nicht willkürlich ausgewählt, sondern dient einem entscheidenen politischem Kalkül, welcher sich im Laufe des Abends noch bestätigen sollte. Denn nichts, was der beurlaubte Gymnasiallehrer Höcke tut ist improvisiert, oder wird dem Zufall überlassen.

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Der ultrarechte AfDler versteht es sich innerhalb des rechtspopulistischen Spektrums zu inszenieren, ja sich als eine DER »Galionsfigur en des Widerstands« feiern zu lassen. Höcke repräsentiert, wie kein Anderer, den völkisch-nationalen Anteil innerhalb der AfD und führt die neurechten Gruppen innerhalb Deutschlands zusammen.

Als Höcke am Abend am Dresdener Ball- und Brauhaus Watzke eintrifft, ist er in Begleitung von Götz Kubitschek, einem neurechten Ideologen und PEGIDA-Veteranen. Auch die Sicherheit und die dort eingesetzten Ordner werden von der PEGIDA-Bewegung gewährleistet und gestellt; diese tragen sogar eine Art Uniform mit rotem Emblem und scharen sich um den Hauptredner Höcke. Das rechte »Compact«-Magazin des Querfrontler Jürgen Elsässer ist für die Liveübertragung via YouTube-Kanal zuständig und filmt den Abend.

Mit der Person Höcke scheinen die neurechten Organisationen und Größen zu harmonieren. Eine Frauke Petry, Bundes- und Landesvorsitzende der »Alternative für Deutschland« ist dagegen nicht gekommen – sie lehnt sowohl die PEGIDA, als auch den Hauptakteur des Abends Höcke vehement ab.

Die Rede von Björn Höcke, dem 44-jährigen beurlaubten Lehrer aus Eichsfeld, wird immer wieder durch »Höcke«-Skandierungen, »Volksverräter!«-Schmähungen und standardisierten »Wir sind das Volk!«-Rufen unterbrochen. Man merkt deutlich, Höcke genießt diese Augenblicke des politischen Ruhms, gar fanatisch blickt er ins »patriotische« Publikum und lässt immer wieder die Lobeshymnen abebben, bevor er mit seinem Sermon fortführt.

Es sind Szenen, die man in der deutschen Geschichte schon mal gesehen hat, aber damals wurden diese nicht mit Hilfe der Internetplattform YouTube, sondern in schwarz-weiß und nicht in einem Brauhaus in Dresden, sondern im bayrischen München festgehalten.

Der Anfang seines Auftritts besteht aus bereits bekannten Äußerungen, die Höcke auch andernorts schon oft getätigt hat und das Bekannte bei seinem Publikum nun noch mal festigt, denn stetige Wiederholung führt bekanntlich zum »Lernerfolg«; da scheint wohl der Lehrer in ihm wieder hervorzukommen.

Gegen Ende seiner Rede geht Björn Höcke aber einen völlig neuen Weg, keine Rezitativen mehr, kein stumpfes Einpeitschen von bereits bekannten Äußerungen, sondern völlig neue Impulse. Dabei wird der AfD-Mann immer fanatischer und badet in der Aufmerksamkeit seines Publikums. Folgendes äußert er zum Abschluss seines Aufenthalts Dresden:

»Die Bombardierung Dresdens und der anschließende Feuersturm vernichtete die Elbflorenz und die darin lebenden Menschen. Die Bombardierung Dresdens war ein Kriegsverbrechen. Sie ist vergleichbar mit den Atombombenabwürfen über Hiroshima und Nagasaki. Mit der Bombardierung Dresdens und der anderen deutschen Städte wollte man nichts anderes, als uns unsere kollektive Identität rauben. Man wollte uns mit Stumpf und Stil vernichten, man wollte unsere Wurzeln roden. Und zusammen mit der dann nach 1945 begonnenen systematischen Umerziehung hat man das dann auch fast geschafft. Deutsche Opfer gab es nicht mehr, sondern es gab nur noch deutsche Täter. Bis heute sind wir nicht in der Lage, unsere eigenen Opfer zu betrauern. Und augenfällig wurde das wieder mit dem würdelosen Umgang mit den Opfern des Berliner Terroranschlags.

Der von Markus Mohr schon zurecht bemerkte Wiederaufbau der Frauenkirche war für uns Patrioten ein Hoffnungsschimmer dafür, dass es ihn doch noch gibt, diesen kleinen Funken deutschen Selbstbehauptungswillen. Aber, liebe Freunde, bis jetzt sind es nur Fassaden, die wieder entstanden sind. Jetzt ist unsere Geistesverfassung, unser Gemütszustand immer noch der eines total besiegten Volkes. Wir Deutschen, und ich rede jetzt nicht von euch Patrioten, die sich hier und heute versammelt haben, wir Deutschen als unser Volk sind das einzige Volk der Welt, dass sich ein Denkmal der Schande in das Herz seiner Hauptstadt gepflanzt hat. Wenn man sich statt die nachwachsende Generation, mit den großen Wohltätern, mit den bekannten, weltbewegenden Philosophen, den Musikern, den genialen Entdeckern und Erfindern, in Berührung zu bringen, von denen wir ja so viele haben, Markus Mohr hat darauf hingewiesen und sie namentlich stellenweise erwähnt und es war doch nur eine kleine Gruppe, die er mangels Zeit aufzählen konnte, vielleicht mehr als jedes andere Volk auf dieser Welt, liebe Freunde, und anstatt unsere Schüler in den Schulen mit dieser Geschichte in Berührung zu bringen, wird die Geschichte, die deutsche Geschichte mies und lächerlich gemacht. So kann es und so darf es nicht weiter gehen.

So kann es, so darf es und so wird es nicht weiter gehen, liebe Freunde. Es gibt keine moralische Pflicht zur Selbstauflösung. Die gibt es nicht. Im Gegenteil, es gibt die moralische Pflicht, dieses Land, diese Kultur, seinen noch vorhandenen Wohlstand und seine noch vorhandene staatliche Wohlordnung an die kommende Generation weiter zu geben, das ist unsere moralische Pflicht. Wenn wir eine Zukunft haben wollen und wir wollen eine Zukunft haben und immer mehr Deutsche erkennen, dass auch sie eine Zukunft haben wollen, dann brauchen wir eine Vision. Eine Vision wird aber nur dann entstehen, wenn wir uns wieder selber finden, wenn wir uns wieder selbst entdecken. Wir müssen wieder wir selbst werden.Selber haben werden wir uns nur, wenn wir wieder eine positive Beziehung zu unserer Geschichte aufbauen. Und schon Franz-Josef Strauß bemerkte, die Vergangenheitsbewältigung an altgesamtgesellschaftliche Daueraufgabe, die lähmt ein Volk.

Liebe Freunde, Recht hat er, der Franz-Josef Strauß! Und diese dämliche Bewältigungspolitik, die lähmt uns heute noch viel mehr als den Franz-Josef Strauß zeitens. Wir brauchen nichts anderes als eine erinnerungspolitische Wende um 180 Grad. Wir brauchen so dringend wie niemals zuvor diese erinnerungspolitische Wende um 180 Grad. Liebe Freunde, wir brauchen keine toten Riten mehr in diesem Land, wir haben keine Zeit mehr, tote Riten zu exekutieren, wir brauchen keine hohlen Phrasen mehr in diesem Land, wir brauchen eine lebendige Erinnerungskultur, die uns vor allen Dingen und zu aller erst mit den großartigen Leistungen der Altvorderen in Berührung bringt.«

(Textversion der Höcke-Rede vom 17.1.2017. Bereitgestellt von Andreas Kemper auf seiner Facebook-Präsenz)

Nach der Abschlussrede schallte tosender Applaus durch den Saal des Dresdner Ball- und Brauhaus Watzke, gefolgt von Lobeshymnen, Rufen und permanenten Standing Ovations der AfD-Anhänger und des neurechten Publikums. Höcke spricht aus, was viele seiner Anhänger von AfD und PEGIDA, aber auch der rechtsextremen Parteien, wie NPD und III. Weg denken.

Für Björn Höcke, wie anscheinend auch seinen Anhängern und Zuhörern ist nun klar geworden, dass Deutschland eine durch den 2. Weltkrieg gedemütigte und »fast ausgeschlöschte« Nation ist.

Er behauptet, wie andere rechtsextreme Vertreter innerhalb der deutschen Politiklandschaft, dass die Luftangriffe auf Dresden (vom 13. bis zum 15. Februar 1945) einem abscheulichen Kriegsverbrechen gleichkommen und von den Ausmaßen sogar vergleichbar mit den Atombombenabwürfen von Hiroshima und Nagasaki 1945 sind.

Er spitzt seine Argumentation damit zu, dass er sagt:

»Mit der Bombardierung Dresdens und der anderen deutschen Städte wollte man nichts anderes, als uns unsere kollektive Identität rauben. Man wollte uns mit Stumpf und Stil vernichten, man wollte unsere Wurzeln roden.«,

damit schließt sich der studierte Geschichtslehrer Höcke dem Gusto der bekannten Geschichtsrevisionisten an, wie unteranderem einem Schultze-Rhonhof (ehemaliger Generalmajor der Bundeswehr). Und reiht sich nun auch in die Riege der Neonazi-Apologeten ein; der Unterschied liegt lediglich darin, dass Höcke nicht vom »Bombenholocaust am deutschen Volk« schwadroniert.

Doch eine Aussage des letzten Teils der Brandrede Höckes stellte alles Gesagte in den Schatten, nämlich die Diffamierung des Holocaust-Mahnmahls in Berlin. Höcke sagt dazu folgendes in seiner Rede:

»Jetzt ist unsere Geistesverfassung, unser Gemütszustand immer noch der eines total besiegten Volkes. Wir Deutschen, und ich rede jetzt nicht von euch Patrioten, die sich hier und heute versammelt haben, wir Deutschen als unser Volk sind das einzige Volk der Welt, dass sich ein Denkmal der Schande in das Herz seiner Hauptstadt gepflanzt hat.«,

das Holocaust-Mahnmal, die notwendige Erinnerung an die durch die Nazis industriell vernichteten 6 Millionen Juden, ist für Höcke ein »Denkmal der Schande«. Die Erinnerung an das größte Verbrechen der Menschheitsgeschichte also etwas, was den deutschen Nachkriegsgenerationen nachhaltig geschadet hat, gar dem ganzen deutschen Volk bis heute immer noch Schaden zufügt, besonders der »deutschen Identität«.

Das Gedenken an die Opfer der Shoah ist damit also ein Teil der »Umerziehung nach 1945«, ein Plan, der die Deutschen »mit Stumpf und Stil« am Deutschsein hindern will.

Auf seiner Facebookpräsens postet Björn Höcke ein Bild, welches ein Zitat des »DER SPIEGEL«-Gründers Rudolf Augstein zeigt (DER SPIEGEL 49/1998):

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Damit will Höcke zeigen, dass er mit seiner »Mahnmal der Schande«-Apologetik nicht allein ist. Doch das Zitieren eines bekannten deutschen Nachkriegs-Antisemiten, wie Rudolf Augstein, untermauert doch  nur noch auf perfide Weise, dass Höcke und die AfD ideologische Träger von Antisemitismus sind.

Natürlich fühlte sich Björn Höcke, ein Tag danach, falsch interpretiert, aber das ist ja kein Einzelfall im »Causa Höcke«. Schon in der Vergangenheit viel Höcke durch perfide Äußerungen auf, so sprach er sich sogar für die berühmte  und verurteilte Holocaustleugnerin Ursula Haverbeck aus und verharmloste ihre Holocaustleugnung mit den Worten:

»sogenannte Meinungsdelikte«,

Abschließend wird aber auch klar, warum die »JA Dresden« die Liebfrauenkirche als Flyer-Hintergrund gewählt hat, denn für Höcke und seine Anhänger ist klar: Deutschland muss sich wieder seiner glorreichen Tagen erinnern. Deutschland soll wieder groß und stark werden. Deutschland muss, wie der Phönix aus der Asche steigen und den »Schuldkult« abschüttlen. Besonders Letzteres ist das Kernziel einer jeden deutschen rechtsextremen Gruppierung. 

Durch die Brandrede vom 17.1.2017 sollte klargeworden sein, dass die Verharmlosung der AfD unser demokratisches Deutschland erst bist zu diesem Punkt gebracht hat.

WEHRET DEN ANFÄNGEN!

Der Antisemitismus der Populisten – Judenhass in Deutschland

Es scheint fast so, als wäre der Populismus gerade ein neuer Trend in der gesellschaftlichen Landschaft Deutschlands. Egal in welcher politischen, oder religiösen Ausprägung, man begegnet in Deutschland nun öfter irgendeiner Form von Populismus.

Zum einen gibt es da die Wutbürger und Rechtspopulisten von AfD, PEGIDA und Co., aber eben auch die Linkspopulisten und USA/Nato-Gegner um Sarah Wagenknecht (sie wurde auf dem diesjährigen Parteitag der Linken deshalb »getortet«). Dazwischen liegen die Querfrontler und Verschwörungstheoriepopulisten, wie Jürgen Elsässer, Ken Jesben (KenFM), aber auch der Sänger Xavier Naidoo, der auf einer Demonstration von Reichsbürgern von der BRiD GmbH geredet hatte.

Auch innerhalb von Religionsgemeinschaften wird der Populismus für manch einen Vertreter immer attraktiver, besonders wenn es darum geht fadenscheinige Argumente anzuführen, warum die eigene Religion »besser« sei. Man könnte ja jetzt meinen, dass das doch ein alter Hut sei, aber im Moment bekommt diese Art von religiösem Populismus wieder mehr Aufwind, besonders im Schatten des IS, der daraus resultierenden Flüchtlingskrise, Christenverfolgung und die pauschalisierte Verurteilung von Muslimen.

Doch alle genannten Formen des »trendigen« Populismus haben eine Gemeinsamkeit: den Antisemitismus.

Natürlich wird der Antisemitismus von jeder populistischen Gruppe anders vertreten und ausgedrückt, aber alle haben gemeinsam, dass man »die Juden« für gewisse politische und gesellschaftliche Entwicklungen verantwortlich macht. Dabei bedienen sich populistische Antisemiten gewisser Tricks und Täuschungen, besonders, um den Vorwurf des Antisemitismus ablegen zu können.

Die Amadeu Antonio Stiftung hat auf ihrer offiziellen Homepage eine Liste veröffentlicht, die die gängigsten antijüdischen und antisemitischen Stereotypen vorstellt und widerlegt:

  1. »Ich habe ja nichts gegen Juden, aber…
  2. »Kindermörder Israel!« (besonders beliebt seit dem Sommer 2014)
  3. »Die Zionisten sind die Nazis von heute!«
  4. »Araber sind auch Semiten«
  5. »Die Deutschen haben auch gelitten«
  6. »Es muss auch mal Schluss sein« (wird gerne von Rechten verwendet)
  7. »Da stecken doch die Zionisten dahinter«
  8. »Israel hat kein Recht zu existieren«
  9. »Die wahren Juden sind gegen Zionismus« (Aussage auf dem Berliner al-Quds-Tag)
  10. »Man darf ja nichts sagen, sonst ist man gleich ein Antisemit«

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Pro-Palästina Demonstration der LinksJugend in Essen, Sommer 2014

Der Sommer 2014 hat auf dramatische Weise gezeigt, wie stark und deutlich Antisemitismus innerhalb Deutschlands noch wirksam sein kann. Während im Nahen Osten 2014 der Konflikt zwischen Israel und dem Terrorregime der Hamas in Gaza  auf seinem Höhepunkt war, entflammte auch in Deutschland und dem restlichen Europa der Antisemitismus in einer seit 1945 nicht da gewesenen Weise.

Hamas! Hamas! Juden ins Gas! 

Auf einer Pro-Palästina-Demo in Frankfurt

In zahlreichen deutschen Großstädten protestierten tausende von Menschen gegen Israel, den Zionismus und eben auch gegen Juden. Es waren keine Friedensdemos, wie man sie noch vom Irak-Kriegs 2002 kannte, sondern diese Protestbewegungen hatten einen feindlichen und vor allem aggressiven Charakter. Gegen Israel und das Judentum formierten sich Linke, Rechte und eben auch Muslime; ein Potpourri von Ideologien und Anschauungen, welche heute nur sehr schwierig an einen Tisch zu kriegen sind.

Auf den Demos wurden Parolen skandiert, wie:

»Hamas! Hamas! Juden ins Gas!«


oder, wie diese Äußerung in Berlin:

»Jude, Jude, feiges Schwein, komm heraus und kämpf‘ allein!«


Damit war die ständige Schutzbehauptung der Antisemiten, sie würden ja »nur« die israelische Regierung und die Zionisten kritisieren (diese sein ja nicht »die Juden«), als Lüge enttarnt worden. Auf den Kundgebungen und Demonstrationen wurde eben nicht zwischen Zionisten, Israelis und Juden unterschieden, sondern der Hass richtete sich gegen Juden im Allgemeinen. In Berlin gab es Übergriffe gegen Personen, die eindeutig als jüdische Mitbürger zu erkennen waren. Die Kippah und der Davidstern wurden zu gefährlichen Symbolen.

Aber auch in anderen deutschen Großstädten eskalierten diese von Wut und Hass getriebenen Demonstrationen.

Dieses Video zeigt die dramatische Eskalation in Essen am 18.7.2014. Dort hatten Demonstranten der Pro-Palästina-Demo, die von der Linksjugend organsiert wurde, Angehörige der pro-israelischen Gegendemonstration durch die Innenstadt gejagt.


Auf dem Video sind eindeutige antisemitische Straftaten zu sehen, in diesem Sommer 2014 leider kein Einzelfall. Von den zahlreichen Straftaten nach § 130 (Volksverhetzung), wurden nur einige Wenige durch die Justiz abgeurteilt. Von den 49 Strafverfahren wurden 45 bis Dezember 2014 eingestellt. Ein Armutszeugnis für die Stadt Essen und die deutsche Justiz.  

Doch ein Fall (ein Strafverfahren von den übrigen vier), der vor dem Essener Amtsgericht verhandelt wurde, zeigt deutlich, dass wer gegen Zionisten hetzt, eigentlich Juden meint und dies auch bestraft werden muss.

Im Sommer 2014 hatte Taylan C. auf der oben genannten Kundgebung der Linksjugend gegen Israel in Essen folgendes verkündet (Video-Beweis): 

»Tod und Hass den Zionisten!«

dabei stachelte Taylan C. die Menge auch noch an. Vor Gericht wiederholte C. die Standartaussage eines jeden Antisemiten, der sich dem Vorwurf der Volksverhetzung gegenüber sieht:

»Ich habe nichts gegen Juden, ich hab nur was gegen Zionisten!«,

diese Aussage bekräftigte er damit, dass der Tod von Zionisten (für ihn gibt es in Deutschland keine Minderheit der »Zionisten« und somit auch kein Vergehen) nun einmal auch »Gottes Strafe« sei.

Richterin Gauri Sastry begründete eine Verurteilung mit folgender Erklärung:

»Zionist ist im Sprachgebrauch der Antisemiten der Code für Jude. Wenn Sie im vergangenen Jahr, Tod und Hass den Zionisten‘ riefen, meinten Sie damit den Staat Israel und die Juden. Es war ja der Staat Israel, der sich im Krieg befand.«

Weiter führte Richterin Sastry aus, dass zwar die Meinungsfreiheit ein hohes Gut in Deutschland ist, aber die Art und Weise entscheidend ist:

»Aber Sie haben die Grenzen der Meinungsfreiheit überschritten, als Sie zu Tod und Hass gegen die Juden aufgerufen haben und versuchten, eine Menschenmenge zu verhexen.«

Damit war endlich der Bann der Antisemiten, dass mit der Kritik an Zionisten nie Juden gemeint sind, auch vor einem deutschen Gericht gebrochen. Der Antisemit Tayler C. wurde vor dem Amtsgericht Essen zu einer Haftstrafe von drei Monaten auf Bewährung und der Zahlung von 200 Euro verurteilt.

Doch wie hat sich die Lage seit dem Sommer 2014 entwickelt?

Die Antwort ist leider kurz und schockierend: Es ist nicht besser geworden und weiterhin sorgen jüdische Symbole, wie die Kippah, oder der Davidstern dafür, dass man als Jüdin, oder Jude große Probleme bekommen kann.

Am Freitag den 27.5.2016 ereignete sich in der Stadt Duisburg ein weiterer trauriger Fall von Antisemitismus. Dort hatten mehrere Jugendliche mich durch den örtlichen Stadtpark gejagt und mir mit Mord gedroht, wenn sie mich noch einmal sehen würden. Das alles nur, weil ich mit Kippah für diese Personen eindeutig als Jude erkennbar war. Es ist ein Skandal, dass in Deutschland, 71 Jahre nach Auschwitz, Jüdinnen und Juden wieder Angst haben müssen.

Natürlich wurde mein Fall auch von Rechtspopulisten ausgenutzt, die im Allgemeinen gegen Muslime und den Islam hetzen wollten. Für mich ein widerlicher Propagandazug, denn diese Wutbürger wollen den jüdischen Mitbürgern nicht wirklich helfen, sondern missbrauchen die Ängste und Probleme der jüdischen Gemeinde in Deutschland für die eigene rechtspopulistische Politik.

Aber auch muslimische Antisemiten relativierten wieder diverse Übergriffe, wie auch meinen Fall in Duisburg. Die Meinung war eindeutig und bekannt, denn mit diesen Übergriffen waren wieder nicht »die Juden« gemeint, sondern eben nur die »verhassten Zionisten«.

Hier ein Beispiel einer solchen Relativierung:

 


Es ist wirklich Zeit, dass man in Deutschland  stärker das Problem Antisemitismus benennt und behandelt.  Die deutsche Gesellschaft und besonders die Politik darf den Rechtspopulisten nicht die Behandlung der Problematik überlassen und Antisemitismus nur zu einem muslimischen Problem erheben. Genauso muss aber auch von Seiten der Linken erlaubt sein, dass man arabischen und vor allem muslimischen Antisemitismus in Deutschland ansprechen darf.

Die widerlichen Parolen von AfDlern, wie:

»Ersetze Juden durch AfD und zieh den Männern Sturmhauben über den Kopf. Dann erhälst Du Mitglieder der Antifa.«

sind genauso fragwürdig, wie einige Aussagen von Muslimen, wie:

» Wir (gemeint Muslime) sind die neuen Juden!«

Immerhin betrifft Antisemitismus in Deutschland uns alle und deshalb liegt es auch an uns, der deutschen Gesellschaft, dagegen einzuschreiten. Gemeinsam!

Die AfD, PEGIDA und die Christen – Eine unheilige Allianz I: Die Pius-Bruderschaft

Heute beginnt der 100. deutsche Katholikentag im eigentlich atheistisch dominierten Leipzig. Von den 570.000 Einwohnern der größten Stadt im Freistaat Sachsen sind nur 20% überhaupt Christen, davon nur 4,3% Katholiken.

Ist das nicht komisch, besonders wenn man an die LEGIDA- und PEGIDA-Aufmärsche denkt?

An jedem Montag treffen sich »stolze deutsche Patrioten« und eben auch Christen, die das Abendland gegen die »Islamisierung« schützen wollen. Man kämpft für ein christliches Weihnachten, Ostern und Deutschland, denn Muslime »fluten« das Land und wollen »dem Land die Scharia aufzwängen«.

Immer wieder sieht man auf den Demonstrationen ein leuchtendes Kreuz, welches von Teilnehmern vorweg getragen wird. Ein sakrales Symbol innerhalb einer eigentlich profanen Umgebung, denn weder PEGIDA, noch die sympathisierende AfD vertreten christliche Werte. Das Christentum wird zum Mittelpunkt eines eher atheistisch eingestellten Landstrichs erhoben und als eine Art Bollwerk gegen die »Gegner Deutschlands« missbraucht.

Die Gegner sind in diesem Fall: Muslime, Linke, Schwule und die »Lügenpresse«. Vaterlandsverräter und Gutmenschen eben.

Aber was ist es, dass besonders fundamentalistische Christen aus beiden Konfessionen diesem Kampf beitreten? Wieso glauben sie, dass ein unchristliches Verhalten plötzlich christlich wird?

Die Verbindung zwischen Rechtspopulismus und fundamentalistischem Christentum ist zwar ein eigenartiges Phänomen, dennoch nicht unbekannt. Diese »unheilige« Allianz existiert sowohl innerhalb der Römisch-Katholischen Kirche, als auch in den verschiedenen Ausprägungen des protestantischen Glaubens (in und außerhalb Deutschlands).

Im Vorfeld hat deshalb die katholische Kirche in Deutschland verlautet, dass die AfD im Rahmen des Katholikentags 2016 nicht daran teilnehmen werden darf und auch nicht erwünscht ist.

Heute möchte ich von einer bekannten Gruppierung innerhalb der Römisch-Katholischen Kirche schreiben. Eine Bruderschaft, die immer wieder im Streit mit Rom und dem Papst ist. Eine Gemeinschaft, die sich klar gegen die Reformen der Nachkriegszeit (2. Vatikanische Konzil) stellt und meint den »wahren Katholizismus« zu vertreten: Die Pius-Bruderschaft.

Die wohl berühmtesten klerikalen Rechtspopulisten sind die Pius-Brüder (die Pius-Bruderschaft entstand im Jahr 1970). Es handelt sich dabei um einen konservativen Zusammenschluss aus Katholiken, die immer mal wieder mit Rom im Clinch liegen.

Die Pius-Bruderschaft verabscheut die Religionsfreiheit, die Ehescheidung, die Homosexualität, die Gleichberechtigung der Frau, die Abtreibung, die Trennung von Staat und Kirche und die Aufklärung. Damit stellt sich diese katholische Gruppierung klar gegen das 2. Vatikanum und damit gegen die Lehrmeinung der katholischen Kirche.

Die Pius-Bruderschaft behauptet von sich selbst, dass sie den originalen Katholizismus leben und nur das Bekenntnis an Jesus Christus zum Heil führen kann.

Andere Religionen, besonders die beiden abrahamitischen Weltreligionen Judentum und Islam, sind in den Augen der Pius-Brüder keine Religionen, die das Heil bringen können:


Ökumenismus bezeichnet für den Modernisten die Suche nach einer weltweiten religiösen Einheit. Wie im Falle der Religionsfreiheit haben Katholizismus und Modernismus jeweils einen eigenen Ansatz zum Ökumenismus. Ihre verschiedenen Wege gründen in ihren divergenten Auffassungen der Wahrheit.

Der Modernismus glaubt, dass die religiöse Erkenntnis vom Individuum ausgehe und dort aus einem subjektiven Impuls des Bewusstseins oder des Unterbewusstseins entstehe. Für ihn sind alle Religionen gut und lobenswert, weil sie alle, auf je verschiedene Weise, den eingeborenen religiösen Instinkt des Menschen offenbaren und bestätigen. Folglich gibt es so viele verschiedene Verständnisse von Gott, wie es Menschen gibt. Als legitime Darstellungen des menschlichen Geistes verdienen sie alle gleichen Respekt und Anerkennung. Im gegenseitigen Dialog sollen sich darum die verschiedenen Religionen austauschen, einander kennenlernen und in Respekt und Frieden zusammenleben.

Die direkt von Gott offenbarte Religion

Auf der anderen Seite lehrt der Katholizismus, dass es eine wahre und direkt von Gott geoffenbarte Religion gibt. Nur die katholische Religion kann dauerhaftes Glück und wahren Frieden geben, nicht nur zwischen den Menschen, sondern auch zwischen dem Menschen und Gott.Weil Gott will, dass jeder Mensch die von Ihm geoffenbarte Wahrheit kennenlernt, ist es die Pflicht der Kirche, die von Gott geoffenbarten Glaubensinhalte zu lehren und zu verbreiten – und die falschen Lehren zu verdammen – und so alle Seelen zum Heil zu führen.Der richtig verstandene Ökumenismus leitet den Katholiken an, Gottes geoffenbarte Wahrheiten zu verteidigen und die Bekehrung zur wahren Religion zu fördern, während der Modernist ohne Rücksicht auf die Wahrheit nach Dialog und Kompromiss strebt. 

Offizielle deutsche Internetpräsenz der Pius-Bruderschaft


Damit deklariert diese katholische Bruderschaft das Judentum und den Islam zu Irrlehren, die durch die katholische Kirche zum »wahren Glauben« geführt werden müssen.

Eine klare Opposition gegenüber der kirchlichen Lehrmeinung im Sinne des Nostra Aetate (= »In unserer Zeit«), eine Verlautbarung im Rahmen des 2. Vatikaums, welche nicht-katholische und nicht christliche Religionen behandelt.

In der offiziellen Erklärung zum Nostra Aetate der katholischen Kirche aus dem Jahr 1969 heißt es:


Einführung

1. In unserer Zeit, da sich das Menschengeschlecht von Tag zu Tag enger zusammenschließt und die Beziehungen unter den verschiedenen Völkern sich mehren, erwägt die Kirche mit um so größerer Aufmerksamkeit, in welchem Verhältnis sie zu den nichtchristlichen Religionen steht. Gemäß ihrer Aufgabe, Einheit und Liebe unter den Menschen und damit auch unter den Völkern zu fördern, faßt sie vor allem das ins Auge, was den Menschen gemeinsam ist und sie zur Gemeinschaft untereinander führt.

Alle Völker sind ja eine einzige Gemeinschaft, sie haben denselben Ursprung, da Gott das ganze Menschengeschlecht auf dem gesamten Erdkreis wohnen ließ (1); auch haben sie Gott als ein und dasselbe letzte Ziel. Seine Vorsehung, die Bezeugung seiner Güte und seine Heilsratschlüsse erstrecken sich auf alle Menschen (2), bis die Erwählten vereint sein werden in der Heiligen Stadt, deren Licht die Herrlichkeit Gottes sein wird; werden doch alle Völker in seinem Lichte wandeln (3).

Die Menschen erwarten von den verschiedenen Religionen Antwort auf die ungelösten Rätsel des menschlichen Daseins, die heute wie von je die Herzen der Menschen im tiefsten bewegen: Was ist der Mensch? Was ist Sinn und Ziel unseres Lebens? Was ist das Gute, was die Sünde? Woher kommt das Leid, und welchen Sinn hat es? Was ist der Weg zum wahren Glück? Was ist der Tod, das Gericht und die Vergeltung nach dem Tode? Und schließlich: Was ist jenes letzte und unsagbare Geheimnis unserer Existenz, aus dem wir kommen und wohin wir gehen?

Die verschiedenen Religionen

2. Von den ältesten Zeiten bis zu unseren Tagen findet sich bei den verschiedenen Völkern eine gewisse Wahrnehmung jener verborgenen Macht, die dem Lauf der Welt und den Ereignissen des menschlichen Lebens gegenwärtig ist, und nicht selten findet sich auch die Anerkenntnis einer höchsten Gottheit oder sogar eines Vaters. Diese Wahrnehmung und Anerkenntnis durchtränkt ihr Leben mit einem tiefen religiösen Sinn.

Im Zusammenhang mit dem Fortschreiten der Kultur suchen die Religionen mit genaueren Begriffen und in einer mehr durchgebildeten Sprache Antwort auf die gleichen Fragen. So erforschen im Hinduismus die Menschen das göttliche Geheimnis und bringen es in einem unerschöpflichen Reichtum von Mythen und in tiefdringenden philosophischen Versuchen zum Ausdruck und suchen durch aszetische Lebensformen oder tiefe Meditation oder liebend-vertrauende Zuflucht zu Gott Befreiung von der Enge und Beschränktheit unserer Lage. In den verschiedenen Formen des Buddhismus wird das radikale Ungenügen der veränderlichen Welt anerkannt und ein Weg gelehrt, auf dem die Menschen mit frommem und vertrauendem Sinn entweder den Zustand vollkommener Befreiung zu erreichen oder – sei es durch eigene Bemühung, sei es vermittels höherer Hilfe – zur höchsten Erleuchtung zu gelangen vermögen. So sind auch die übrigen in der ganzen Welt verbreiteten Religionen bemüht, der Unruhe des menschlichen Herzens auf verschiedene Weise zu begegnen, indem sie Wege weisen: Lehren und Lebensregeln sowie auch heilige Riten.

Die katholische Kirche lehnt nichts von alledem ab, was in diesen Religionen wahr und heilig ist. Mit aufrichtigem Ernst betrachtet sie jene Handlungs- und Lebensweisen, jene Vorschriften und Lehren, die zwar in manchem von dem abweichen, was sie selber für wahr hält und lehrt, doch nicht selten einen Strahl jener Wahrheit erkennen lassen, die alle Menschen erleuchtet.

Unablässig aber verkündet sie und muß sie verkündigen Christus, der ist „der Weg, die Wahrheit und das Leben“ (Joh 14,6), in dem die Menschen die Fülle des religiösen Lebens finden, in dem Gott alles mit sich versöhnt hat (4).

Deshalb mahnt sie ihre Söhne, daß sie mit KIugheit und Liebe, durch Gespräch und Zusammenarbeit mit den Bekennern anderer Religionen sowie durch ihr Zeugnis des christlichen Glaubens und Lebens jene geistlichen und sittlichen Güter und auch die sozial-kulturellen Werte, die sich bei ihnen finden, anerkennen, wahren und fördern.

Die muslimische Religion

3. Mit Hochachtung betrachtet die Kirche auch die Muslim, die den alleinigen Gott anbeten, den lebendigen und in sich seienden, barmherzigen und allmächtigen, den Schöpfer Himmels und der Erde (5), der zu den Menschen gesprochen hat. Sie mühen sich, auch seinen verborgenen Ratschlüssen sich mit ganzer Seele zu unterwerfen, so wie Abraham sich Gott unterworfen hat, auf den der islamische Glaube sich gerne beruft. Jesus, den sie allerdings nicht als Gott anerkennen, verehren sie doch als Propheten, und sie ehren seine jungfräuliche Mutter Maria, die sie bisweilen auch in Frömmigkeit anrufen. Überdies erwarten sie den Tag des Gerichtes, an dem Gott alle Menschen auferweckt und ihnen vergilt. Deshalb legen sie Wert auf sittliche Lebenshaltung und verehren Gott besonders durch Gebet, Almosen und Fasten.

Da es jedoch im Lauf der Jahrhunderte zu manchen Zwistigkeiten und Feindschaften zwischen Christen und Muslim kam, ermahnt die Heilige Synode alle, das Vergangene beiseite zu lassen, sich aufrichtig um gegenseitiges Verstehen zu bemühen und gemeinsam einzutreten für Schutz und Förderung der sozialen Gerechtigkeit, der sittlichen Güter und nicht zuletzt des Friedens und der Freiheit für alle Menschen.


Die jüdische Religion

4. Bei ihrer Besinnung auf das Geheimnis der Kirche gedenkt die Heilige Synode des Bandes, wodurch das Volk des Neuen Bundes mit dem Stamme Abrahams geistlich verbunden ist.

So anerkennt die Kirche Christi, daß nach dem Heilsgeheimnis Gottes die Anfänge ihres Glaubens und ihrer Erwählung sich schon bei den Patriarchen, bei Moses und den Propheten finden.

Sie bekennt, daß alle Christgläubigen als Söhne Abrahams dem Glauben nach (6) in der Berufung dieses Patriarchen eingeschlossen sind und daß in dem Auszug des erwählten Volkes aus dem Lande der Knechtschaft das Heil der Kirche geheimnisvoll vorgebildet ist. Deshalb kann die Kirche auch nicht vergessen, daß sie durch jenes Volk, mit dem Gott aus unsagbarem Erbarmen den Alten Bund geschlossen hat, die Offenbarung des Alten Testamentes empfing und genährt wird von der Wurzel des guten Ölbaums, in den die Heiden als wilde Schößlinge eingepfropft sind (7). Denn die Kirche glaubt, daß Christus, unser Friede, Juden und Heiden durch das Kreuz versöhnt und beide in sich vereinigt hat (8). Die Kirche hat auch stets die Worte des Apostels Paulus vor Augen, der von seinen Stammverwandten sagt, daß „ihnen die Annahme an Sohnes Statt und die Herrlichkeit, der Bund und das Gesetz, der Gottesdienst und die Verheißungen gehören wie auch die Väter und daß aus ihnen Christus dem Fleische nach stammt“ (Röm 9,4-5), der Sohn der Jungfrau Maria.

Auch hält sie sich gegenwärtig, daß aus dem jüdischen Volk die Apostel stammen, die Grundfesten und Säulen der Kirche, sowie die meisten jener ersten Jünger, die das Evangelium Christi der Welt verkündet haben.

Wie die Schrift bezeugt, hat Jerusalem die Zeit seiner Heimsuchung nicht erkannt (9), und ein großer Teil der Juden hat das Evangelium nicht angenommen, ja nicht wenige haben sich seiner Ausbreitung widersetzt (10). Nichtsdestoweniger sind die Juden nach dem Zeugnis der Apostel immer noch von Gott geliebt um der Väter willen; sind doch seine Gnadengaben und seine Berufung unwiderruflich (11). Mit den Propheten und mit demselben Apostel erwartet die Kirche den Tag, der nur Gott bekannt ist, an dem alle Völker mit einer Stimme den Herrn anrufen und ihm „Schulter an Schulter dienen“ (Soph 3,9) (12).

Da also das Christen und Juden gemeinsame geistliche Erbe so reich ist, will die Heilige Synode die gegenseitige Kenntnis und Achtung fördern, die vor allem die Frucht biblischer und theologischer Studien sowie des brüderlichen Gespräches ist.

Obgleich die jüdischen Obrigkeiten mit ihren Anhängern auf den Tod Christi gedrungen haben (13), kann man dennoch die Ereignisse seines Leidens weder allen damals lebenden Juden ohne Unterschied noch den heutigen Juden zur Last legen.

Gewiß ist die Kirche das neue Volk Gottes, trotzdem darf man die Juden nicht als von Gott verworfen oder verflucht darstellen, als wäre dies aus der Heiligen Schrift zu folgern. Darum sollen alle dafür Sorge tragen, daß niemand in der Katechese oder bei der Predigt des Gotteswortes etwas lehre, das mit der evangelischen Wahrheit und dem Geiste Christi nicht im Einklang steht.

Im Bewußtsein des Erbes, das sie mit den Juden gemeinsam hat, beklagt die Kirche, die alle VerfoIgungen gegen irgendwelche Menschen verwirft, nicht aus politischen Gründen, sondern auf Antrieb der religiösen Liebe des Evangeliums alle Haßausbrüche, Verfolgungen und Manifestationen des Antisemitismus, die sich zu irgendeiner Zeit und von irgend jemandem gegen die Juden gerichtet haben. Auch hat ja Christus, wie die Kirche immer gelehrt hat und lehrt, in Freiheit, um der Sünden aller Menschen willen, sein Leiden und seinen Tod aus unendlicher Liebe auf sich genommen, damit alle das Heil erlangen. So ist es die Aufgabe der Predigt der Kirche, das Kreuz Christi als Zeichen der universalen Liebe Gottes und als Quelle aller Gnaden zu verkünden.


Universale Brüderlichkeit

5. Wir können aber Gott, den Vater aller, nicht anrufen, wenn wir irgendwelchen Menschen, die ja nach dem Ebenbild Gottes geschaffen sind, die brüderliche Haltung verweigern. Das Verhalten des Menschen zu Gott dem Vater und sein Verhalten zu den Menschenbrüdern stehen in so engem Zusammenhang, daß die Schrift sagt: „Wer nicht liebt, kennt Gott nicht“ (1 Joh 4,8).

So wird also jeder Theorie oder Praxis das Fundament entzogen, die zwischen Mensch und Mensch, zwischen Volk und Volk bezüglich der Menschenwürde und der daraus fließenden Rechte einen Unterschied macht.

Deshalb verwirft die Kirche jede Diskriminierung eines Menschen oder jeden Gewaltakt gegen ihn um seiner Rasse oder Farbe, seines Standes oder seiner Religion willen, weil dies dem Geist Christi widerspricht. Und dementsprechend ruft die Heilige Synode, den Spuren der heiligen Apostel Petrus und Paulus folgend, die Gläubigen mit leidenschaftlichem Ernst dazu auf, daß sie „einen guten Wandel unter den Völkern führen“ (1 Petr 2,12) und womöglich, soviel an ihnen liegt, mit allen Menschen Frieden halten (14), so daß sie in Wahrheit Söhne des Vaters sind, der im Himmel ist (15).                                                                                        

Erklärung Nostra Aetate über das Verhältnis der Kirche zu den nichtchristlichen Religionen 


Demnach ist es für die Kirche wichtig, dass alle Religionen und Glaubensrichtungen gleichermaßen beachtet und respektiert werden, wobei weiterhin Lehrmeinung der Kirche ist, dass allein Jesus Christus für das menschliche Heil sorgt und die Taufe dabei entscheidender Beginn bleibt.

Macht eine nicht vorhandene religiöse Toleranz eine Glaubensgruppe direkt zu einem  rechtspopulistischen Sammelbecken für religiöse Menschen?

Immerhin sind die Verlautbarungen der AfD gegenüber dem Islam und seinen Gläubigen auch nicht zimperlich. Sowohl bei den Pius-Brüdern, als auch bei der AfD fehlt es an einer gesunden und für das 21. Jh. nötigen Toleranz. 

Im Bezug auf die »Pflichten des Staates« äußert sich die Pius-Bruderschaft wie folgt:


Pflicht des Staates

Unzählige Religionen bestimmen das Leben der Menschen unserer Zeit und das Leben in der Gesellschaft. Manche von ihnen sind entstanden aus menschlicher Schwäche und Verblendung, andere aus der Täuschung.

Der Staat kann niemals fehlerhafte Religionen loben, fördern oder unterstützen. Manches Mal wird er falsche Religionen um des Friedens willen dulden und individuelle Missbräuche der Freiheit tolerieren müssen. Er hat jedoch immer die Pflicht die Anhänger der falschen Religionen dahin zu führen ihre Fehler einzusehen und sich zu dem einen, wahren Glauben zu bekehren. Allein die wahre Religion hat ein Recht darauf die Unterstützung des Staates zu genießen.


Der Text liest sich wie ein Traktat innerhalb der von den Rechtspopulisten immer wieder gefürchteten Scharia, oder?

Der Staat hat dafür zu sorgen, dass nur die einzig wahre Religion Unterstützung und Förderung erhält. In dem Fall handelt es sich aber nicht um den Islam (wie z.B. von deutschen Islamisten, um Pierre Vogel gefordert), sondern um das katholische Christentum.

Eine fundamentalistische Gruppierung fordert Intoleranz direkt vom Staat auszuüben, nämlich in Form von religiöser Bevorzugung. An diesem Beispiel erkennt man schon viel deutlicher, dass die Pius-Bruderschaft rechtspopulistische und vor allem antidemokratische Tendenzen aufweisen und ausdrücken.

Auch innerhalb der kirchlichen Debatte um die Homosexualität und die Homo-Ehe mischen die rechten Kleriker mit und äußerten sich im Jahr 2009 im eigenen Mitteilungsblatt »KURSIV« wie folgt:


»Wie stolz sind wir, wenn wir in einem Geschichtsbuch lesen, dass es im Dritten Reich mutige Katholiken gab, die sagten: „Wir machen diesen Wahnsinn nicht mit!“. Ebenso muss es heute wieder mutige Katholiken geben!«


Zwar wurde dieser unerträgliche Vergleich mit der NS-Diktatur von der katholischen Kirche in Deutschland scharf kritisiert. 

Wie die AfD und PEGIDA sieht sich auch die Pius-Bruderschaft als eine konservative Protestbewegung, die die Kirche bzw. im Falle der AfD / PEGIDA das Land »nur« vor schlechten Einflüssen, Entwicklungen und Entscheidungen bewahren will.

Die einen pöbeln dafür Montags »Wir sind das Volk«, die anderen singen Sonntags Gregorianisch für die Bekehrung der Welt und einer Rückbesinnung auf alte Werte.

Einen wirklichen Unterscheid zwischen Rechtspopulisten und rechten Klerikalen gibt es aber nicht.

Das kaum eine Trennlinie zwischen Rechtspopulisten, Rechtsextremen und Pius-Brüdern existiert, zeigen auch die sogenannten Pro-Life-Proteste (»Für das Leben«) in ganz Deutschland. Besonders in Saarbrücken bekommt  dabei die Pius-Bruderschaft, die diese Veranstaltung organisiert, zweifelhafte Unterstützung aus Kreisen der rechtsextremen Szene Deutschlands, sprich der NPD. Sowohl bekannte NPD-Politiker, wie Peter Marx (NPD-Lan­desvor­sitzen­der und Mit­glied im »Arbeit­skreis Chris­ten in der NPD«), oder Ger­hard Ambro­sius, aber eben auch namenlose NPD-Anhänger mit zweifelhaften Anliegen, marschieren gemeinsam mit den katholischen Pius-Brüdern gegen Homosexualität, Transgender, Abtreibung und Verhütung. Dabei ergibt sich ein Potpourri der braun-rechten Gesinnung, wobei man sich immer wieder fragen muss, wo da die christlichen Werte zu finden sind.

Vor allem der Antisemitismus und das theologische Pendant der Antijudaismus finden ihren besonderen Platz innerhalb der Pius-Bruderschaft.


»Es unterliegt keinem Zweifel, dass jüdische Autoren an der Zersetzung der religiösen und sittlichen Werte in den zwei letzten Jahrhunderten einen beträchtlichen Anteil haben.«            

Schrift der Pius-Bruderschaft aus dem Jahr 2000 [nach Aussagen des Mainz-Reports] 


Aussagen, wie:


Das jüdische Volk war einmal das auserwählte Volk. Bei seiner ersten Ankunft hat sich aber die Masse des Volkes dem Messias verweigert.


oder:


Und dieser furchtbare Fluch ist eingetroffen. Die Juden wurden aus ihrem Land vertrieben, vielmals abgelehnt und noch bis in unsere Zeit verfolgt.                                                                          

Februar-Titelgeschichte des »Mitteilungsblattes für den deutschen Sprachraum« 


zeigen ganz deutlich, wie die Glaubenswelt und auch die politische Einstellung innerhalb dieser Gemeinschaft strukturiert ist.

Die Juden sind für die Pius-Bruderschaft eine religiöse Gruppierung, die mit aller Macht und Notwendigkeit vom »rechten Glauben« überzeugt werden müssen, da sie nicht nur falsch liegen mit ihrer Theologie, sondern auch aktiv und bewusst Jesus Christus verstoßen haben.


Einmal wird die Barmherzigkeit Gottes auch über den Starrsinn und die Blindheit des jüdischen Volkes triumphieren.                                                                                                                          

Aus einer Verlautbarung der Pius-Bruderschaft Deutschlands 


Die offizielle Stellung der katholischen Kirche gegenüber dem Judentum fällt da viel freundlicher aus, denn für das Christentum ist das Judentum, also auch die theologische Heimat Jesu und seiner Apostel, die Mutterreligion und die Herkunft des Glaubens an den einen Gott, den Gott Israels. 

Der Holocaustleugner und eigentlich exkommunizierte Pius-Bruder Richard Bischof Williamson ist wohl einer der bekanntesten Vertreter der reaktionären und fundamentalistischen Gruppe. Er wurde dadurch bekannt, dass er in einem Interview im Jahr 2009 mit dem schwedischen Fernsehen (SVT) zum wiederholten Mal die Shoah geleugnet hatte (20 Jahre zuvor hatte er seine Thesen in Kanada veröffentlicht).

Williamson behauptete damals, dass es keine Gaskammern gegeben habe und höchstens 200.000 bis 300.000 Jüdinnen und Juden durch die Nationalsozialisten ermordet wurden.

Wenige Tage nach dem Interview nahm der damalige Papst Benedikt XVI die Exkommunikation von vier Bischöfen zurück, darunter befand sich auch Richard Williamson. Es entstand ein Eklat, welcher nicht nur in Deutschland, sondern auf der ganzen Welt behandelt wurde und für Schlagzeilen sorgte.

Durch diese Äußerung schaffte es Williamson die Pius-Bruderschaft mit seiner Haltung deckungsgleich mit anderen rechtspopulistischen und vor antisemitischen Gruppen zu machen. Mit Williamson verschwimmt die hauchdünne Trennlinie zwischen Rechtspopulismus und konservativ-rechter Theologie. Sowohl in den sozialen Netzwerken, als auch bei den Demonstrationen offenbaren viele AfD- und PEGIDA-Unterstützer, dass sie mit der Pius-Bruderschaft sympathisieren und sie als Partner im »Kampf um das christliche Abendland« sehen.  

Im Hinblick auf die kommenden Tage des Katholikentags 2016 in Leipzig bleibt zu hoffen, dass auch die rechts-konservative katholische Pius-Bruderschaft und ihre politischen Unterstützer aus AfD, PEGIDA, NPD und Co. thematisiert werden. In einer modernen katholischen Kirche (nach dem 2. Vatikanum) haben solche politischen, wie auch theologischen Ansichten nichts verloren.

Die AfD und die Judenverfolgung – Rechtspopulistische Propaganda auf dem Rücken der Shoah

»Und immer weitere Berufsverbote für AfD’ler kommen hinzu. Freuen Sie sich schon auf den blauen Stern? Wir wissen: Wir werden den Stern wie eine Auszeichnung tragen! Bis zum bitteren Ende!«

Mit diesem Kommentar sorgte der AfD-Kreisverband Krefeld auf deren Facebook-Seite am 5. März 2016 für Aufregung.

Der Hintergrund: ein AfD-Mitglied aus der AWO Hessen wurde ausgeschlossen. Die AfD sah hinter dieser Handlung eine Einflussnahme auf die politische Landschaft Deutschlands und den Versuch, dass Mitglieder gezwungener Maßen vor die Wahl gestellt werden, zwischen ihrer politischen Überzeugung und ihrem Beruf zu wählen. Mittlerweile inszeniert sich die Partei deutschlandweit immer öfter als eine »verfolgte« Partei. Sie sieht sich »politischen Pogromen« durch die etablierten Parteien ausgesetzt und vergleicht sich immer öfter mit den verfolgten Juden während des Nationalsozialismus. 

Was hat also das Verbrechen der Deutschen unter den Nationalsozialsten und der gelbe Davidstern mit der AfD zutun? Wieso inszenieren sich Rechtspopulisten immer wieder durch den Vergleich der Judenverfolgung?

Der Facebookpost des AfD-Kreisverbandes Krefeld vom 5. März spielte eindeutig darauf an, dass AfD-Mitglieder bald genauso, wie damals Jüdinnen und Juden in Deutschland ab 1941, einen Davidstern (im Falle der AfD einen »blauen Stern«) tragen müssten.

Unter Judenkennzeichnung findet man im »Neuen Lexikon des Judentums« (Hrsg. Prof. Dr. Julius H. Schoeps) folgenden Eintrag:


»Mit Gesetz vom 15.9.1941 ordnete die nat.-soz. Regierung an, daß alle Juden im Dt. Reich vom sechsten Lebensjahr an einen gelben Stern in Form des Davidssterns (→Magen David) mit der Aufschrift „Jude“ in pseudo-hebraisierenden Lettern sichtbar zu tragen hatten (zuvor unter dt. Besatzung bereits im Okt. 1939 in Polen, im Juli 1941 in den balt. Staaten eingeführt).«

G. Kirsch, The Yellow Badge in History, in: ders., Forschungen zur Rechts-, Sozial- u. Wirtschaftsgeschichte der Juden, 1979. – F. Singermann, Die Kennzeichnung der Juden im MA, 1915


Die AfD bediente sich somit einem infamen Vergleich mit den Opfern der Shoah. Denn weder werden AfD-Politiker verfolgt, noch per Gesetz aus dem gesellschaftlichen Alltag ausgeschlossen, so wie die Nationalsozialisten damals jüdischen Ärzten und Beamten ein Berufsverbot auferlegten.

Auch werden AfD-Anhänger nicht systematisch in Konzentrationslagern vernichtet. Der AfD-Vergleich hinkt nicht nur, sondern hat auch die Shoah-Erinnerungskultur herabzusetzen versucht.

Es ist schlichtweg ein Unding, wenn Rechtspopulisten mit dem millionenfachen Leid der Opfer des deutschen Nationalsozialismus Propaganda machen und sich als Opfer darstellen. Besonders, da immer wieder Mitglieder innerhalb der AfD durch den Tatbestand der Holocaustleugnung auffallen.

Der Post aus Krefeld war nicht das letzte Mal, dass AfDler durch Vergleiche mit der Judenverfolgung aufgefallen sind. Besonders auf der sozialen Plattform Twitter werden immer häufiger Posts veröffentlicht, die darauf Abzielen mit den Opfern der Shoah Propaganda zu machen.

Auch eine beliebte Masche dieser rechtspopulistischen Propaganda: Die AntiFa mit der SA zu verglichen:

»Ersetze Juden durch AfD und zieh den Männern Sturmhauben über den Kopf. Dann erhälst Du Mitglieder der Antifa.«AfD und Juden